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Donnerstag, 23 Oktober 2014 14:26

Mit uns durch Iran- Teil 60

Grabmal von Mirza Kuchak Khan Djangali auf dem Suleiman-Darab-Friedhof Grabmal von Mirza Kuchak Khan Djangali auf dem Suleiman-Darab-Friedhof
- Im Namen Gottes, wir begrüßen Sie zu einer weiteren Folge aus dem Reisejournal „Mit uns durch Iran“. Begleiten Sie uns dabei.
Wie Sie sich erinnern, ging es in den vergangenen Wochen durch die Provinz Gilan im Norden Irans und zunächst deren Hauptstadt Rascht. Unter den historischen Denkmälern dieser Stadt befindet sich das Grabmal von Mirza Kuchak Khan Djangali auf dem Suleiman-Darab-Friedhof. Hier wird an die Kämpfe eines Freiheitsuchenden Mannes erinnert, der sich gegen den Einfluss der Imperialisten stellte. Das Gebäude ist im islamischen und traditionellen Architekturstil angelegt worden. Es stellt ein Achteck dar, ein übliches geometrisches Muster in der traditionellen Architektur Irans. Das Grabmal ist 40 qm groß und 9 m hoch. Ziegelsteine, Kacheln, Tonziegel und Holz bilden das Baumaterial, die aus der Gegend gewonnen werden und im Zusammenspiel mit der Natur und den alten Bäumen um das Grabmal an den Wald und das freiheitliche Denken der gepriesenen Persönlichkeit erinnern. Das Doch des Grabmals ist mit Ziegeln bedeckt, die in drei Reihen mit einem Löwenkopf angelegt wurden. Die Fassade zieren Kacheln und Ziegelsteine. Die Decke ist mit Holz und Girih-Kacheln, also einem Satz mit 5 Fliesen, verziert. Am oberen Ende der Wände sind in einer Reihe Koranverse verzeichnet. Ein Blick auf die Geschichte Gilans zeigt uns, dass diese grünste und fröhlichste Provinz Irans im Laufe der Geschichte tapferste und freiheitsliebende Männer hervorbrachte. Gilan-Forscher, Historiker und Antikenforscher, Islamkenner und Wissenschaftler folgender Epochen bis heute bestätigen, dass diese Region die Heimat von tapferen und mutigen Männern, von Freigeistern ist, die sich niemals den Fremden gebeugt haben. Die Provinz verdankt ihre Unabhängigkeit in der Vergangenheit größtenteils diesen wagemutigen Helden. Die Menschen aus dieser Region haben zudem bei den freiheitssuchenden Bewegungen in Iran mitgewirkt und ihre eigene Rolle gespielt. Als die Konstitutionelle Revolution in der Hauptstadt Teheran ihren Lauf nahm, haben die Bürger von Gilan ihren Beitrag dazu geleistet und den Baum der Revolution und der Freiheit, die unter den schweren Stiefeln der Diktatur unterzugehen drohte, mit dem Blut ihrer besten und rechtschaffensten Söhne getränkt. Einer dieser großen Männer, die bei der konstitutionellen Revolution eine besondere Rolle spielte, war Mirza Kuchak Khan Djangali. Werfen wir einen Blick auf das Leben und Wirken dieses Heldenmannes aus Gilan. Mirza Kuchak Khan wurde 1881 in Rascht geboren. Von Kindheit an zeigte er Interesse für Wissen und besuchte die schule Saleh-Abad in Rascht. Danach ging er nach Teheran und setzte seine Schulbildung in theologischen Wissenschaften fort. Mirza war ein höflicher, beschiedener, sympathischer Mann, der sich an die religiösen Gebote und Ethik hielt und der für seine Direktheit, Tapferkeit, seinen Gerechtigkeitssinn und Beschützung von Schwachen bekannt war. Angesichts dieser Charaktereigenschaften schloss er sich im Laufe der Konstitutionellen Bewegung (Anfang des 20. Jh.) den Kämpfern an und nahm an der Spitze einer Gruppe von Kämpfern an der Eroberung der Städte Ghazwin und Teheran teil. Nach der Revolution kehrte er in seine Heimat Gilan zurück und widmete sich politischen Aktivitäten. Mit dem ersten Weltkrieg 1914 stürmten aus allen Seiten russische und englische Militärs ins Land, obwohl sich Iran offiziell als unparteiisch erklärte. Die Kommandeure der Invasoren mischten sich in alle Angelegenheiten des Landes ein und missachteten die Rechte und Freiheiten der Bürger. Die iranische Regierung war schwach und gebeutelt von der chaotischen Lage im Land, das