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Freitag, 12 Oktober 2012 04:57

Wir brauchen mehr Geist im Leben - Abschiedskommentar

Wir brauchen mehr Geist im Leben - Abschiedskommentar
Kommentar vom Fuß des iranisch-deutschen Berges (59)Von: Dr.

Yavuz Özuguz
Im Namen des Erhabenen
 
Wer die Menschen von ihrer Spiritualität trennt, betreibt eine Politik ohne Geist. Aber die Hadsch-Zeit kann uns daran erinnern, dass wir zurück zu unseren Ursprüngen finden müssen, auch meine Wenigkeit.
Wohin wir auch sehen, ob nach Syrien, in die Finanzwelt, in die Weltpolitik oder die weltweite Armut, alle Konfliktherde der Erde haben eines gemeinsam: Sie sind das Produkt der Entfremdung des Menschen von seinem göttlichen Ursprung. Der Mensch, der seine spirituelle Dimension leugnet, wird zu einem Tier im übertragenen Sinn. Manche werden wie die Raubtiere, die andere Tiere jagen und fressen, um den eigenen Magen zu füllen, und andere werden wie Schafe, die kopflos ihrem Leithammel folgen, selbst wenn dieser einen Abhang herunterrast. Manche fliegen wie Fliegen umher, bis sie von jemandem, den sie nerven, erschlagen werden, und andere werden wie Parasiten. Sehr viele werden wie das Vieh, dass die Zeit auf der Weide mit wiederkäuen verbringt, bis es zur Schlachtbank geführt wird.
Der Mensch, der seine Menschlichkeit verliert, verliert die Nächstenliebe, er verliert den Blick für die Nöte der Mitmenschen, die Ängste, die Sorgen der Anderen, die er lindern könnte. Er verliert den Bezug zu Reichtum und Armut. Wie anders ist es zu erklären, dass zu allen Zeiten in fast allen Gesellschaften die Reichen immer Reicher und die Armen immer Ärmer werden. Warum ist dieser Skandal nicht das Hauptthema der Diskussion in Deutschland? Warum wird nicht nach Auswegen aus dieser Sackgasse gesucht, einer Sackgasse, die letztendlich zum Zusammenbruch jeder Gesellschaft führen muss? Glauben wir, dass wir in unseren kurzen Leben "davon"-kommen und erst unsere Enkel den Skandal ausbaden müssen, den wir durch die Verlagerung des auf Raub basierenden Wohlstandes Einiger auf spätere Zeiten bewirkt haben? Und am Ende landen wir doch alle unter der gleichen Erde. Warum vergessen wir das immer bzw. verdrängen es?
In Deutschland gibt es keinerlei Zügel mehr, welche den zunehmenden Reichtum der Reichen und die zunehmende Armut der Armen verhindern. Keine einzige Regierung hat den Reichen ernsthaft etwas weggenommen, um es den Armen zur Verfügung zu stellen! Wenn die Armen etwas erhalten haben, dann auf Kosten der Armen späterer Generationen durch eine endlose Verschuldung! Der Unterschied der verschiedenen Regierungen bestand lediglich in der Geschwindigkeit, in der die Reichen reicher wurden. Aber warum ist das so? Und welche Möglichkeit gibt es, Gerechtigkeit walten zu lassen?
