Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Donnerstag, 23 Oktober 2014 14:22

Mit uns durch Iran- Teil58

Mit uns durch Iran- Teil58
Im Namen Gottes. Seien Sie gegrüßt zu unserem Beitrag „Mit uns durch Iran“. Sie hören heute Folge 58 unseres Reisejournals, das sich heute weiter mit der grünen Provinz Gilan im Norden Irans befasst. Letzte Woche sprachen wir über das Handwerk dieser Provinz und versprachen, bei nächster Gelegenheit, uns weiter in dieser Industrie zu vertiefen. Heute halten wir unser Versprechen.
Zu Beginn der Sendung werfen wir einen Blick auf die Kunst der Tonarbeit bzw. Töpferei. Die meisten Forscher und Archäologen sehen Iran als Geburtsstätte der Töpferei; von hier aus ist die Kunst in der Welt verbreitet worden und hier wurden die ältesten produktiven Aktivitäten der Menschheit registriert. Es wird vermutet, dass die Töpferei vor rund 10.000 Jahren entstanden ist. Für Experten nimmt die Töpferei einen besonderen Stellenwert unter anderen Kunsthandwerkarbeiten ein. Der Autor des wertvollen Werkes „Eine Untersuchung der Kunst Irans“, John Shapley sieht die Tonarbeit wertvoller als andere Kunsthandwerkrichtungen. Der amerikanische Iranist J. Clark, der zur Erforschung der Töpferei alle Regionen des Landes bereist hat, schrieb in seinem Werk „Eine Reise durch das Handwerk Irans“ über die Töpferei in Gilan: In Gilan übernehmen Frauen alle Arbeiten, die die Tonarbeit und Bemalung der Gefäße betreffen. Die Männer bereiten die Tonmasse vor und tragen schließlich das fertige Produkt auf den Markt. Die Tongefäße aus prähistorischer Zeit in Gilan gehören zu den anmutigsten und kunstvollsten Werken in der Töpferei. Dazu verhalf unter anderem die besondere rote Erde aus dieser Region. Die Produkte sind leicht, die Tonmasse ist sehr flexibel in der Annahme von Formen bei niedrigen Temperaturen und hat einen natürlichen Glasur-ähnlichen Glanz. Die Töpfereikunst in Gilan ist sehr abwechslungsreich und vielseitig. Die Produkte können in zwei Gruppen aufgeteilt werden: zunächst jene Gefäße, die für das alltägliche Leben notwendig sind und in großer Zahl hergestellt werden. Dazu gehören verschiedene Haushaltsgeräte sowie Dachziegel. Die zweite Gruppe hat eher einen dekorativen Charakter, in den Produkten steckt mehr Fantasie und Kunst. Zu den Eigenschaften der Tongefäße aus Gilan gehört u.a. auch, dass sie nicht glasiert sind. Dadurch soll dem Produkt größere Originalität verliehen werden; da wo die Glasur unumgänglich erscheint, wird Grün eingesetzt, eine Farbe, die mit der Gilaner Natur harmoniert. Die Töpferei ist in den meisten Regionen von Gilan und besonders in Asalem, Lahijan, Rudsar, Langrud, Rascht, Talesch, Sumee.Sara, Astara und Siah-Kal verbreitet. In Asalem ist die rote Tonerde von besonderer Qualität und daher die Töpferei hoch angesagt. Hier rühmt sich die Region einer alten Tradition, die einige Tausend Jahre zurückgeht. Die Provinz Gilan ist wegen der großen Waldflächen reich an Holz. Ergebnis ist das Aufblühen des Kunsthandwerks, das mit diesem Material arbeitet. Drechselarbeit und feine Holzkunst finden so große Anhänger in der Provinz. Bei der Drechselarbeit wird ein Holzbalken auf der Drechselbank befestigt und dreht sich dann um die eigene Achse und dabei wird der Balken bearbeitet. Es werden Vasen, Zuckertöpfe, Kuchenteller, Holzgeschirr für Süßigkeiten, Aschenbecher, Holzteile für Wasserpfeifen, Gehstöcke und dergleichen hergestellt. Feine Holzarbeit betrifft die Herstellung von Holzprodukten, bei denen Tischlerwerkzeuge wie Sägen, Hobel, Feilen und dergleichen eingesetzt werden, damit kleine Holzstücke gewonnen werden, die dann wie ein Überzug auf anderen Werken aufgeklebt, aufgepresst bzw. angebracht werden. Es entstehen die