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Dienstag, 22 Juli 2014 07:05

Mit uns durch den Iran – Teil 32

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In diesem Beitrag setzen wir die Reise in der Provinz Tschahar Mahal und Bachtiyari fort und werden weitere Sehenswürdigkeiten der Provinz vorstellen; dazu gehören die schöne Natur sowie die historischen Denkmäler.

Die Seengebiete „Tschogha Khor“, „Kandoman“, „Aliabad“ und „Suleghan“ in der Provinz Tschahar Mahal und Bachtyiari sind sowohl für die Biosphäre als auch für den Tourismus von großer Bedeutung. Sie finden sich südlich von Borujen und entlang dem „Kelar“-Gebirge in Richtung Westen. Die Seen bieten einen einzigartigen Lebensraum für viele verschiedene Vogel- und Fischarten und haben die Provinz zu einem Sammelpunkt für Zug- und Wasservögel gemacht, die aus europäischen Ländern, Russland und nordiranischen Provinzen in Richtung Süden zum Persischen Golf oder weiter nach Süden fliegen.

Das international registrierte Seegebiet „Tschogha-Khor“ ist über 2300 Hektar groß und damit eines der schönsten und größten Feuchtgebiete dieser Region. Es liegt etwa 60 Kilometer von der Provinzhauptstadt Schahr-e Kord entfernt auf der Route von Borujen in Richtung der Provinz Khuzestan. Die abwechslungsreiche Flora sowie die einzigartige Fauna  in diesem Gebiet haben 1999 die Umweltschutzbehörde veranlasst, die Jagd hier zu verbieten und das Gebiet unter Naturschutz zu stellen. Das Kelar-Gebirge, dessen höchster Gipfel 3820 Meter hoch ist, liegt südwestlich und bietet einen Überblick auf das Seegebiet. „Tschogha-Khor“ beherbergt etwa 58 verschiedene Wasserpflanzen, für die Umwelt ein unermesslicher Reichtum. Im Sommer kommen viele Touristen wegen des angenehmen Klimas hierher.

Aber auch das Grabmal eines Prophetennachkommen, das Imamzadeh Hamzeh-Ali, das 35 Km von Borujen entfernt liegt, ist ein begehrter Ort für Pilger aus umliegenden Gebieten, sowie auch aus weiterer Entfernung. Also eine weitere touristische Attraktion.

 

Die natürlichen Sehenswürdigkeiten der Provinz Tschahar Mahal und Bachtiyari beschränken sich nicht nur auf Quellen und Seen, auch die Flüsse, die durch die Provinz fließen, bieten ein interessantes Spektrum für den Ausbau des Tourismus. Die gesamte Strecke, die der Zayandeh-Rud-Fluss durch die Provinz fließt, kann als Touristenattraktion betrachtet werden.  Entlang der rund 40 km seines Flußlaufes ist er umgeben von Obstgärten, Pappeln und Weiden und in Teilen von Reisfeldern und Wiesen. Das angenehme Klima in diesem Gebiet zieht jährlich Tausende einheimische und ausländische Touristen an.


Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten gehört die Brücke Zaman-Khan, die 22 Meter lang, 13 Meter hoch und in zwei Bögen gebaut ist. Die Brücke wurde ursprünglich während der Sassaniden-Dynastie über den Zayandeh-Rud gebaut. Die gegenwärtige Brücke jedoch wurde von Zaman-Khan, einem Nomadenführer gebaut. Die Brückenpfeiler ruhen auf Felsgestein. Die Brücke wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach restauriert.

 

In der südwestiranischen Provinz Tschahar Mahal und Bachtiyari finden sich weitere natürliche Attraktionen, wozu auch Höhlen gehören. Laut der zuständigen Behörde wurden bislang 70 Höhlen entdeckt. Die wichtigsten und schönsten sind die „Pir Ghar“ und die „Sarab“-Höhle. Aufgrund von Inschriften und Wandmalereien ist die „Pir Ghar“-Höhle auch von historischer Bedeutung.

