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Dienstag, 08 Januar 2013 09:32

Mit uns durch den Iran - Teil 18

Mit uns durch den Iran  -   Teil 18
Mit uns durch den Iran -   Teil 18   Beim letzten Besuch in Isfahan haben wir vom Emam-Platz aus durch das Kaiser-Tor den großen Bazar von Isfahan betreten

und uns ein wenig umgesehen. Wir haben berichtet, dass dieser große überdachte Bazar, der sich an einer 2 km langen Strecke dahin zieht, nicht nur ein Ort des Handels war, denn es gab auch viele andere soziale Einrichtungen in diesem Komplex für die Menschen der damaligen Zeit, wie Bäder, Moscheen, Schulen, Karawansereien, Mausoleen – die sogenannten Imamzadehs – und auch Cafe/Tee- Häuser u.a. mehr. Es war also ein soziales Zentrum für Handel und Wandel und das tägliche Leben der Menschen.

Die vielen Jahrhunderte haben diesen Ort in Isfahan stark geprägt, sodaß er trotz aller modernen Passagen und Einkaufszentren der heutigen Zeit in der Stadt ein Ort ist, der viele Menschen, ob sie Einheimische, inländische und ausländische Besucher oder Touristen sind, anzieht.

Die Stadt Isfahan ist durch ihre wertvollen historischen Denkmäler und ihre künstlerischen Menschen als ein lebendiges Museum bekannt geworden.  Es ist eine Stadt, über die der bekannte französische Maler Alain Bailhache gesagt hat:

 

"Isfahan gehört nicht nur seinen Bewohnern und den Iranern. Es ist ein Andenken das durch die geistige und handwerkliche Schöpferkraft von Menschen im Laufe der Geshichte geschaffen wurde und bis heute und in Zukunft als ein Menschheitserbe erhalten wurde und erhalten wird."

 

Nun wollen wir eine der bekanntesten Straßen in Isfahan aufsuchen, sie heißt "Tschahar Bagh" und wurde zur Zeit der Safawiden-Dynastie in Form einer Promenade angelegt und war zu ihrer Zeit eine der schönsten Straßen in der Welt.

 

Nachdem Schah Abbas I., der von 1588 bis 1629 n.Chr. in Iran regierte, das Bauprojekt des "Meydan-e Naqsche dschahan" ("Abbild der Welt") weitgehend abgeschlossen hatte, begann er im Jahr 1598 n.Chr. ein weiteres großes städteplanerisches Projekt, eben diese "Tschahar Bagh" oder "Vier Gärten" –Promenade, die sich über eine Länge von rund 1650 Metern von nördlicher in südlicher Richtung zieht, wobei sie auch den Zayandeh-Fluss überquert.

Die Allahverdi Khan Brücke, die sogenannte Si-o-Seh Pol oder 33 Bogen-Brücke über den Zayande-Fluss teilt diese Promenade auch heute noch in zwei Teile.

Dereinst durchzog die Promenade ein stufenförmig verlaufender Wasserweg, der heute aber durch Blumenbeete und Laternen ersetzt wurde. Die Straße ist gesäumt mit hohen Bäumen.

Im Jahr 1616 beschrieb der bekannte italienische Weltreisende Pietro Della Valle die "Tschahar Bagh-Promenade" und lobte sie. Er sagte das keine der Straßen in bekannten italienischen Städten an diese Straße in Isfahan heranreiche. Auch der französische Forschungsreisende Jean Chardin, der zur Safawiden-Zeit in Isfahan weilte, schrieb in seinem Reisebericht über die "Vier Gärten-Promenade" in Isfahan: "Diese Straße ist die Schönste, die ich bisher gesehen oder über die ich bisher gehört habe."

Im Laufe der Jahre und Jahrhunderte wurden neben dieser Straße Wohn- und Geschäftsgebäude errichtet. Der "Vier-Gärten-Boulevard" wurde nach Norden hin um mehrere Kilometer verlängert, sodaß er heute mit einer Länge von rund 6 Kilometern eine der Hauptstraßen in Isfahan ist. Dieser Boulevard ist heute unterteilt in einen Bereich für Autofahrer, einen Bereich für Fahrradfahrer sowie einen Fußgängerbereich, die jeweils durch Baumreihen mit Platanen und Ulmen voneinander getrennt sind.

26 Chahar Bagh Abbasi avenue

Für die Besucher und Touristen die heute nach Isfahan kommen ist diese Promenaden-Straße mit ihren himmelhohen Bäumen, ihren schönen und verschiedenartigen Geschäftsläden, den Hotels und historischen Gebäuden, die entlang dieser Straße noch zu sehen sind, einer der schönsten Boulevards in der Welt und ein gesellschaftlicher Treffpunkt in der Stadt.

