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Donnerstag, 23 Oktober 2014 13:48

Mit uns durch Iran – Teil 45

Mit uns durch Iran – Teil 45
Grüß Gott verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer. Seid willkommen zu einer weiteren Folge aus der Reihe „Mit uns durch Iran“. In den letzten Wochen reisten wir durch die Provinz Ost-Aserbaidschan im Nordwesten Irans. Dort machten wir uns bekannten mit den natürlichen und historischen Schönheiten der Region. Die Rundreise in dieser Provinz beenden wir mit einem Blick auf das lokale Handwerk und auf ihre historischen Denkmäler.
Die Provinz Ost-Aserbaidschan gilt als Pole für iranisches Handwerk. Es besteht aus Teppichen, Kelimen, Holzarbeiten unterschiedlicher Richtungen, traditionelle Strickarbeiten (aus Wolle und Seide) , traditionelle Druckkunst, Glaserei, Tonarbeit, Metallkunstwerken (Sticharbeiten) , Gravur, Stoffarbeit, Buchbinderei (Miniatur- und Bilderhandschriften) . Es ist eigentlich nicht möglich, alle Kunsthandwerke dieser Provinz in einer Sendung vorzustellen, daher müssen wir uns mit einer Auswahl der bekanntesten begnügen. Die Teppichknüpferei genießt in Ost-Aserbaidschan eine lange Geschichte und einen hohen Wert. Der Perserteppich hat sich mit dem Namen Täbris verknüpft. Mit Täbris assoziiert man die wertvollen Teppiche aus dieser Stadt. Die erfahrenen und virtuosen Künstler aus Iran haben stets ihr Können und ihre Ideen in der Schaffung bester und kunstvollster Teppiche gesteckt. Das Ergebnis ihrer Arbeit, ihrer Talente und ihres Kunstgeschmacks sind bleibende Kunstwerke, die von jedermann nur gelobt werden können. Aus den Unterlagen geht hervor, dass Aserbaidschan schon seit dem 3. Jahrhundert n. Hedschra ein Zentrum der Teppichknüpferei und Herstellung von Unterlagen war. Unter den Seldschuken und Ilkhanen (11. bis Mitte des 14. Jh. n. Christi) florierte die Teppichknüpferei in Aserbaidschan. Auf Miniaturmalereien in Handschriften aus dem Buch Khamse Nezami, gemalt von Ghasem Ali, und in anderen Werken werden die meisten gängigen Teppichmuster und die Webereitechnik gezeigt. Unter den Teymuriden und später Safawiden entwickelten sie sich weiter. Es entstanden neue Muster wie das des Gebetsteppichs – Sadjadeh, Blumen- und Strauchmuster, Medallions und Eck-Medallions, Tiermuster und besonders das Shah-Abbassi-Blumenmuster. Auch die Farbenvielfalt, der Einsatz von Seide, die Feinheit, Schönheit und Qualität der Teppich nahm erheblich zu. In vielen Museen weltweit kann man Teppiche dieser Ära bewundern. Auch heute noch gilt Aserbaidschan als wichtiges Zentrum für die Herstellung des Perserteppichs in seinen verschiedenen Varianten. Die Teppichknüpferei ist nach wie vor in den meisten Städten und Dörfern dieser Provinz üblich. Die Teppich werden hauptsächlich in Werkstätten und in den Dörfern hauptsächlich in den Haushalten geknüpft. Jährlich wird eine beachtliche Zahl von Teppichen, Brücken, Kelimen in verschiedenen Mustern auf in- und ausländischen Märkten angeboten. Täbris ist das eigentliche Zentrum der Teppichknüpferei in Iran. Seit dem Mongolen Hülegü-Khan (zweite Hälfte des 13. Jh.) und nach ihm galt die Stadt als Handelsort für Teppiche. Die Teppiche aus Täbris folgen den traditionellen Mustern; in den vergangenen 300 Jahren haben sich die Muster nicht wesentlich geändert. Neben den traditionellen Teppichen haben die Teppichkünstler natürlich auch Innovationen hervorgebracht, die auf das Talent und die Initiative der einzelnen Künstler zurückgehen. Die hohe Qualität und die Kunst in den handgeknüpften Teppichen aus Täbris sowie das sonstige touristische Angebot, das von den Handwerkern angeboten werden, erhebt die Region zu einem internationalen Umschlagplatz für