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Donnerstag, 13 September 2012 12:58

Wie würde es deutschen und iranischen Juden nach Israel ergehen?

Yavuz Özoguz Yavuz Özoguz
 Kommentar vom Fuß des iranisch-deutschen Berges (55)Von: Dr.

Yavuz Özoguz
Im Namen des Erhabenen
Im Iran wird eine Welt nach Israel schon lange diskutiert, in Deutschland bzw. in der Westlichen Welt ist der Gedanke eher neu [1].
Unabhängig davon, wie utopisch der Gedanke erscheinen mag, und wie unvorstellbar der Gedanke für die meisten Menschen in der Westlichen Welt ist, soll die Vorstellung hier anhand der Juden in der Islamischen Republik Iran und in Deutschland diskutiert werden, um den gravierenden Unterschied zwischen Juden dieser Welt deutlich zu machen.
Zunächst einmal ist klar, dass Jerusalem für die Juden in Deutschland und Iran gleichermaßen heilig ist. Völlig unabhängig davon, unter welcher Regierung oder Besatzung Jerusalem steht, würden Juden aus aller Welt stets danach streben, Jerusalem besuchen zu  können, wie es auch von Christen und Muslimen begehrt wird, die Heilige Stadt aufzusuchen. Darin gibt es auch keinen Unterschied vor, während und nach einem Staat Israel. Lediglich die Reisebedingungen könnten unterschiedlich sein, denn eine Stadt unter Besatzung zu besuchen ist selbstredend stets schwieriger als unter “normalen“ Umständen.
Was aber würde sich für Juden in der Welt ändern, wenn es Israel (warum auch immer) nicht mehr gäbe? In Palästina könnte eine Art Lösung wie in Südafrika erzielt worden sein, in der die Ureinwohner allesamt gleiche Rechte haben, wie die “Weißen“, und alle gemeinsam einen schweren Weg des Miteinander bestreiten. Israel könnte von der Westlichen Welt aufgegeben worden sein, weil es einfach nicht mehr finanzierbar war. Israel könnte so töricht gewesen sein, einen übermächtigen Gegner anzugreifen, so dass dann aus Angst vor einer Vergeltung das Land sich selbst auflöst, weil die meisten reichen Einwohner eine sichere Heimstadt in der zweiten Staatsangehörigkeit vorziehen. Oder es könnte auch etwas eingetroffen sein, was wir uns alle derzeit gar nicht vorstellen können. Selbstverständlich würden die führenden Köpfe des Zionismus, die hauptverantwortlich für die begangenen Verbrechen sind, dann abgeurteilt werden, aber das beträfe Wenige.
Für die Juden in der Islamischen Republik Iran würde sich kaum etwas ändern! Sie wären weiterhin eine geschützte Minderheit mit vollen Religionsausübungsrechten, wie sie es auch heute sind. Es gibt heute keinen Antisemitismus im Iran und keine Übergriffe gegen Juden, und so würde es sie auch nach einer Auflösung Israels nicht geben! Die Vertreter der Minderheiten würden weiterhin ihre Sonderstellung im Parlament erhalten und damit einen Sitz, der weit mehr repräsentiert, als ihren Bevölkerungsanteil. Die Synagogen, die heute bereits geschützt sind und beste Nachbarschaftsbeziehungen pflegen, würden es auch dann tun. Und da keine jüdische Organisation im Iran den Zionismus gepredigt bzw. sich hinter jedes Verbrechen Israels gestellt hat, gäbe es diesbezüglich auch absolut nichts aufzuarbeiten!
Ganz anders sähe die Situation in Deutschland aus. Hier müsste der größte Verband sich völlig neu ausrichten. Diejenigen “Köpfe“ die über Jahrzehnte hinweg jedes Verbrechen des Zionismus gerechtfertigt und sogar unterstützt haben, würden ihr Ansehen verlieren und Juden, die schon immer für einen gerechten Ausgleich gegenüber Palästinensern eingetreten sind, würden an die Spitze jener Organisationen gewählt werden. Dadurch würden sich die Beziehungen gegenüber Christen und Muslimen dramatisch verbessern. Es gäbe keine unaufhörlichen Schuldbegleichungsforderungen an die Mehrheitsbevölkerung, die die Weltkriege gar nicht miterlebt hat. Die Mehrheitsbevölkerung würde erstmalig seit Jahrzehnten die Gelegenheit erhalten, wahre Inhalte des Judentums zu erfahren, über die Riten und Bräuche sowie über den Glaubensinhalt und nicht immer nur über den Holocaust und Kriegsdrohungen Israels als scheinbar einzige jüdische Inhalte in Deutschland. Die Beziehungen zu Muslimen würden auf eine echte Dialogbasis gestellt und man würde die unzähligen Gemeinsamkeiten entdecken, was derzeit kaum möglich ist. Kein Vertreter der Juden würde im missbrauchten Namen des Judentums ständig irgendwelche unverschämten Distanzierforderungen an Muslime stellen, während er gleichzeitig jedes noch so brutale Menschenrechts- und Völkerrechtsverbrechen des Zionismus arrogant verteidigt. Gläubige Juden und Muslime könnten ihre viel größeren Gemeinsamkeiten herausstreichen. Zudem würde dann auch deutlich werden, wie der Islam ein versöhnendes Element zwischen Judentum und Christentum darstellt. Denn selbst das in den Hinterköpfen mancher Christen wirkende Gefühl, Juden wären für die Kreuzigen Jesu mitverantwortlich, wird vom Islam negiert, denn der Islam lehrt, dass Jesus überlebt hat!
