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Donnerstag, 23 Oktober 2014 13:36

Mit uns durch Iran –Teil 42

Im Namen Gottes, einen schönen Gruß an Sie, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Wir beginnen mit einer neuen Folge aus unserer Reise durch Iran. Heute schlägt es uns in die schöne Stadt Sarab in Ost-Aserbaidschan. Begleiten Sie uns dorthin.
Die Stadt Sarab liegt im osten der Provinz Ost-Aserbaidschan. Sie ist im Norden, Osten und Süden von dem Sabalan-Gebirge, dem Boz-Ghusch-Gebirge und den Ilandjugh-Anhöhen umgeben. Somit ist die Stadtfläche eingekesselt und kann nur über den Westen erreicht werden. Auf Grund ihrer geografischen Lage ist es besonders im Winter sehr kalt, es ist eben das Gebirgsklima. Im Sommer dagegen ist es mild. Insgesamt liegt die Stadt in den kälteren Regionen des Landes. Schneereiche Berge und viel Regen und Schneefall sorgen dafür, dass es hier immer reichlich Wasser gibt, was im Vergleich zur gesamten Provinz gilt. Die Flüsse, die dem Sabalan entspringen, fließen im Süden der Stadt in einander und bilden den Fluss „Adji Tschai“. Die saftigen und grünen Weiden in der Region sind ein günstiger Ort für Nomadenstämme. So ist Sarab als ei wichtiges Viehzuchtzentrum im Land bekannt. Kühe aus der Region gehören zu den qualitativ besten im Land, da sie sich ihrer Umgebung sehr angepasst haben, leicht zu halten sind, gegenüber Krankheiten resistent sind, weniger Futter brauchen und länger leben. Sarab ist ein Knotenpunkt in der Provinz Ost-Aserbaidschan. Über ihr kann man andere Regionen und Städte der Provinz oder auch benachbarte Provinzen gelangen. Die Routen waren auch in der Vergangenheit von Bedeutung; über sie erreichten Karawanen und Streitkräfte ihre Ziele. Unter den Mongolen gehörte die Stadt zu den wichtigen Regierungszentren von Aserbaidschan. Zu Beginn der Safawiden-Dynastie zählten die Städte Täbris und Ardabil zu den wichtigen Städten, und da Sarab diesen zwei Städten nahe lag, war sie ebenfalls von besonderer Bedeutung. Der Safawiden König Ismail kämpfte hier gegen den osmanischen König Khalil Pascha. Sarab ist u. a. eine historische Stadt. Aus der Zeit der Oratoha, ein Geschlecht zeitgleich mit den Medern im 7. und 8. Jahrhundert vor Christi, sind Werke erhalten geblieben, die die alte Gesichte der Stadt aufzeichnen. In den Reiseberichten und Geografien vieler Reisenden und Abenteurer kommt die Stadt immer wieder vor. Hamdullah Mostaoufi, der iranische Historiker und Geograf, schrieb 1339 n. Chr. in seinem Buch „Nozhat-ul Gholub“ über die Stadt: „Die Stadt Sarab zieht sich vom Osten des Berges Sabalan schräg in Richtung Mekka. Das Klima ist kalt und die Wasserversorgung geschieht über einen Fluss, der zur Stadt gehören soll ... Hier werden Getreide und Hülsenfrüchte angebaut.“ Der Arabischer Reiseabenteurer Ibn-e Houghal beschrieb im 10. Jahrhundert n. Chr. Die Stadt als eine „angenehme Stadt mit einigen Mühlen und umgeben von ertragreichen Feldern und obstreichen Gärten, in de ein schönes Gasthaus und gute Märkte vorhanden sind.“ Die Stadt wurde leider bei dem Angriff der Mongolen 1220 stark beschädigt. Die Mongolen plünderten, mordeten und zerstörten die Stadt. Sie verlor ihren Glanz. Historische Denkmäler und Bauten, die uns erhalten geblieben sind, zeugen heute noch von ihrer alten Geschichte. Schauen wir uns nun einige diese Denkmäler an. Zwei Km nördlich der Stadt befindet sich ein Hügel. Er wird „Ghaleè Djugh“ genannt. Früher stand dort ein Schloss, von dem es seinen Namen hat. Die Ruinen und Ziegelfundamente des Schlosses sind heute noch zu sehen. Bei Ausgrabungen entdeckte man hohe Wälle, teilweise bis zu 5 m hoch, mit großen Ziegeln gebaut. Die Eigenschaften der Ziegel lassen vermuten, dass es sich bei ihnen um die Zeit der Meder, d. H. etwa das 7. und 8. Jahrhundert vor Christ handelt. Darüber hinaus fand man hierunterschiedliche Tongefäße aus dem zweiten Jahrtausend vor Christi bis zu den ersten islamischen