An dieser Straße gibt es – auf der Ost-Seite - auch einen wunderschönen Gebäudekomplex, der mit seinen türkisfarbenen Kuppeln und mit azurblauen Kacheln verzierten Minaretten die Beachtung aller findet. Es ist die "Madreseh Tschahar Bagh", die auch "Madreseh Sultani" oder Madreseh Modare Schah" (Schule der Mutter des Schahs) genannt wird. Diese Schule entstand zwischen den Jahren 1706 und 1714 n.Chr., also zur Regierungszeit des Safawiden Sultan Hossein, und gehörte zum "Sultani-Komplex", der durch einen Bazar, eine Moschee und eine Karawanserei gebildet wurde. Die Mutter des Sultans hatte die Einkünfte der Karawanserei und des Bazars der "Madreseh" (Religionsschule) gewidmet, sodaß man ihr den Namen "Mutter des Schah" gab.

Mit Sicherheit kann gesagt werden, dass keines der historischen Denkmäler in Isfahan wie diese Schule eine Kollektion iranischer Kachelarbeiten ist und als Kachelmuseum bezeichnet wird, das viele Reisende, Besucher und Touristen anzieht. Viele Besucher beschreiben dieses Gebäude als "magisch", "reizvoll" und "märchenhaft".

Mit einer Fläche von rund 8500 Quadratmetern ist das Schulgebäude ein Vier-Eywan-Bau mit einem hohen  Eingangsportal und einer schönen Außenfassade. Feine und zierliche Kacheln, wunderschöne Ornamente, Muster und Bilder bedecken die Fassade. Über dem Tor ist das Gründungsdatum vermerkt. Außer den vier Eywanen hat die Schule einen großen Hof, Minarette, Kuppeln und viele Räume. Diese rund 150 Räume dienten und dienen den Schülern und Lehrern dieser Bildungsanstalt. Ein Bach führt durch den Schulhof zwischen alten Platanen und Zedern, und die Kuppeln und Minarette glitzern zwischen den Bäumen wie leuchtende Edelsteine hervor. Durch ihren khakifarbenen Ziegel-Lehm-Unterbau heben sich die schönen Kachelmosaiken der Kuppeln und Minarette noch einmal besonders deutlich ab.

 


Eine weitere Besonderheit der Tschahar Bagh-Schule sind die alten Holztüren mit ihren Gold- und Silber-Einlegearbeiten. Die Kunst und Eleganz die für die Herstellung dieser Türen zur Anwendung kam, ist aus Sicht des Goldschmiedehandwerks, der Malerei und der Kaligraphie ein wertvolles historisches und künstlerisches Denkmal der Stadt Isfahan. Diese Künste haben in der Zeit der Safawiden ihre Vollendung gefunden.

Die kalligraphischen Schriftzüge in "Nastaligh-Schrift" auf diesen Holztüren wurden von dem in der Safawiden-Ära bekannten und hervorragenden Kalligraphen Mohammad Saleh Isfahani angebracht.

Die zwölfstufige Kanzel der Schule, die aus einem Marmorblock gehauen wurde, demonstriert die Steinmetzkunst der Safawiden-Zeit. Die Mihrab oder Gebetsnische neben der Kanzel ist ein ebenso excellentes und wunderschönes Meisterwerk in diesem historischen Bauwerk.

Die Tschahar Bagh- oder Modare Schah-Schule in Isfahan ist somit ein vollkommener Komplex, der alle architektonischen und künstlerischen Erfahrungen und Details des 17. und 18. Jahrhunderts in Iran umfasst.

Es sei noch darauf hingewiesen,  dass die Tschahr Bagh-Schule, die einst für die Ausbildung von Religionsgelehrten gebaut wurde nach dem Sieg der Islamischen Revolution in Iran zu "Imam Sadeq –Seminar" umbenannt wurde und derzeit eines der größten Seminare in Isfahan für die Ausbildung in Religionswissenschaften ist. Neben dem Seminar finden wir die wertvolle Dschafar Sadeq-Bibliothek und einen kleinen alten Bazar, die von ihrem Baustil her äußerst interessant sind und den Glanz und die Größe der TschaharBagh-Schule für die Besucher um ein Vielfaches erhöhen.

 

Wir wollen nun unseren kleinen Bericht über einen weiteren sehenswerten Teil der Stadt Isfahan beenden, damit Ihnen nicht der Kopf schwirrt und Sie uns beim nächsten Besuch in dieser sehenswerten iranischen Stadt wieder in alter Frische begleiten können.

 

 

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