Mit dem bestehenden System gibt es definitiv keine Möglichkeit dazu. Mit "System" ist hier nicht das Grundgesetz gemeint, das sei hier betont! Im Rahmen des Grundgesetzes ließe sich möglicherweise durchaus eine gerechteres System realisieren. Mit "System" sind hier die Menschen und ihre Denkweise gemeint. Die Menschen wählen Volksvertreter. Jene Volksvertreter sind in jeder Hinsicht weit entfernt vom Volk. Allein die finanziellen Möglichkeiten jener sogenannten Volksvertreter lassen sie gar nicht mehr spüren, was Armut bedeutet. Der aktuelle Kanzlerkandidat der angeblichen "Sozial"-Demokraten hat nach Medienangaben in den letzten zwei Jahren über eine halbe Million Euro "Nebenverdienste" allein durch Vortragsveranstaltungen gehabt! Wie sollte solch ein Mensch sich für die Armen einsetzen und dafür eintreten, dass die Reichen erhebliche Anteile ihres Reichtums abgeben? Aber er hätte keine Macht, würde er nicht gewählt werden. Die gesamte veröffentlichte Meinungsmache, die als "öffentliche Meinung" den Leuten verkauft wird, wird von Menschen geleitet, die außerhalb jeglicher menschlicher Maßstäbe leben. Die Besitzerin des pro-zionistischen Springer-Konzerns hat nach Medienangaben einem ihrer wichtigsten Führungspersönlichkeiten jüngst das Geschenk eines Aktienpakets von mehreren Millionen Euro gemacht! Wie sollten solche Menschen jemals für die Armen schreiben, denen die Reichen einen erheblichen Teil ihres auf Maßlosigkeitswahn beruhenden Reichtums abgeben müssten? Aber jener Wahn ist nur so lange möglich, so lange sie ihre Blätter Millionenfach verkaufen können und Millionen von Armen die Blätter jener "konsumieren", die dadurch immer reicher werden. Ein Wolf braucht die Schafe! Und es wäre töricht einem Wolf vorzuwerfen, dass er Schafe reißt. Aber einem Menschen darf man durchaus vorwerfen, warum er sich selbst zum Schaf degradiert hat.
All das beruht darauf, dass die Spiritualität völlig verloren gegangen ist. Doch auch das geschah nicht "zufällig", es geschah vielmehr systematisch. Alles Heilige wird lächerlich gemacht. Alle spirituellen Werte werden mit Füßen getreten. Das betrifft nicht nur den Film, der jüngst die Heiligkeiten des Islam zu entwürdigen versucht hat, es betrifft in der deutschen Gesellschaft vielmehr Jesus und Maria, ohne dass die Menschen es überhaupt noch merken! Die Menschen werden zu geistlosen Schafen herangezüchtet und dann vom Wolf geschlachtet und merken dabei nicht, dass sie selbst einen wesentlichen Anteil an dieser Schlachtorgie tragen, denn niemand kann sie zwingen, zum Schaf zu werden, wenn sie es nicht zulassen. Gott hat sie als Mensch erschaffen und als Menschen sind sie frei, sich für Menschlichkeit und Nächstenliebe einzusetzen. Sie besitzen die Fähigkeit zum Statthalter Gottes auf Erden, aber verkennen ihre eigenen Fähigkeiten.
Das Fehlen jeglicher Spiritualität führt zu scheinbar absurden Bündnissen, die – wenn man nur genau hinsehen würde – gar nicht so absurd sind. Es sind die Bündnisse der Wölfe, der Raubtiere, der entmenschlichten Kreaturen, die die Mehrheit der Menschen massakrieren. Syrien ist der Schmelztiegel jenes Bündnisses. Dort kämpfen von den Saudis finanzierte Salafisten Seite an Seite mit den von den USA eingeschleusten Terroristen. Der westliche Imperialismus und al-CIAda bzw. US-Taliban stehen auf der gleichen Seite. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn sie alle treten für eine Welt ohne wahre Spiritualität und ohne wahre Liebe ein, und sie alle tun das im missbrauchten Namen Gottes, die einen im Namen eines christlichen Gottes und die anderen im Namen eines islamischen Gottes. Zu ihnen gesellen sich diejenigen, die im Namen eines jüdischen Gottes den ebenfalls jeglicher Nächstenliebe entbehrenden Zionismus vorantreiben und vom brutalen Kampf gegen die Schafe den größten Nutzen ziehen, während auch im besetzten Palästina die Reichen immer Reicher und die Armen immer ärmer werden, auch unter Juden!
Der größte Feind aller jener zu Wölfen mutierten Systeme, seien es USA, Israel, al-CIAda, US-Taliban, westlicher Imperialismus, Kapitalismus, Neoliberalismus, Massenmedienmultis und wie man sie noch so nennen möchte, ist die Islamische Republik Iran. Der Krieg in Syrien ist ein Krieg gegen die Islamische Republik Iran. Der Weltfinanzkrieg ist unter anderem ein Krieg gegen die Islamische Republik Iran. Der kulturelle Imperialismus ist ein Krieg gegen die Islamische Republik Iran. Der Krieg gegen alle Heiligkeiten, die Entwürdigungen, die Filme im missbrauchten Namen der Freiheit, Romane usw. sind ein Krieg gegen die Islamische Republik Iran.