Teppiche. Die Märkte in Europa und Amerika sind Hauptabnehmer von Täbriser Muster und Motive. Wie schon zu Beginn der Sendung erwähnt, genießt das Handwerk in Aserbaidschan eine große Vielfalt. Keramikarbeiten aus den Städten Zonour und Täbris, Keramikwerkstätte in der Shabestar haben lange Tradition. Die Keramikprodukte werden in ganz Aserbaidschan verkauft. Häkelarbeiten gehören zum feinen Kunsthandwerk der Region; in Mameghan, 50 km westlich von Täbris, wird sie besonders betrieben. Häkelhandwerker aus dieser Stadt setzen farbige Fäden auf der ganzen Stofffläche ein. Früher wurde noch Seide verwendet, heute ist es eher Kunstseide. Muster und Motive auf den Produkten aus Mameghan unterscheiden sie von Werken anderer Regionen. Häkelarbeiten aus Mameghan findet man auf Tischdecken, Bettüberzüge, Tassenunterlagen und dergleichen. Das Textilverfärbungsverfahren Batik gehört ebenfalls zum Handwerk der Provinz und wird hauptsächlich in der Stadt Oskou betrieben. Es ist ein traditionelles Verfahren und die Stadt Oskou der einzige Ort in Iran, in dem es noch praktiziert wird. Batik wird auf Seidenstoffe ausgeführt. Hauptsächlich werden traditionelle Muster und Motive benutzt. Zunächst wird die betreffende Fläche mit Wachs eingerieben und bedeckt und der Rest dann gefärbt. Die Seidenprodukte der Künstler von Oskou bestehen aus verschiedenen Stoffen und Kopftüchern. In den letzten Jahren wurden mit den Produkten auch Taschen, Schlüsselanhänger, Brillenetuis und dergleichen hergestellt. Viele Besucher in Aserbaidschan wollen neben Handwerk und feinen Täbris-Teppich auch die getrockneten Früchte bzw. das Studentenfutter sowie die berühmten Süßigkeiten Aserbaidschans kosten und als Souvenir mitbringen. Die getrockneten Früchte, hierzulande Adjil genannt, sind in Täbris wegen ihrer köstlichen Qualität sehr bekannt und gehören zu den besten Produkten aus Iran. Dazu gehören Aprikosen- und Pfirsichblätter und getrocknete Pflaumen, die in südlichen Städten von Ost-Aserbaidschan wie Maragheh angebaut werden. Süßigkeiten und Kuchen wie Eris, Ghorabieh, Nougha und andere finden ebenfalls hohen Zuspruch bei den Touristen. Im letzten Teil unserer Sendung werfen wir einen Blick auf ein historisches Denkmal in Ost-Aserbaidschan: die Sankt Stephanos-Kirche. Sie liegt 16 km westlich der Stadt Djolfa und 3 km südlich des Grenzflusses Aras in Ghazal Wanak –das rote Kloster. Die Sankt Stephanos-Kirche ist die zweitwichtigste Kirche der Armenier in Iran nach der Gharah-Kelissa oder das Kloster Sankt Thaddäus. Sankt Stephanos wurde im 9. christlichen Jahrhundert gebaut; Erdbeben setzten ihr ernsthaft zu, so dass sie unter den Safawiden renoviert und wieder aufgebaut wurde. Die Kirche hat hohe Wände und sieben Wachtürme, einen Vorhof, das Kirchenschiff, Stall, einen Glockenturm und eine Heuscheune. Die Kirche wird von allen Christen und fast allen Religionen respektiert. Sie gehört jedoch hauptsächlich der gregorianischen Christen, die in Armenien ansässig sind. Einmal jährlich versammeln sich tausende Armenier in der Kirche, um ihre Gebete zu verrichten und den Ort zu besichtigen. Die Kirche hat ihren Namen von Sankt Stephanos, dem ersten Märtyrer der Christen. Er war eine bekannte christliche Persönlichkeit aus dem ersten christlichen Jahrhundert. Am 5. März 1963 wurde die Sankt Stephanos in der Liste der nationalen Denkmäler Irans aufgenommen. Da die Kirche sich im Dorf „Darre Scham“ befindet, wird sie auch mit diesem Namen benannt. Wir hoffen, dass wir Ihnen wieder einen kleinen Einblick in die Provinz geben konnten und verabschieden uns nun, um nächste Woche wieder mit neuen Sehenswürdigkeiten und Berichten bei Ihnen zu sein.

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