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Samstag, 18 Dezember 2010 15:04

Land der Märchen

Land der Märchen
Eindrücke eines griechischen Touristen von seiner Reise nach Iran.

Von dem, was in Iran passiert, wussten wir nichts Genaues. Andererseits hatten wir falsche Informationen über dieses Land. Normalerweise überwiegt bei Reisen in ferne Länder die Angst. Viele Fragen kommen in den Gedanken des Reisenden auf: Ist Iran ein sicheres Land? Sind die Iraner gastfreundlich, oder reagieren sie aggressiv gegenüber Touristen? Können Frauen ohne Probleme in dieses Land reisen, oder werden sie wegen Nichtbeachtung der islamischen Bekleidung ausgepeitscht? Sind die Speisen genießbar, oder bekommt man - wie in anderen Ländern des Mittleren Ostens - Darmerkrankungen? Kurz gesagt, wird die Reise bequem sein, oder werden wir ständig Stress haben?
Andererseits verstärkt die gespannte Lage zwischen Iran und den USA die Angst vor einem Besuch in Iran. Anfang Sommer, in der Zeit als unsere Reise begann, berichteten einige europäische und amerikanische Medien von einem baldigen Angriff. Trotzdem entschlossen wir uns, das Land zu besuchen. Die Anleitungen, die den Reisenden gegeben wurden, waren klar und deutlich: Frauen müssen mit weiter Kleidung und Kopftüchern ihren ganzen Körper - außer das Gesicht - bedecken. Männer dürfen keine kurzen Hosen oder Hemden mit kurzen Ärmeln tragen. Obwohl wir viele Männer sahen, die Hemden mit kurzen Ärmeln trugen.
Wenn du in Teheran eintriffst, hast du nicht den Eindruck, dass du in ein rückständiges Land gereist bist. Du siehst einen großen und modernen Flughafen, auf dem - wie in jedem anderen Land im Mittleren Osten - eine strenge bürokratische Prozedur herrscht. Am Flughafen und anderen Plätzen hast du Zugang zum Internet, was für mich sehr erstaunlich war. Des Weiteren sah ich in Teheran Internetcafes, und viele haben in ihren Häusern Zugriff auf das Internet, obwohl es Einschränkungen beim Zugriff auf verschiedene Webseiten gibt. Wir verließen den Flughafen in Richtung Hotel; unterwegs sahen wir die modernen Boulevards der dreizehn Millionen Metropole dieses Landes; es sind viele große Boulevards in der Hauptstadt Irans zu sehen, auf deren Zwischenstreifen Bäume und Blumen gepflanzt sind, nirgendwo ist Abfall zu sehen. Entlang der Plätze und großen und grünen Parks fallen weite Fußgängerwege ins Auge, in der nicht - wie in unserer Stadt - Motorräder geparkt sind und die Cafes ihre Stühle aufgestellt haben. Außerdem sind die Straßen sauber und frei von Abfällen.
Gleich am ersten Tag besuchten wir die griechische Gemeinde, deren Sitz im Zentrum der Stadt, gegenüber der ehemaligen US-Botschaft ist. Das Gebäude ist Eigentum Griechenlands und steht neben der griechisch-orthodoxen Kirche, die mehr wie ein historischer Tempel aussieht. Die Gemeindemitglieder erwarteten uns. Die meisten von ihnen kamen, nachdem sie aus Griechenland ausgewiesen wurden, über die Türkei nach Iran.
Ein älterer griechischer Herr sagte: "Khomeini schenkte uns Achtung, die Iraner haben uns nicht verärgert und sie achteten unsere Kirche und unsere Sitten. Als 1979 die Amerikaner das Land verließen, bekamen die Griechen die besten Posten in den Ölfirmen. Heute ist unsere Zahl gesunken". Wir trafen Jugendliche, deren Väter oder Mütter Griechen waren, sie beherrschen die griechische Sprache. Einer sagte: "Die Lage in Iran ist nicht so, wie es im Ausland vorgegeben wird. In den großen Städten sind die Einschränkungen weniger geworden. Wir haben Zugang zum Internet und empfangen Satellitenprogramme."
Die meisten Jugendlichen, die man auf den Straßen Teherans sieht, haben Bücher in der Hand. An den iranischen Universitäten sind 60 Prozent der Studenten Mädchen. Sobald sie merken, dass wir Ausländer sind, lächeln sie und kommen auf uns zu. Man merkt leicht, dass sie gebildet sind. Alle sprechen Englisch und wollen mit den Ausländern Freundschaft schließen und sie bewirten.