Seit 33 Jahren führt die Welt einen Krieg gegen die Islamische Republik Iran. Doch warum? Werden im Iran die Reichen nicht Reicher? Zweifelsohne gibt es Reiche, die immer reicher geworden sind, aber sie werden von der Mehrheitsgesellschaft verachtet und schaffen es immer weniger in die höchsten Stufen der Macht. Werden im Iran die Armen nicht immer ärmer? Zweifelsohne gibt es immer noch zahlreiche Missstände im Iran, aber gleichzeitig wird jeder, der das Land von vor 30 Jahren kennt und heute sieht, neidlos anerkennen müssen, dass der Iran das Land ist, in dem die Armen in den letzten drei Jahrzehnten am meisten profitiert haben! Denn es gibt im Iran einen einzigen Faktor, den der Rest der Welt nicht hat, weder die USA, noch die gesamte Westliche Welt, noch der Raubtierkapitalismus. Jener Faktor existiert weder unter den von den Saudis finanzierten reaktionären Kräften, noch in den Medienkonzernen der Welt. Und dieser einzige Faktor ist die Liebe zum Imamat-Prinzip.
Das Imamat-Prinzip führt die höchste religiös-politsch-spirituelle Kraft an die Spitze der Macht. Der Vertreter jenes Amtes lebt in seinem privaten Leben so bescheiden wie die Ärmsten im Land und richtet alle seine Entscheidungen so aus, dass sie gottgefällig sind, was in der Umsetzung nichts anderes heißt als der Beistand zu den Bedürftigen, die Nächstenliebe vor allem zu den Armen und Schwachen. Und jene Ärmsten danken es ihm! Sie unterstützen ihn mit Leib und Seele! Die Macht in der Islamischen Republik Iran baut nicht auf geraubten weltlichen Gütern auf. Sie baut nicht auf finanziellem Reichtum und auf Beeinflussung der als öffentlich verkauften Meinung auf. Sie beruht auf der Liebe zum Imam, zum spirituellen Oberhaupt, der das Leben des Propheten Muhammad in seiner Gestalt bestmöglich verkörpert. Sein Eheleben ist das Eheleben eines Wahrhaftigen. Sein Familienleben ist das Familienleben eines Wahrhaftigen. Seine Politik ist die Politik der Wahrheit. Sein Gebet und seine Reden sind die Worte von Wahrhaftigen. Kein Politiker in der Westlichen Welt oder in der östlichen Welt wird derart von den gottesehrfürchtigen Menschen geliebt, wie Imam Chamene'i! Kein Mensch wird von den Reichen und Mächtigen so gehasst. Und es ist eine spirituelle Kraft, die dieser Mensch ausstrahlt, die spirituelle Kraft eines Jesus, eines Muhammad, eines erwarteten Erlösers, selbst wenn er selbst weit davon entfernt ist, in die Fußstapfen jener Heiligen treten zu können. Aber er lässt die Menschen spüren, welche gerechte Welt, welches Paradies auf Erden machbar wäre, wenn wir uns unserer wahren Menschlichkeit besinnen würden, nicht nur zu Weihnachten. Das, und nur das, ist der Grund für den weltumfassenden Krieg gegen die Islamischen Republik Iran!
Die Welt steht kurz vor der Hadsch-Zeit, der Zeit der Besinnung auf den wahren Ursprung des Menschen, die Zeit der Besinnung auf die Menschheitsgeschichte mit ihren Höhen und Tiefen. In jener Zeit gibt es einmal mehr die Gelegenheit den Erlöser der Menschheit zu sehen. Er ist nach muslimischer Vorstellung jedes Jahr leibhaftig dabei unter den Pilgern, doch  nur Wenige erkennen ihn. Es ist die Zeit, in der die Pilger ihre genähten Kleider des Diesseits abstreifen und die ungenähten Kleider des ewigen Lebens überstreifen. Es ist die Zeit, in der alle fernen Nichtpilger mit ihren Herzen dabei sein können, wenn Abraham bereit ist zu opfern, wenn Hadschar nach dem Wasser der Wahrheit strebt für sich und ihre Nachkommen, wenn die Menschheit um das Haus der wahren Geburtstätte kreist, wie Planeten um die Sonne, wenn der Satan in unseren Herzen öffentlich gesteinigt wird, wenn die sich dem Geist Gottes ergebene Seele ruft: "Hier bin ich of Allah unser", und in dem Ruf aus der Nähe der Halsschlagader die Antwort Desjenigen widerhallt, der uns näher ist als unsere eigene Halsschlagader, dem Herrn der Schöpfung, dem Gnädigen, dem Begnadenden, der Quelle der höchsten Stufe der Liebe.