Verwaltungssystem und die gesellschaftliche Situation war zusammengebrochen und die Wirtschaftslage der Menschen sehr schlimm, überall herrschte Armut und so überrollte eine Welle des Zorn und der Entrüstung das ganze Land. Mirza hielt sich derzeit in Teheran auf. Nach Beratungen mit Gelehrten in Teheran kam er zu dem Schluss, dass Widerstand gegen die Aggression und Ungerechtigkeit der Ausländer und ihre Handlanger im Land entstehen muss, damit der Druck des Bösen und der Ungerechtigkeit gemindert und die Gesellschaft etwas reformiert wird. Deshalb begab sich Mirza von Teheran nach Gilan und gründete die Wald-Bewegung – Nehzat-e Djangal. So schloss eine Gruppe von tapferen Männern einen Bund, um gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit vorzugehen und die Fremden aus dem Land zu vertreiben und ihren Einfluss zu beenden und Sicherheit und soziale Gerechtigkeit im Land herzustellen. Sie operierten verstreut gegen wichtige Stützpunkte der Aggressoren und da sie die Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung genossen, mussten sich die Russen, die den Norden des Landes eingenommen hatten bald sehr vor den Waldmännern fürchten. Sie setzten die lokalen Behörden in Gilan unter Druck, um gegen die Wald-Bewegung etwas zu unternehmen. Es wurden immer wieder Kämpfer in den Krieg gegen die Wald-Bewegung geschickt. Doch sie blieben stets erfolglos gegen die Wald-Kämpfer. Nach dem ersten Weltkrieg versuchten die Engländer nach 1918 ihren Einfluss und ihre Einmischungen in Iran fortzusetzen; sie wollten Mirza vor ihren Truppen kapitulieren sehen, doch auch sie blieben erfolglos. So versuchten sie es mit Zwietracht unter den Waldmännern. Gier und Niederträchtigkeit unter einigen Waldkämpfern fruchtete schließlich, die Waldbewegungen wurde gespalten und damit erhielt sie schwere Schläge. Auf der anderen Seite mischte sich Russland, das seine Truppen scheinbar aus Iran abgezogen hatte, in jeder Gelegenheit in Iran ein; 1920 z. B. Nahm die Rote Armee die Stadt Bandar Anzali unter Artilleriebeschuss, weil man sich angeblich gegen die Zarenarmee gestellt hatte. Danach marschierten die Rotarmisten in die Stadt ein. Die Russen wollten Mirza dazu überreden, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Doch seine islamischen Überzeugungen und seine Mentalität, die nur Unabhängigkeit akzeptierte, konnten das nicht akzeptieren. Die Protestschreiben von Mirza nahm den Russen jede Hoffnung auf Einigung und Kompromisse zur Umsetzung ihrer Politik und Interessen. So schmiedeten sie einen Komplott gegen Mirza, in dem sogar seine Ermordung vorgesehen worden war, doch vergebens. Diese Ereignissen gingen mit dem Putsch 1921 in Teheran einher, wo Reza-Khan Pahlawi, der Handlanger der Engländer, die Macht ergriff. Reza Pahlawi nahm den Kampf gegen die Wald-Kämpfer auf; in einem verheerenden Gefecht fanden viele Waldkämpfer den Märtyrertod. Mirza begab sich nach Khalkhal im Westen der Provinz Gilan, von wo er seinen Kampf fortsetzen wollte, doch er geriet in einem schweren Schneesturm auf den Bergen von Gilan; viele seiner Gefolgsleute mussten ihr Leben lassen; er selbst trug noch einen Kameraden auf den Schultern, als er zusammenbrach und im Schnee sein Leben verlor. Alle Verschwörungen und Komplotts der Russen und Engländer sowie der Verrat von Handlangern im Land führten dazu, dass dieser Kampf mit dem Märtyrertod von Mirza Kuchak Khan Djangali 1921 endet und damit auch die Wald-Bewegung ein Ende fand. Mirza war ein wahrer Kämpfer, der sein Leben im Krieg für die Freiheit verbrachte. Die Wald-Bewegung erlosch, doch die Erinnerung an die Opferbereitschaft und Tapferkeit der Waldkämpfer und besonders ihres Anführers wird immer die iranische Nation und andere Freiheitskämpfer ehren. Die Zeit ist um, liebe Hörerfreunde und so endet unser Beitrag heute. Bleiben Sie gesund und wohlauf!

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