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Dienstag, 03 November 2015 06:16

Todesurteil für Scheich Nimr verdeutlicht Unterdrückung der Schiiten in Saudi Arabien

Nimr Baqr al-Nimr Nimr Baqr al-Nimr
  Drei Jahre nach der Festnahme von Scheich Nimr, dem bekannten schiitischen Geistlichen in Saudi Arabien, hat das Revisionsgericht das Todesurteil, welches vom hohen Gerichtshof  für diesen freiheitsliebenden Geistlichen gefällt wurde, bestätigt.

Das  Urteil wurde zur Unterzeichnung an das Innenministerium und die Kanzlei des Monarchen Malek Salman Bin Abdulaziz weitergeleitet. 

Scheich Nimr Baqir An-Nimr wird von den Saudis beschuldigt,  zwischen den Volksstämmen Zwietracht zu schüren.  Außerdem werden ihm die Unterstützung für den Aufstand in Bahrain, das Tragen von Waffen und die Gehorsamsverweigerung gegenüber dem Königlichen Erlass vorgeworfen. Der Geistliche wurde im Juli 2012 festgenommen, nachdem er die Demonstrationen der Schiiten in der Provinz Al Qatif unterstützt hatte.

 

Gemäß Mohammad Nimr, dem Bruder von Nimr Baqir Nimr wurde das Todesurteil in Abwesenheit der Verteidiger und der Angehörigen gefällt. Auch wurde das Todesurteil für sechs weitere Schiiten, darunter einen seiner Neffen bestätigt. Die letzte Entscheidung darüber, ob dieses Urteil vollstreckt oder aufgehoben wird, liegt nun beim saudi-arabischen Monarchen Malek Salman.

Die Entsendung des Todesurteils vom hohen Gerichtshof von Riad an den saudischen Monarchen löste weitgehend Protest in den Gebieten mit schiitischer Bevölkerung im saudi-arabischen Al Qatif, im Iran, Irak und im Libanon aus.

 

Die Bewohner in den östlichen Gebieten von Saudi Arabien demonstrierten in den letzten Tagen massiv gegen dieses Urteil,  darunter in dem Bezirk Al Awamia von Al Qatif. Es waren die bisher größten Demonstrationen.   Zudem haben  einige junge Revolutionäre begonnen, in Al Qatif, darunter in der Al Thawra-Straße, Parolen gegen den Monarchen Salman Bin Abdulaziz auf die Wände zu schreiben.

Im Iran, Irak und Libanon sowie in Bahrain haben Organisationen, Religionsgelehrte und bekannte religiöse und politische Persönlichkeiten die saudischen Herrscher bezüglich des Todesurteils für den schiitischen Geistlichen und Freiheitskämpfer gewarnt.

Die Koalition der revolutionären Jugend vom 24. Februar in Bahrain verkündete in einer Erklärung, dieses Todesurteil demonstriere, wie verworren das Regime der Saudis auf inländischer und regionaler Ebene in der Politik und in Sicherheitsfragen vorgeht. Sie  forderte die Staatengemeinschaft und alle Menschenrechtsorganisationen und –gremien auf, sofort etwas gegen dieses ungerechte Urteil zu unternehmen.

In einer Erklärung der Dozentengemeinschaft der  Theologischen Hochschule in Qum (Iran) hieß es: „Die Bestätigung des schmählichen  Todesurteils des saudischen  Gerichtshofes für den engagierten Geistlichen  Scheich Nimr hat die Muslime auf der Welt erzürnt.

Dieses Urteil wurde gefällt, während die Saudis täglich Dutzende von schuldlosen Muslimen in Jemen töten und außerdem nicht ihre Inkompetenz bezüglich der schmerzlichen Tragödie in Mina und dem Tod von mehreren Tausenden Pilgern zum Heiligen Hause Gottes eingestehen.

Dient nicht die Bekanntgabe dieses Urteils nur dazu, von den Vergehen dieses Regimes in Jemen und Mina abzulenken?  Haben Scheich Nimr und Menschen wie er sich etwas anderes zuschulden kommen lassen als den  Einsatz für die Menschen- und islamischen Rechte der unterdrücken Schiiten in Saudi Arabien?  Kann sich ein solches Regime Inhaber der Schlüssel zur Kaaba und Diener der Heiligen Gebiete nennen?“

Mamosta Abdur Rahman Chalifehzadeh, der Freitagsimam der westiranischen Stadt Bukan, gehört zu den wenigen sunnitischen Gelehrten, die eine Reaktion auf die Bestätigung des Todesurteils gegen Nimr Baqir An Nimr zeigten. Chalifehzadeh warnte Saudi Arabien hinsichtlich der Urteilsvollstreckung.  Nach seiner Ansicht verfolgen die Saudis  mit der Hinrichtung von Scheich Nimr die Absicht, ihre Macht über die Bevölkerung zu demonstrieren, und Furcht und Schrecken zu verbreiten. Die Saudis meinten, sie könnten damit das Feuer, das sie im Nahen Osten und in anderen Ländern entfacht haben, löschen.  Dieser sunnitische Geistliche Irans erklärte weiter, dass die islamische Gesellschaft dieses Vorgehen der Saudis missbilligt.

Er appellierte an die islamischen Gelehrten, Regierungen und  Gerechtigkeitsliebenden das ungerechte Urteil und die Hinrichtung des schiitischen Gelehrten Nimr Baqir An Nimr , den er als großen gerechtigkeitsliebenden Mann bezeichnete, zu  verhindern.

