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Dienstag, 15 Dezember 2015 04:27

Die doppelwertige Strategie der Medien bei Terroranschlägen

 Die doppelwertige Strategie der Medien bei Terroranschlägen
  Die Terroranschläge am 13.November in Paris  machten Schlagzeilen in allen Medien. Sie lieferten den Stoff für viele Kommentare.

Zahlreiche Kommentatoren waren der Ansicht, dass sich dieser Vorfall einschneidend auf die Zukunft des vereinten Europas und die internationale Wirtschaft und Kultur auswirken wird und  Soziologen erörterten die Zukunftsperspektiven für die verschreckten Völker und die Schrecken verbreitenden Terroristen. Es fällt auf, dass  man sich in den Medien mit diesen Terroranschlägen im Vergleich zu ähnlichen Vorfällen sehr viel eingehender beschäftigt hat.

Face Book und einige andere virtuelle Netzwerke räumten die Möglichkeit ein, dem Profil die französische Flagge beizufügen - sozusagen zur Solidarität mit der französischen Bevölkerung. Zahlreiche Anwender nutzten diese Möglichkeit.  Eine Flut von Zeichnungen und Bildern  fand rasch in der virtuellen und realen Welt zur Unterstützung von Paris Verbreitung.  Nur wenige Stunden nach den Vorfällen schickten  die Nachrichtensender ihre Spitzen-Journalisten  nach Paris, und begnügten sich nicht nur mit ihren lokalen Korrespondenten.

 Unterdessen hatte es am Vortag einen schweren Selbstmordanschlag in Beirut gegeben.

 

Nur 24 Stunden vor dem Anschlag in Paris haben die IS-Terroristen in Beirut Dutzende Menschen umgebracht.  Und nur eine Woche vorher war Bagdad Schauplatz einer der größten Terroranschläge gewesen. Den Anschlägen in Bagdad waren  einige Wochen zuvor die beiden Angriffe der alliierten Kräfte auf das Hospital der Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan vorangegangen.  Und davor  waren in Kenia über 100 Menschen, die meisten von ihnen Studenten,  einem Terroranschlag zum Opfer gefallen.

Aber war die Berichterstattung dieselbe wie bei den Anschlägen in Paris? Warum machte Face Book keine entsprechende Profiländerungen möglich?  Da scheint doch irgendetwas bei der  Berichterstattung nicht zu stimmen, oder?  

Brian Philips war in der Washington Post darum bemüht, diese unterschiedliche Berichterstattung der Medien zu erklären.  Er verwies in einem Artikel auf eine Recherche aus dem Jahre 2010 über die Berichterstattung bei  Terrorereignissen.

In dieser Recherche wurden 1600 relevante Berichte der US Today und der Washington Post  unter die Lupe genommen und die Autoren zogen den  Schluss, dass die US-Medien dazu tendieren, über Terrorereignisse, von denen US-Bürger betroffen waren umfassender, detaillierter und länger zu berichten.  Außerdem zeigten diese Medien größeres Interesse daran, über Angriffe auf reichere Länder oder diejenigen, die kulturell oder politisch den USA nahe stehen, zu berichten.  

 Dafür hätten die US-Medien ihre Gründe, hieß es. Denn sie seien der Meinung, dass für den  amerikanischen Medienbenutzer Dinge wichtig sind,  die ihn und seine Landsleute direkt oder indirekt bedrohen. Es spiele dabei auch eine Rolle, ob  der US-Bürger sich eher mit den Terror-Betroffenen  identifizieren kann.    

               Die britische Zeitung Guardian  versuchte in einer Notiz auf ähnliche Weise zu rechtfertigen, warum die Anschläge in Beirut und in Irak und der Tod der Studenten in Kenia in der englischen Presse nicht den gleichen großen Widerhall fanden wie das Ereignis in Paris. Der Autor erklärte: „Wir müssen uns letztendlich dem alten Klischee beugen, dass für uns Ereignisse desto mehr  als Nachricht gelten, je näher zu uns sie passieren.“ Er argumentierte auch damit, dass sich die Vorfälle in Paris für Menschen ereignet haben, die den britischen Bürgern ähnlicher sind  und dass es um die Bedrohung durch einen gemeinsamen Feind ginge. Außerdem würde der Vorfall in Paris einen direkteren Einfluss auf das Leben der Briten nehmen als  zum Beispiel der Anschlag in Beirut.

Die westlichen Medien haben also viele Argumente gebracht um die unterschiedliche  Berichterstattung zu rechtfertigen, aber in Bezug auf eine Reihe von diesen Argumenten bestehen ernsthafte Zweifel.