6 Km von der Provinzstadt Farsan und 38 Km südwestlich von Shahr-e Kord, befindet sich ein großes Wandergebiet, das als angenehmes Ausflugsziel gilt.  Auf einem Felshügel, der einen Ausblick über das Gebiet ermöglicht, wurden auf Befehl des Kriegsherrn Zafar Bachtiyari drei Inschriten eingemeißelt. Hier sind die Feldzüge der Bachtiyaris nach Isfahan und Teheran und die Rolle der Feldherren der Bachtiyaris beim Sturz des Kadscharan-Herrschers Mohammad Ali Schah bei der konstitutionellen Revolution aufgezeichnet worden. Neben den Felsinschriften sprudelt eine Quelle aus dem Boden, die pro Sekunde 3 Kubikmeter Wasser hervorbringt. Experten haben noch nicht die endgültige Tiefe und die Entstehungsgeschichte der „Pir Ghar“-Höhle erfoschen können.

Aufgrund der häufigen Regenfälle in der Provinz finden wir eine hohe Luftfeuchtigkeit, wodurch aber die historischen Denkmäler gefährdet sind. Bisher wurden 460 historische Stätten in der Provinz registriert, wovon 17 in die Liste nationaler und historischer Denkmäler aufgenommen wurden.

 

Archäologische Nachforschungen zeigen, dass in Teilen dieser Provinz schon vor Christi Geburt Zivilisationen existiert haben. Zu diesen Orten gehört die „Gurkani Tape“, 5 Km südlich von Schahr-e Kord. Die Funde beweisen, dass hier Menschen schon vor mehr als 6000 Jahren gesiedelt haben.  Eine Schrifttafel aus dem 4.Jahrtausend vor Christus, die in einem Vorort von Schahr-e Kord entdeckt wurde, bringt weitere Einsichten in die alte Geschichte dieser Region. Auf Felsen am Berg „Jahanbin“ in der Nähe von Schahr-e Kord sind ebenfalls Inschriften zu sehen. Dort wurde auch ein mit Steinen gepflasterter Weg entdeckt. Experten glauben, dass es sich dabei wahrscheinlich um den ersten Verbindungsweg nach Susa handelt, auf dem Handel getrieben wurde. Viele weitere Funde aus der vorislamischen Zeit, wie Reliefs mit Menschendarstellungen in der Region „Bazoft“ aus der Zeit der Ilamiten sowie viele Münzen aus der Zeit der Samaniden, belegen die alte Zivilisation dieser Region noch deutlicher.

Viele historische Bauten gehen auf die islamische Ära zurück, besonders auf die Zeit der Qadscharen. Zu den ältesten gehört die Atabakan-Moschee in Schahr-e Kord aus dem 7. Jahrhundert n. der Hidschra und dem Mondkalender aus der Atabakan-Epoche. Des Weiteren sind Zitadellen, Paläste, Brücken und Bäder zu bewundern. Von den einst zahlreichen Festungsanlagen sind heute nur noch 14 zu sehen.

Aufgrund seiner architektonischen Schönheit ist der „Amir Mofakham“–Palast im Dorf „Dezak“, 35 Km südlich von Schahr-e Kord sehr sehenswert. Es ist ein zweistöckiger Bau, dessen Iwane (Terassen) von Säulen getragen werden. In seiner 100-jährigen Geschichte war er Schauplatz vieler Ereignisse, von denen die konstitutionelle Revolution wohl zu den Wichtigsten gehört.

Abschließend nun noch etwas über das Kunsthandwerk in der Provinz Tschahar Mahal und Bachtiyari. Das wichtigste Kunsthandwerk ist die Tepichknüpferei, sowie die Herstellung von Filzunterlagen und Kelim-Weberei. Die Teppichknüpferei genießt einen besonderen Ruhm. Die Teppiche aus dieser Region werden als Bachtiyari-Teppiche bezeicchnet. Die Muster, die Knüpftechnik und die Qualität ihrer Farben und der Wolle gehören zu den wichtigsten Besonderheiten dieser Teppiche..


In einigen Teilen der Provinz knüpft man ausschließlich mit reiner Wolle, die natürlich gefärbt ist. Die Teppiche aus dem Gebiet „Tschaleschtor“ gehören zu diesen besonderen Teppichen.

Im nächsten Beitrag wenden wir uns einer anderen iranischen Provinz zu.

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