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Mittwoch, 09 Mai 2012 08:49

Eine ungewöhnliche Iranreise mit ungewöhnlichen Folgen

Dr. Yavuz Özoguz Dr. Yavuz Özoguz
Kommentar vom Fuß des iranisch-deutschen Berges (37)

Von: Dr. Yavuz Özoguz
Im Namen des Erhabenen
Zunächst einmal muss ich mich bei allen Lesern, die es gewohnt waren meinen wöchentlichen Kommentar zu lesen, entschuldigen, dass ich mich zwei Wochen nicht mehr gemeldet habe. Ich hatte viel zu tun, denn ich war im Iran! Ich war dieses Mal aber nicht alleine mit meiner Ehefrau dort, sondern mit einer Reisegruppe deutscher Intellektueller. Diese freien Denker kamen aus sehr unterschiedlichen Disziplinen, unterschiedlichen Weltanschauungen, unterschiedlichen Berufen und unterschiedlichen Regionen Deutschlands. Gemeinsam war ihnen der Einsatz für Frieden und Freiheit in Gerechtigkeit in Deutschland und in der Welt. Keiner der Reiseteilnehmer gehörte zu den “Opfern“ der tagtäglichen Medienpropaganda bezüglich Iran. Sie wussten, dass eine kriegslüsterne Presse alles andere verbreitet als die Wahrheit über die Islamische Republik. In einem ausführlichen Vorbereitungstag bei uns im Haus hatten sich die Teilnehmer zudem gegenseitig kennengelernt und die Grundlagen des Islam, der Schia und der Islamischen Republik Iran, darunter die Verfassung, behandelt.
Trotz sehr guter Vorbereitung war dann der erste Eindruck im Iran doch erstaunlich. So ein modernes, sauberes, durch unübersehbare Bautätigkeit boomendes, dynamisches Land hatten die Teilnehmer dann doch nicht erwartet. Der sehr dicht gedrängte Zeitplan ließ zwar nur wenig Freizeit, aber selbst diese wenige Freizeit wurde genutzt, um weitere Eindrücke zu gewinnen. Neben Teheran konnten kurze Abstecher nach Qum, Abyaneh und Isfahan verwirklicht werden. Von dem Lebensstil des Statthalters der Gelehrten über die Modernität einer Nationalbibliothek, von den Trauerzügen in der Nacht zum Ableben der Fatima (a.) bis zur Automobilherstellung bei der Firma SAIPA, von den beeindruckenden Gesprächen mit einem Großayatollah bis hin zur Bibliothek des Ayatollah Maraschi-Nadschafi, von einer Parlamentssitzung bis zum Empfang beim Staatspräsidenten, vor einer Frauen-NGO bis zum Imam-Platz in Isfahan, der Rahmen eines solchen Artikels würde gesprengt werden, wollte man auf alle Eindrücke eingehen. Auch die Sender IRIB und Press-TV konnten besucht werden. Bei IRIB hat uns freundlicherweise Herr Shahroukny persönlich die Ehre gegeben.
Der Gesamteindruck war aber unzweifelhaft: Der Iran ist nicht das Land, das uns in den westlichen Medien vorgestellt wird. Darin waren sich alle Reiseteilnehmer einig. Und weder herrscht irgendeine Knappheit (die 450 km Autobahn von Isfahan nach Teheran war durchgehend beleuchtet), noch befürchtet irgendjemand ernsthaft, dass das Land angegriffen werden könnte. Und sollte es doch geschehen, fühlen sich alle hinreichend gerüstet, um das Land zu verteidigen, auch die Vertreter der jüdischen und christlichen Minderheiten im Land; ja selbst Leute, die das “Islamische“ am System weniger mögen. Für fast alle Teilnehmer der Reisegruppe war es ihre erste Reise in die Islamische Republik, und sie waren beeindruckt.