Wem diese bescheidenen Zeilen eines in der westlichen Welt groß gewordenen und beheimateten Muslims immer noch nicht vermitteln konnten, warum die Islamische Republik Iran bekämpft wird und warum die gesamte Westliche Welt zusammen mit den von Saudis finanzierten Salafisten Krieg führen, der lese nur den letzten Abschnitt erneut. Sehr viele Herzen im heutigen Iran, seien es Christen oder Muslime, würden beim Lesen solcher Zeilen vor Freude strahlen! Die meisten Herzen in der Westlichen Welt spüren bei jenen Zeilen nicht nur nichts, sie neigen sogar zu einer Art materialistischer Abneigung.
 Das genau ist der Unterschied, den ich versuche mit diesen Zeilen zu verdeutlichen. Es ist der Aspekt, den ich in zuvor 58 Kommentaren vom Fuß den deutsch-iranischen Berges der Missverständnisse versucht habe zu erläutern. Ihre zumeist lieben Reaktionen, liebe Leser, haben mich motiviert, diese Reihe über ein Jahr lang aufrecht zu erhalten. Nun aber, mit diesem 59. Kommentar, wird es Zeit Abschied zu nehmen. In der nächsten Woche möchte ich – so Gott will – selbst erstmalig in meinem Leben eintauchen in den Ozean der Spiritualität, der bei der Pilgerfahrt überläuft.
 Als eingefleischter Deutscher war es immer mein Wunsch zumindest einen bescheidenen Beitrag zu leisten, die hiesige Gesellschaft, meine Heimat und die Menschen in meiner Heimat, zurück zu einer Spiritualität zu führen. Es war mir stets klar, dass mit dem falschen Bild des größten Propheten der Liebe Muhammad, das hier vermittelt wird, eine wahre Liebe zu ihm aufzubauen sehr schwer sein dürfte für viele Unwissende. Umsomehr habe ich mich bemüht, Jesus und Maria in meinen Texten nicht unerwähnt zu lassen, denn Deutschland ohne Jesus und Maria ist ein Deutschland ohne Geist und mit einer zum Raubtier verkommenen Seele. Immer wieder habe ich versucht die Ganzheitlichkeit des Daseins in Worte zu kleiden. Gott vergebe, dass es mir so wenig gelungen ist. Jetzt aber wird es Zeit, diese Kommentarreihe zu beenden. Falls es mir vergönnt sein wird, Mitte November zurück nach Deutschland zu kommen, so würde ich eine neue Kommentarreihe starten – so Gott will.
 Ich bedanke mich bei IRIB für die stets zeitnahe Veröffentlichung dieser Zeilen und bei Ihnen, liebe Leser, für Ihre Aufmerksamkeit. Sollte ich irgendjemanden von Ihnen ein Unrecht zugefügt haben, so bitte ich Sie höflichst um "Ent"-schuldigung, oder wie wir es im Islam sagen würde: Bitte machen sie meine Schuld gegenüber Ihnen "halal". Allen Lesern wünsche ich Gottes Segen. Den Lesern im Iran wünsche ich das standhafte Voranschreiten auf Gottes Weg unter der Führung des Imams in der Hoffnung, dass der Erlöser band erscheinen möge. Den Lesern in Deutschland, seien es Muslime oder nicht, wünsche ich die Befreiung von den Gefängnissen des "Ich" und den Eintritt in das Paradies der Liebe, dass stets da ist und wir nur eintreten brauchen. Der Schlüssel zum Eintritt ist die Dankbarkeit zum Herrn der Welten. Und die Tür ist die Heiligkeit unserer Zeit. Der Friede Gottes sei mit Ihnen allen!
 
 Dr. Yavuz Özoguz
(Wissenschaftlicher Leiter der Enzyklopädie des Islam - eslam.de)
Schilfweg 53
D-27751 Delmenhorst
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