Die westliche Medienwelt hat bei der Berichterstattung über das Ereignis in Beirut eine Darstellungsweise angewandt, bei der insbesondere der westlicher Leser bereits in der Überschrift – also noch bevor er überhaupt den Nachrichtentext studiert hatte, vom eigentlichen Thema abgelenkt wird zum Beispiel mit folgendem Titel: „Dutzende wurden bei einer Bombenlegung in einem der Gebiete  in Libanon, wo die Hisbollah einen Sitz hat, getötet.“ Im US-Radiosender NPR,  National Public Radio wurde das Ereignis  unter folgendem Titel angekündigt:  „Selbstmordbombenanschlag verursachte Tod von mindestens 37 Personen in einem Bezirk der Hisbollah im Süden Beiruts“. France 24 leitete seinen Bericht wie folgt ein: „Tödliche Explosion erschütterte einen Standort der Hisbollah in Beirut.“

Ein Vergleich mit den Überschriften für  die Ereignisse in Paris, lohnt sich. Verwendet wurden hier Titel wie: „Massaker bzw. Panik bzw. Blutbad in Paris,  oder „Angriff auf Fröhlichkeit und Vitalität“.

Die Argumente der westlichen Medien zur Rechtfertigung ihres  selektiven Vorgehens sind etwas fadenscheinig.   Natürlich sind kleine Bevorzugungen bei der Berichterstattung verständlich. Wenn die westlichen Medien jedoch behaupten, dass eine Nachricht für das  westliche Publikum viel wichtiger sei als eine andere,  wälzen sie die Verantwortung auf die Hörer, Zuschauer und Leser ab. Aber für ein seriöses Medium sollte  an erster Stelle nicht die Zufriedenheit seiner Benutzer stehen, sondern die genaue Untersuchung eines Ereignisses.  Medien die das nicht tun übersehen, dass ihre Aufgabe darin besteht, dem Medienbenutzer nicht das zu liefern, was ihm gefällt, sondern das, was er braucht, und zwar auf eine Weise, dass er daran interessiert ist mehr zu erfahren.

 Die  meisten mächtigen Medien gehören westlichen Ländern und in der Mehrzahl werden sie von den anderen Medien auf der Welt als Bezugsquelle benutzt. Da die westlichen Medien auf diese Weise einen großen Einfluss haben,  findet jedes Ereignis über das sie  ausführlicher berichten, auch bei den anderen Medien mehr Aufmerksamkeit als andere Vorfälle. 

Selbst Nah-Ost Medien wie Asharq al Awsat und Al Jazeera ,die direkt mit den Ländern der hiesigen Region in Verbindung stehen haben noch keinen selbständigen Nachrichten- und Meinungsstrom aufbauen können. Die westlichen Medien sind also immer noch die Hauptquelle der anderen Medien und beeinflussen an den meisten Orten der Welt am stärksten  die öffentliche Meinung.

Die ägyptische Zeitung Al Ahram verwies in einem Artikel mit der Überschrift: „Die Opfer von Beirut und die Opfer von Paris“ auf die umfangreiche Berichterstattung der Medien über die Pariser Terroranschläge und den schwachen Nachrichtenfluss hinsichtlich der Ereignisse in Beirut in den regionalen arabischen und den internationalen Medien. Sie schrieb: „Das Blut der Europäer und der französischen Bürger scheint edler zu sein als das der Araber und der Menschen in Beirut.   Solange wir diesem doppelwertigen und ungerechten Umgang mit Menschenleben begegnen, werden die Tore zum Terrorismus tausendmal offen bleiben.“

Es fällt jedoch noch ein weiterer Aspekt ins Auge.  Die westlichen Medien haben die IS-Mitglieder immer mit Kämpfer bezeichnet. Jedoch im Zusammenhang mit den Nachrichten über die Pariser Anschlagsserie waren es plötzlich Terroristen.  Wie die ägyptische Al Ahram andeutet, waren einige westliche Nachrichtenagenturen in der Tat bestrebt, einen Unterscheid zwischen den  Opfern von Paris und Beirut zu machen, was  sich  schnell bei einem Vergleich der Nachrichtentitel feststellen lässt.

Die New York schrieb: „Die Pariser Anschläge hinterließen mehr als 100 Tote – verschärfte Kontrollen an den Grenzen“, und  Reuters  benutzte folgenden Titel: „Bewaffnete haben in Paris ein Massaker angerichtet.“

Doch in den Titeln über den Beiruter Anschlag war nichts von einer Verurteilung der Gewalt zu verspüren, sondern es wurde nur der geografische Aspekt hervorgehoben und darauf angespielt,  dass die Opfer möglicherweise einer Gruppe angehören,  die von den USA, Kanada und Israel  als Terrororganisation abgestempelt wird.

Die New York Times benutzte die Überschrift:  „Tödliche Explosionen erschütterten den  Schützengraben der Hisbollah in Südbeirut“

Bei Reuters hieß es:  „Zwei Selbstmordbomber fügen Stellungen der Hisbollah in Libanon einen schweren Schlag zu“

                                 Die Opfer von Paris wurden und werden also von den westlichen Medien in den Vordergrund gestellt wurden,  während  man die Opfer in Beirut, Bagdad und Homs in Vergessenheit geraten lässt.

Weltweit werden Tausende Kerzen zur Erinnerung an die Toten der Anschläge der IS in  Paris angezündet, während kein einziges der westlichen Medien einen Nachrichtentitel darüber bringt,  dass die IS –Terroristen  24 Stunden vorher das Lebenslicht  von Menschen in Beirut ausgelöscht haben. 

  

 

 

 

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