Aber die Überraschung war nicht nur auf deutscher Seite. Genauso überrascht waren die Gastgeber auf iranischer Seite. Solche Deutsche hatten sie noch nicht erlebt, Deutsche die ihre eigene Heimat mehr lieben, als die Vasallentreue zu den USA und zum Zionismus, Deutsche, die die Mechanismen des Imperialismus und Kapitalismus durchschauen und verurteilen, Deutsche, die sich für ein friedliches Miteinander der Völker einsetzen und das auch ernst meinen, Deutsche die nicht wie tote Fische mit dem Strom schwimmen, sondern lebendig gegen den Strom. Viele Gastgeber wussten gar nicht, wie sie auf solch “ungewöhnliche“ Deutsche eingehen sollten?
Die Überraschung auf beiden Seiten begleitete eine 10-tägige Reise, deren spiritueller Höhepunkt die Fatima-Nacht bei Fatima Masuma in Qum war, in der des Ablebens der Tochter des Propheten (s.) gedacht wurde und dessen politischer Höhepunkt der Empfang beim Staatspräsidenten war. Die Rede, die Dr. Ahmadinedschad gehalten hat, könnte jeder Antikapitalist, Antirassist, Antiimperialist und Friedensaktivist problemlos mittragen. Das einzige Problem ist: Er erfährt kaum davon. Die deutschen Medien haben vom Inhalt des 90-minütigen Beisammenseins nahezu gar nichts gebracht!
Stattdessen haben sie sich auf einen Teilnehmer der Reisegruppe gestürzt, der keine eigene Webseite hat und sich dementsprechend nicht so gut wehren kann wie die anderen, und haben auf ihn eingedroschen, wie es sich der Teilnehmer vorher hätte nie vorstellen können. Seine Anwesenheit beim Empfang durch Ahmadinedschad wurde zum größten Skandal der Woche aufgebauscht, während der deutsche Außenminister Westerwelle dem rassistischen Zionisten Liebermann die Hand gab. Der “kleine“ Teilnehmer der Reisegruppe wurde geradezu zum Unmenschen erklärt und hat seine Referententätigkeit an der Volkshochschule verloren. Er wird wohl auch vom deutsch-jüdischen Freundschaftskreis rausgeworfen werden und seine Landtagskandidatur für die FDP steht jetzt auch auf der Kippe. Das erlaubt die zionistische geprägte Presse nicht! Im Zuge eines totalitären Wahns wurde über den Teilnehmer berichtet, ohne dass jemand mit ihm oder andere Mitreisenden gesprochen hätte. Nur wenige hatten ihn selbst befragt, dafür aber Dutzende andere, die keine Ahnung von der Reise hatten. Von der Bild-Zeitung bis hin zu den Fernsehsendern wollten alle etwas von sich geben. Die in solchen Dingen oft der Unwahrheit nahe liegende Zeitung taz erzählte gar seine Märchen vom Tee beim Präsidenten. Tatsächlich haben die Teilnehmer wirklich nahezu überall im Iran Tee erhalten, nur beim Präsidenten nicht, aber das war noch die harmloseste Lüge.
Ja, diese Reise war gefährlich! Sie war gefährlich, weil gleich vier Teilnehmer unmittelbar nach der Reise ihre ersten Eindrücke im Internet verbreitet haben, darunter ein Artikel mit der Überschrift “Land der Liebe“. Jeder jener Teilnehmer hat ohnehin schon eine große Leserschaft. Aber alle zusammen erreichen “zu viele“! Die Teilnehmer wurden verdammt, indem der Staatspräsident mit Attributen belegt wurde, die nur noch aus Lügen bestehen. Er habe den Holocaust geleugnet, er wäre ein Antisemit, er würde die Atombombe anstreben usw. usf.., alles glatte Lügen, die durch die massenweise Wiederholung glaubhaft werden sollen. Aber dass die Reisegruppe auch die jüdischen Vertreter im Parlament getroffen hat, dass im Iran die größte jüdische Gemeinde im Nahen Osten außerhalb Israels in Frieden lebt, darüber gab es natürlich kein Wort.