Die deutsche Wirtschaft brächte nicht Waffen für Israel zu produzieren, welche der deutsche Steuerzahler zahlen muss. Die dadurch frei werdenden Ressourcen könnten für gemeinsame jüdisch-christlich-muslimische Projekte verwendet werden. Jerusalem würde zu einem der meistbereisten Reiseziele für alle Deutschen werden, für Juden, Christen und Muslime. Und erstmalig könnten sie auch völlig unproblematisch gemeinsam dorthin reisen. Dadurch, dass die Auffanglager für palästinensische Flüchtlinge alle aufgelöst werden können, würden in der Region unvorstellbare Ressourcen frei werden. Allein das Potential an innovativer Energie in der Region könnte zu einem Leuchtturm für Frieden in der ganzen Welt werden.
Juden und Muslime könnten zusammen auf das Zinsverbot in ihren Heiligen Büchern hinweisen und ein gemeinsames alternatives Zahlungssystem entwickeln, dass nicht nur das räuberische Schneeballsystem des Kapitalismus ablöst, sondern auch für eine gerechtere Verteilung aller Ressourcen in der Welt beiträgt. Der Hunger in Afrika könnte – ausgehend von den Ideen aus Jerusalem – erstmalig überwunden werden.
Nach und nach würden die Atommächte verstehen, dass Atomwaffen keinen Frieden und keine Sicherheit gewähren, sondern das genaue Gegenteil. Sie würden die Atomwaffen abbauen und stattdessen auf Kooperation setzen. Immer mehr Menschen würden verstehen, dass der Ansatz zur Kooperation sowohl den früheren Unterdrücker als auch die Unterdrückten wohlhabender werden lässt. So würde allein schon die Vernunft die Kooperation gebieten. Ja, man mag es sich kaum vorstellen, selbst die USA würden sich verändern vom räuberischen Imperium zu einem innovativen Technologieentwickler.
Deutschland könnte zur Staatsräson an erster Stelle das Wohl der eigenen Bevölkerung definieren und darauf aufbauend den Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit auf Erden. Kein einziger deutscher Soldat müsste mehr außerhalb Deutschland eingesetzt werden, zumal Israel nicht mehr existiert und die USA ohne Israel und ohne Kapitalismus keine deutschen Soldaten mehr einfordern kann. Deutschland würde seine Unabhängigkeit erklären, fremde Soldaten und Atomwaffen aus dem Land verweisen, und eine eigene vom Volk getragene Verfassung erarbeiten.
Warum – so werden sich jetzt manche Leser fragen – sollten jene utopischen Vorstellungen alle an die Auflösung Israels gekoppelt sein? Warum könnte man nicht zumindest einiges der Ziele unabhängig davon anstreben? Sicher kann man das! Aber Israel ist heute der Verbrecherausweis der Westlichen Welt. Israel ist die letzte verbliebene echte Kolonie der Westlichen Welt. Israel hat die letzte offiziell verbliebene Apartheidsregierung des “weißen Mannes“. Israel ist das Land, dessen sämtliche Verbrechen von der Westlichen Welt gestützt und mitgetragen werden. Kein anderes Gebilde der Erde kann sich so viele Verbrechen leisten, ohne dass die Bevölkerungen anderer Staaten sich dagegen wehren würden. Israel ist die längste Besatzungsmacht unserer Zeit, getragen und gestützt von der Westlichen Welt. Man kann sagen, dass Israel nicht nur die gesamte Westliche Welt in Geiselhaft für ihre Verbrechen genommen hat, sondern auch das Judentum. All das würde entfallen, wenn es Israel nicht mehr gäbe.
Sicherlich werden jetzt wieder die Hofschreiber des Zionismus nicht müde werden, jedem Antisemitismus vorzuwerfen, der diesen Artikel bringt bzw. gutheißt. Aber der Artikel ist nicht gegen Juden geschrieben worden, sondern für Juden! Denn wenn Muslime, Juden und Christen Hand in Hand gegen Zionisten vorgehen werden, dann können sie wahrlich das Paradies auf Erden errichten. Und dann gibt es keine Armut mehr, weder in Afrika, noch in Deutschland, noch in Palästina.
Mag sein, dass ich selbst es nicht mehr miterlebe – obwohl viele Zeichen dafür sprechen, dass die Zeit für dieses Wunder immer näher rückt – aber es lohnt sich in jedem Fall sich mit friedlichen Mitteln für Gerechtigkeit auf Erden einzusetzen. Und wenn es Gerechtigkeit auf Erden gibt, dann gibt es auch kein Israel mehr.
Iranische Juden können unbeschwert dieser möglichen Zukunft entgegensehen. Deutsche Juden hingegen müssen sich positionieren, hinter einem unterdrückerischen Zionismus oder einem menschenfreundlichen Judentum. Und jeder trägt die Verantwortung für seine eigene Entscheidung und sein eigenes Wirken; in Deutschland, im Iran und in Palästina.
Dr. Yavuz Ö–zoguz
(Wissenschaftlicher Leiter der Enzyklopädie des Islam - eslam.de)
Schilfweg 53
D-27751 Delmenhorst
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