Jahrhunderten. Unter den historischen Bauten der Stadt ragt die Freitagsmoschee hervor. Sie ist im 9. Jahrhundert im arabischen Mondkalender, etwa 15. Jh., gebaut worden. Im Gegensatz zu den meisten Moscheen in Iran hat sie keine Minarette. Doch der Vorhof ist groß und besteht aus drei Mihrab, Moscheeräumen. Dieser Hof ist überdacht von 60 Kuppeln, die alle direkt auf Säulen und an Bögen errichtet wurden. Es ist ein einzigartiges Bauwerk entstanden. Am östlichen Eingang ist eine Schrifttafel aus Marmor mit der damals üblichen Schönschrift „Naskh“angebracht worden, ein weiteres Indiz für das Alter der Moschee. Im März 1968 wurde die Moschee auf die Liste der nationalen Denkmäler Irans gesetzt. Neben seinen historischen Sehenswürdigkeiten bietet Sarab auch andere touristische Attraktionen. Das städtische Museum führt Besucher und Touristen in das schwierige und doch schöne Nomadenleben sowie mehrere tausend Jahre alten Errungenschaft der Nomaden in verschiedenen Bereichen ein. Das Nomadenleben in Iran und demnach auch in Aserbaidschan geht ziemlich weit zurück; die Nomaden haben eine wichtige Rolle bei historischen und politischen Ereignissen im Land gespielt. Regierungen und Staatssysteme haben sowohl vor als auch nach der Revolution ihren Ursprung in den Nomaden gefunden. Beispiel dafür sind die Dynastien der Ghaznawiden, der Seldschuken, der Kharazmiden, Ilkhane, der Ghare-Ghuyunlou, der Agh-Ghuyunlou, der Afschariden, Zandiyeh und der Kadscharen und letztlich die Nomaden-Regierungen, die selbst ihre ursprüngliche Kraft von den Nomadenstämmen erhalten haben. Das Nomadenleben geht in Iran und auch in Aserbaidschan zurück. Daher war es notwendig ein Museum einzurichten, in dem die Ausgangspunkte des Nomadenleben veranschaulicht werden; es wurde in Aserbaidschan gebaut. Sarab liegt sehr günstig auf dem Weg nach Täbris, Ardabil und der Provinz Gilan. Tausende Touristen und Urlauber reisen durch die Stadt, um die Thermo- und Mineralwasserbäder in Sabalan und Sarèyn sowie die schöne Natur im Norden des Landes zu erreichen. Wegen dieser besonderen Lage, die sie als Durchfahrt für die Nomaden im Nordwesten des Landes von großer Bedeutung macht, beschloss man im historischen Bad „Dschalal“ das Nomadenmuseum einzurichten. Dazu wurde das Bad renoviert und erneuert. Gebaut wurde es unter den Kadscharen. Die Architektur ist nobel; das Bauwerk steht auf der Liste der nationalen Denkmäler Irans. Das Nomadenmuseum in Aserbaidschan ist das erste seiner Art in der Gruppe anthropologischer Museen. Diese Museen zeigen kulturelle, traditionelle und ethnische Eigenschaften sowie die kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Werte jener Menschen, die sie praktizieren. Im Nomadenmuseum von Aserbaidschan sind die Ergebnisse der Forschungen und Studien über Überzeugungen, Sitten, Gebräuche, Sprachen, Lebensunterhalt, Lebensform, Künste und Handwerk, Bekleidung, Nahrung und Kunsthandwerk der Nomadenbevölkerung von Experten zusammengetragen worden. In den Museumsräumen wird die schöne und auch beschwerliche Geschichte des Nomadenlebens und deren Kampf gegen die Probleme eines solches Lebens vorgeführt. Sie kämpfen um ein besseres Leben. Das Museum besteht aus unterschiedlichen Abteilungen; zu den anschaulichsten gehört sicherlich der Raum für „Weiden und Hirten“. Des Weitern kann man sich traditionelle und einheimische Produkte aus Milch, Wolle und Strickereien, Musik, Unterkünfte wie Baldachine, Brotbäckerei, Schmuck, traditionelle Teehäuser und Modelle, Schrifttafeln und Bilder von verschiedenen Aspekten des Nomadenlebens anschauen. In weiteren Räumen lernt der Besucher mehr über die mehrere Tausend Jahren alten Tradition der Nomaden in wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Bereichen kennen. Der Rundgang in Sarab ist nun um. Hoffentlich haben wir Ihnen ein Bild dieser Stadt vermitteln können. Machens Sie es gut. Auf Wiederhören.

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