Diese Reisegruppe war gefährlich, da sie der gleichgeschalteten Einheitspresse von Hofschreiberlingen die Wahrheit entgegensetzt. Ahmadinedschad ist kein Antisemit und hat den Holocaust auch nie verleugnet, aber warum sollen Palästinenser noch in der Enkelgeneration dafür unterdrückt werden, dass Juden einstmals in Deutschland verfolgt wurden? Allein diese Frage gilt schon als Antisemitismus, denn es ist eine wahrhaftige Frage, die das gesamte verbrecherische System des Imperialismus so leicht aufdeckt. Und das kann der Imperialismus absolut nicht vertragen. Und so wurde der erste Reiseteilnehmer bereits “bestraft“. Weitere könnten folgen.
Doch in Wirklichkeit hat jener Wahnsinn – anders kann man diese Art der Hetze nicht mehr beschreiben – sich nur selbst bestraft! Wohl denen, die einen Lehrer und Referenten haben, wie ihn jener Teilnehmer namens Claus Hübscher für seine Kursteilnehmer dargestellt hatte, bevor er entlassen wurde. Es sind diejenigen, die ihn “entlassen“, die verlieren!
Im Iran hingegen gibt es immer noch viele Menschen, die von einem auch nur halbwegs gerechten System in Deutschland ausgehen! Bitte berichten sie allen jenen, dass ein Teilnehmer einer Reisegruppe nach seiner Rückkehr vieler seiner Aufgaben entbunden wird, weil er den iranischen Staatspräsidenten getroffen hat! Bitte berichten Sie ausführlich davon im Iran und für die Iraner! Können Sie sich vorstellen, dass jemand im Iran seinen Job verliert, weil er während einer Deutschlandreise von einem hochrangigen Vertreter Deutschlands empfangen wird? Sicher nicht! Aber warum nicht? Warum behandeln Sie die Deutschen nicht so, wie die Deutschen Sie behandeln?
Ich kenne Ihre Antwort: Sie sagen, dass die deutsche Regierung mit ihren Hofschreibern eine Parallelgesellschaft ist und das Volk anders denkt. Und daher behandeln sie Deutschland nach wie vor so ungewöhnlich gutmütig, obwohl Deutschland sich an die Spitze der Feindesländer katapultiert hat. Sie haben recht! Wir haben es selbst zu spüren bekommen als im Parlament von unserer Anwesenheit auf der Tribüne berichtet wurde. Viele Abgeordnete drehten sich um und winkten uns zu! Und diese Reise ist ein Beweis für ihre Auffassung bezüglich eines deutschen Volkes, das sich befreien möchte. Die Teilnehmer sind ein Beweis, ihre Berichte sind ein Beweis, die vielen Mails und Leserbriefe, die sie erhalten haben, sind ein Beweis, und die extrem übertriebene Hassreaktion der Herrschenden ist ebenfalls ein Beweis, denn sie beweist, wie sehr man Angst davor hat, dass Menschen die Wahrheit erkennen.
Ich habe kein Mandat mehr im Namen der Reisegruppe zu schreiben oder zu sprechen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass viele Mitreisende und viele Leser dieser Zeilen sich meinem Gruß an das Volk im Iran anschließen werden, ihren Weg der Befreiungstheologie weiter zu gehen und nicht nur sich selbst weiter zu befreien, sondern auch anderen Völkern den Weg zu weisen, wie man sich befreien kann.
Zweifelsohne gibt es auf jenem holprigen Weg noch viel zu kritisieren, viel zu verbessern, manches zu verurteilen, vieles zu optimieren und manches auch abzuschaffen. Das wissen die Iraner besser als alle ihre Kritiker außerhalb des Landes. Aber Ihr Weg der wahren Befreiung ist so gefährlich, dass eine kleine vergleichsweise unbedeutende Reisegruppe aus Deutschland in der letzten Woche zur größten Gefahr für die Westliche Welt hochstilisiert wurde. Viele von uns freuen uns schon auf die nächste Reise – Inschaallah.
Dr. Yavuz Özoguz
(Wissenschaftlicher Leiter der Enzyklopädie des Islam - eslam.de)
Schilfweg 53
D-27751 Delmenhorst
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