                         

Leider schweigen die westlichen Organisationen, die behaupten Menschenrechte und Freiheitsliebe zu verteidigen, zu der Bestätigung des Todesurteils und zu der Verletzung der Rechte der schiitischen Minderheit von 2 Millionen in Saudi Arabien durch das Regime in Riad.  

Wäre Scheich Nimr ein  Freiheitskämpfer in irgendeinem Land,  welches sich nicht der Politik der westlichen Regierungen anpasst, wäre er inzwischen als Anwärter für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden.  Dieser Geistliche hat sich in den letzten Jahren unentwegt für die Herstellung der Rechte der schiitischen Minderheit in Saudi Arabien eingesetzt. Er hat die Korruption und Diktatur des saudischen Regimes kritisiert und alle zur Freiheit und Demokratie und zu Reformen aufgerufen.  Er war für friedliche Demonstrationen und gegen Anwendung von Gewalt und die Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten.  Nimr kritisierte die Korruption der Herrscher in den arabischen Anrainerstaaten am Persischen Golf. Er  rief zum Kampf gegen die Korruption und Unterdrücker auf und stellte die  Thronfolge in Ländern wie Saudi Arabien in Frage.

                          

Scheich Nimr hat das Herrschaftssystem in Saudi Arabien herausgefordert und den Saudis Korruption, Ungerechtigkeit und Diskriminierung vorgeworfen und damit den Zorn der saudischen Herrscher auf sich gezogen.

Die Saudis sind bestrebt, jeden Ruf nach Gerechtigkeit und jeden Protest gegen Unrecht in Saudi Arabien zu ersticken  und haben in den vergangenen Jahren Ajatollah Nimr mehrmals festgenommen und gefoltert.

Jeder weiß,  dass heutzutage der Protest eines Bürgers gegen seine Regierung und die Kritik an ihr, zu den elementaren Bürgerrechten gehören.   Scheich Nimr hat dieses Bürgerrecht in Saudi Arabien wahrgenommen und sein Protest war friedfertig und unbewaffnet.

Das  saudische Herrscherhaus hat durch Festnahme von Scheich Nimr und seine Helfer und  Bestätigung des Todesurteils für ihn, die wichtigsten Menschenrechte verletzt. Aber leider   haben viele sunnitische Gelehrte in muslimischen Ländern, speziell die einflussreichen Gelehrten an der ägyptischen Al Azhar Universität, keine Reaktion auf dieses Todesurteil gezeigt; ein Verhalten, das  gegen die islamischen Regeln verstößt.  Aus der Sicht des Islams wird hinsichtlich der Bürgerrechte kein Unterschied zwischen Schiiten und Sunniten, Muslimen und Nicht-Muslimen gemacht.

In seinem berühmten Schreiben an Malek Aschtar, den er als Gouverneur nach Ägypten schickte, hat Imam Ali (a) von ihm die Gleichbehandlung der Menschen gefordert, da sie entweder sein Bruder in der Religion oder ihm in der Schöpfung als Mitmensch gleich sind. 

Staaten die hinsichtlich der Bürgerrechte Unterschiede zwischen Schiiten und Sunniten, Muslimen und Nicht-Muslimen machen, beachten nicht die Gebote des Islams.

Die saudischen Herrscher wollen durch die Festnahme und Hinrichtung von Scheich Nimr den Ruf nach Gerechtigkeit in diesem Land ersticken.   Sachverständige sagen, dass das  Todesurteil  gegen Scheich Nimr vollkommen politischer Natur ist und  eine Vollstreckung schwere politische Folgen für die Saudis haben wird.

Der Nahe Osten steckt in zahlreichen Krisen und die Sicherheit der Region ist durch zunehmende Aktivitäten von takfiristischen Terrorgruppen in Gefahr geraten. Die Saudis sind derzeit die  Haupturheber dieser Krisen.  Sie unterstützen die takfiristischen Terrorgruppen in Syrien, Irak, Libanon, Jemen, Afghanistan und Pakistan allseitig und wollen konform mit der Politik westlicher Staaten, an der Spitze von ihnen die USA, die Entwicklungen im Nahen Osten  so lenken, dass die  Stammesregierungen und Thronfolgeregimes in ihrer Position gestärkt werden.

Aber die Folgen dieser Politik haben bereits jetzt den Rockzipfel dieses Regimes und seiner Verbündeten in und außerhalb der Region erfasst.

Die Saudis wollten also durch Destabilisierung von Syrien, Irak und Libanon, nämlich die Achse des Widerstandes gegenüber dem zionistischen Regime, ihre eigene und die Position ihrer Verbündeten, nämlich die Unterstützer des zionistischen Regimes stärken.

 

Aus dieser Politik hat sich nun eine Gefahr für sie selber ergeben. Die Angelegenheiten des Nahen Ostens sind so dicht miteinander verwoben, dass  jeder Schritt auf die generelle Entwicklung in dieser Region einwirkt.

Die Hinrichtung des schiitischen Führers Nimr Baqir an Nimr  kann Saudi Arabien zum Ausgangspunkt für unvorhersehbare Entwicklungen verwandeln. Die Vollstreckung des Todesurteils kann den unterdrückten Zorn  von über 2 Millionen Schiiten in Saudi Arabien, dieser Minderheit, der seit Jahrzehnten viele elementare Bürgerrechte vorenthalten werden, steigern.  

Es bleibt abzuwarten,  ob die saudischen Herrscher so vernünftig sind, von der Vollstreckung des Todesurteils  abzusehen  und dadurch ihr Land vor krisenhaften Entwicklungen zu schützen, oder ob sie  sich nach  den Fitwas der wahhabitischen Muftis richten, Scheich Nimr hinrichten und die Schiiten weiter unterdrücken.  

 

 

 

 

 

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