Tachte Dschamschid - Persepolis
Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg in den Süden Irans, den Sitz des antiken persischen Imperiums. Wir fuhren nach Schiraz, in den Geburtsort der persischen Dichter Hafez und Saadi. Im Stadtzentrum besuchten wir den Eram Park, die Moschee und das alte öffentliche Bad, das heute ein Museum ist. Ein Tourist, der nach Schiraz reist, will haupsächlich zum Tachte Dschamschid - d.h. Persepolis. Tachte Dschamschid ist die wichtigste historische Attraktion Irans, sie liegt 60 km südlich von Schiraz. Es ist das Zentrum des ehemaligen persischen Imperiums, das durch die Hand Alexanders des Großen zerstört wurde.

Isfahan
Isfahan war für uns sehr erstaunlich. Isfahan ist eine der schönsten und saubersten Städte, die wir je besucht haben. Ein Fluss fließt mitten durch die Stadt, und die Brücken, die über ihn gebaut wurden, sind so schön, dass du glaubst, du bist in Florenz. Entlang des Flusses gibt es grüne Parks, und der Besuch dieser Grünanlagen gehört zu den Hauptfreizeitbeschäftigungen der iranischen Bürger. In Iran gibt es keine Cafes, Discotheken oder Ähnliches, daher ist Picknicken die Lieblingsbeschäftigung der Iraner in ihrer freien Zeit.
Sie breiten einen Teppich oder Kelim auf dem Rasen aus und sitzen dort bis zwei Uhr morgens. Spielplätze und Fahrradwege gibt es zuhauf. Tausende Familien verbringen ihre Freizeit auf diese Weise. Eine Freizeitbeschäftigung, die eine weit entfernte Erinnerung in uns wachruft. Interessant ist, dass es am nächsten Tag überall sauber und aufgeräumt ist und man nirgendwo auf dem Rasen Abfall sehen kann. Der Anblick von hunderten Familien, die die Natur und die Parks genießen, war für mich sehr interessant. Anhand dieser Eindrücke bemerkt ein Grieche, dass dieser Genuss, der ganz simpel scheint, in unseren Betonblöcken nicht mehr existiert.

Der Bazar: Ich habe viele Bazars in den Ländern des Mittleren Ostens besucht, aber in Iran sah ich die größten, reichsten und schönsten Bazars. Der Besuch der Bazars in Schiraz und Isfahan ist eine einmalige und schöne Erfahrung. In einem Bazar kann man alles finden: Von Handarbeiten über Schmuck bis hin zu Teppichen. Da es hier wenige ausländische Touristen gibt, versuchen die Ladenbesitzer nicht, sie  übers Ohr zu hauen und behandeln sie respektvoll.

Amerikanische Touristen und Coca Cola: Ich hätte nie gedacht, in Iran amerikanische Touristen zu sehen. Jährlich besuchen tausende Amerikaner Iran, und auch Coca Cola kann man überall finden.

Moderne iranische Frauen: Sofort bemerkt man, dass die Stadtbewohner in zwei Gruppen geteilt sind: Jene, die gestützt auf die islamischen Gesetze und Lehren leben, und andere, die eine modernere Lebensweise gewählt haben. Dies kann man auch bei den Frauen beobachten: Es gibt Frauen, die sich schwarz kleiden und solche, die bunte Seidenkopftücher tragen, deren Haare man sehen kann und die geschminkt sind.

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