Aschenbecher, Holzgeschirr, Bilderrahmen usw. Das Holzkunstwerk beschränkt sich nicht nur auf diese zwei Kunstrichtungen. Die Einlege- und Mosaikarbeit wird besonders in Rascht und vom Privatsektor betrieben, eine feine Kunst. In Gilan wird seit jeher die Kunst der Herstellung von Untersätzen aus Filz – im Persischen Namad- betrieben. Die Kunst gehört zu den einheimischen Kunsthandwerken dieser Region. Filz wird aus gepresster Wolle oder Flaum hergestellt. Er wird hauptsächlich zur Herstellung von Untersätzen, Bekleidung, Kopfbedeckung und usw. benutzt. Filz ist resistent gegen Feuchtigkeit und wird daher sehr von der Bevölkerung in Gilan bevorzugt, denn die Provinz hat einen hohen Regenfall und große Luftfeuchtigkeit. Dorf- und Waldbewohner sowie Viehzüchter fertigen aus Filz einen Umhang, der sie vor Regen und Kälte schützt. In manchen Regionen in Gilan wird der Umhang „Duschi“ genannt. Des Weiteren werden in Gilan Stoffe aus Seide, Wolle und Baumwolle hergestellt. Die Schönheit, Feinheit, Abstimmung und Harmonie der Farben in diesen Stoffen ist erstaunlich. Häkeln ist in Rascht sehr berühmt. Die Kunst war in der Vergangenheit dort ziemlich üblich, viele Einheimische betätigten sich der Kunst, doch heute hat die Beliebtheit etwas einbüßen müssen. All diese Produkte und Handwerkerzeugnisse werden in den Basaren von Gilan angeboten. Diese finden wöchentlich oder saisonmäßig statt. Manche sind ständig und andere finden zu Pilgerzeiten statt. Für jeden Typ aber gibt es besondere Zeremonien und Riten, die sich auf die religiösen und kulturellen Überzeugungen und Gebräuchen der Region stützen. Die Basare können über die ganze Woche verteilt stattfinden; man findet sie in den Städten, Bezirken, Regionen und kleinsten Örtchen. Die Warenvielfalt ist sehr interessant und attraktiv. Die Basare in Gilan unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Waren und Produkte von denen in zentral gelegenen Regionen des Landes. Denn diese werden von den Dorfbewohnern selbst hergestellt und ziemlich günstig angeboten. In den Lokalmärkten in Gilan findet man angebaute Kräuter und Gemüse sowie auch wild wachsende Kräuter, Zitrusfrüchte, Oliven, einheimische Weißbohnen, Zucchini, Fische, Reis, Zelte, Wollstrümpfe, Joghurt, einheimisches Joghurtgetränk oder Dugh und Produkte von Eisenschmieden. Der Basar von handgemachten Textilprodukten in Massouleh, der Olivenmarkt in Rudbar sowie der Fischmarkt in Anzali und Rascht erfreuen sich größerem Ruhm. Wer diese Regionen besucht, wird es sich nicht nehmen lassen, einen Abstecher auf die Märkte zu machen. Die Märkte zu Pilgeranlässen finden in den Wohlfahrtsstätten wie in Astara, Astaneh Aschrafieh, Ebrahim, Haschem und Schah Schahidan statt. Sie finden an bestimmten Tagen im Jahr statt und werden sehr gut besucht. Eine erhöhte Nachfrage lässt die Märkte aufblühen. Die angebotenen Produkte auf den Märkten hängt damit von den Bedürfnissen jeder Region ab. Ein sehr interessanter Punkt bei den Wochenmärkten ist die Rolle der Frauen bei ihnen, der nicht außer Acht gelassen werden darf. Sie halten bei der Marktarbeit Schritt mit den Männern und bieten Kräuter und Gemüse, Strickarbeiten, Tierprodukte und Nahrungsmittel wie Hühner, Eier, Milch und Joghurt an. Zu den Wochenmärkten gehören der Samstagsmarkt in Bandar-e Anzali, der Sonntagsmarkt in Sumee-Sara, Khomam und Kutsch-Esfahan, der Montagsmarkt in Khoschk-e Bijar, Astara und Kapur-Tschal, der Mittwochsmarkt in Rezwanschahr und der Donnerstagsmarkt in Abkenar; die Vielfalt und Zusammensetzung der Waren ist sehr interessant. Und damit erreichen wir für heute das Ende unserer Sendung. Bleiben Sie gesund und wohl auf; bis nächste Woche Khoda Hafez.

Medien

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren