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Freitag, 23 Dezember 2011 04:30

Weihnachten ohne Jesus und Maria?

Die Wallfahrtsstätte Wigratzbad zieht jährlich Zigtausende Pilger an. Sie beten, stiften Kerzen, erflehen Marias Segen. Die Wallfahrtsstätte Wigratzbad zieht jährlich Zigtausende Pilger an. Sie beten, stiften Kerzen, erflehen Marias Segen.
Kommentar vom Fuß des iranisch-deutschen Berges (19) Im Namen des Erhabenen Heute beginne ich mit einer Frage an meine gütigen Glaubensgeschwister in der Islamischen Republik Iran: Können Sie sich vorstellen, dass eines Tages die Aschura-Prozessionen stattfinden und die Leute auf den Straßen voller Enthusiasmus die Lieder über Ali Akbar und Abbas singen, aber letztendlich kaum jemand weiß, wo Kerbela liegt und was Aschura bedeutet?

 Nein, Sie können sich das nicht vorstellen, Gott sei Dank! Allein bei solch einer Frage wären sie entsetzt. Denn es ist eher umgekehrt. Nach fast 1400 Jahren Stagnation in der Erinnerung an Imam Husain (a.) haben große Gelehrte wie Imam Chamene’i – Gott beschütze ihn – uns gelehrt, dass in der Geschichte von Aschura tausende Lehren stecken, die es einzeln auszuarbeiten und zu vermitteln gilt. Und in jeder Lehre stecken wiederum neue Lehren, so dass allein die intensive Beschäftigung mit dem Thema viele Tore zum Licht eröffnen würden.

Wenn ich nun aber die gütigen Christen im Iran fragen würde, ob Sie sich Weihnachten ohne Jesus (a.) und Maria (a.) vorstellen können, so würden sie mich wohl genauso entsetzt ansehen. Sie können sich das nicht vorstellen, denn Weihnachten ist das größte Fest des Christentums. Es ist die Geburt des Heilands (a.) mit der Wundergeburt durch die Heilige Maria (a.). Gottes Friede sei mit diesen wunderbaren Empfängern der Gottesoffenbarung.

Aber in der Westlichen Welt, in der ich mich befinde, mitten in Deutschland, ist die Lage etwas anders. Hier hat ein Großteil der Bevölkerung Jesus und Maria vergessen. Selbst diejenigen, die von sich behaupten, einer Kirche anzugehören, ja selbst zahlreiche Geistliche der evangelischen Kirche glauben gar nicht mehr an die Jungfrauenwundergeburt. Wie sollten sie dann das, was sie selbst nicht glauben, anderen vermitteln? Sie glauben ohnehin nicht mehr an Wunder. Für viele sich selbst christlich nennende Geistliche, ist die materielle Welt derart dominierend geworden, dass sie den Zugang zur geistigen Welt völlig verloren haben. Die Geistlichen wissen zwar noch, wer Jesus und Maria waren und sind, aber in der Bevölkerung schwindet das Wissen darüber immer mehr. Dagegen weiß jeder im Land, was ein Weihnachtsmann und was ein Tannenbaum ist. Der Weihnachtsmann wird tatsächlich irgendwie mit dem Glauben in Verbindung gebracht, ohne es so genau zu wissen, wie der Zusammenhang ist, und der Tannenbaum wird sogar bei Krippenspielen mit aufgestellt. Viele Deutsche wissen noch nicht einmal, dass es in Bethlehem und Nazareth gar keine Tannenbäume gab! Und den Unterschied von Bethlehem und Nazareth würden wohl auch nur noch ein Bruchteil der deutschen Christen auf Anhieb aufsagen können.

Noch dramatischer würde die Umfrage ausfallen, wenn man in irgendeiner Fußgängerzone in der Innenstadt, in der die Verkaufstempel der Weihnachtshuldigung des Goldenen Kalbes stehen, die Kaufdiener fragen würde, wer Caspar, Melchior und Balthasar sind. Wahrscheinlich würden viele Jungendliche auf eine neue Rappergruppe oder einen Kinofilm tippen. Dass es sich bei den Dreien um die drei Weisen handeln könnte, die aus der Gegend des heutigen Iran aufgebrochen sind, um dem erwarteten Heiland ihrer Zeit zu huldigen, würden bestenfalls nur noch einige Katholiken und Religionslehrer erläutern können.

Ja, die geschilderte Lage ist nicht übertrieben. Sie beschreibt die Realität in Deutschland. In anderen, weniger gebildeten westlichen Ländern, die sich voll und ganz den USA und dem Zionismus unterworfen haben, dürfte es nicht besser aussehen. Es ist schon eine dramatische Ironie, dass Bethlehem und Nazareth heute durch die Westliche Welt besetzte Gebiete sind. Die Westliche Welt betet im Namen des Goldenen Kalbes einen Weihnachtsmann und Tannenbaum stellvertretend für den Kaufrausch an, während ihre Soldaten die Geburtsstätte Jesus besetzen und die einheimische Bevölkerung unterdrücken.

Die drei Weisen – sie werden hier zuweilen auch drei Heilige Könige genannt, obwohl sie nachweislich keine Könige waren – spielen in der heutigen Weihnachtsgeschichte eher eine untergeordnete Rolle. Sie sind eine Art hübsche Garnierung mit lustigen Kostümen. Aber in Wirklichkeit könnten sie eine große Rolle spielen, wenn man einmal darüber nachdenken würde. Denn nicht nur Aschura, auch die Weihnachtsgeschichte beinhaltet tausende Lehren, die wiederum tausende Tore zum Licht öffnen können, für Christen und Muslime gemeinsam.

Jesus (a.) ist nicht “plötzlich“ aus dem Nichts gekommen! Sein Kommen wurde lange vorbereitet, so dass ein Teil der Menschheit ihn bereits erwartete! Bereits zur Geburt seiner heiligen Mutter hatten einige mit seinem Kommen gerechnet. Aber die Zeit war noch nicht reif. Seine Mutter selbst musste viele Wunder vollbringen, damit ihre wahren Anhänger vorbereitet waren. Der Ruhm ihrer Mutter musste in viele Teile der Welt verbreitet werden, damit auch andere Völker und vor allem Weise aus anderen Gegenden davon erfahren konnten, selbst wenn Jesus als Erlöser der Juden gekommen ist. Zahlreiche andere große Propheten mussten zugegen sein, wie Zacharias, Johannes (als Baby) und andere große Gelehrte, damit es keinen Zweifel am Erscheinen des großen Erlösers gibt. So konnten die Weisen aus dem Osten kommen und dem Heiland huldigen. Sicherlich ist es kein Zufall, dass sie aus dem Osten kamen, aus dem Osten, in das sich die Heilige Maria zurückgezogen hatte zur Geburt, aus dem Osten, aus dem die Unterstützer des für die Zukunft erwarteten letzten Erlösers erwartet werden, aus dem Osten, in dem die Islamische Revolution eine neue Weltepoche eingeleitet hat.

Auch der erwartete Erlöser Imam Mahdi – möge er bald erscheinen – wird nicht so kommen, dass ihn niemand erkennt. Vielmehr werden eine ganze Reihe von Weisen vorbereitet sein und ihm huldigen. Umso wichtiger ist es für die gesamte Menschheit, dass sie jene Weisen frühzeitig erkennen und sich an sie binden. Einstmals hatte der große Märtyrer Muhammad Baqir Sadr die Bevölkerung im Irak dazu aufgerufen, sich an Imam Chomeini zu binden, wie Imam Chomeini mit dem Islam verschmolzen ist. Für diese revolutionäre Aussage wurde er von Saddam zusammen mit seiner gesegneten Schwester hingerichtet und erlangte die hohe Stufe des Martyriums. Heute gibt es große Gelehrte wie Sayyid Nasrullah, die auf Imam Chamene’i als besondere Heiligkeit unserer Zeit mehr als deutlich hinweisen. Jegliche Sympathiebekundung für einen von beiden wird in der Westlichen Welt bereits als Angriff auf die “Werte“ und “Grundordnung“ der Westlichen Welt verstanden. Tatsächlich aber handelt es sich ausschließlich um den Wert “Finanzen“ und die Grundordnung “Goldenes Kalb“, die mit allen zunehmend brutaleren Mitteln “verteidigt“ wird, auch zu Weihnachten. Denn beide ehren Jesus und Maria sicherlich mehr als sämtliche Spitzenpolitiker der sich selbst christlich nennenden Staaten!

Wahre Weihnachten sind nicht der Kaufrausch, in dessen Abhängigkeit die materiellen Drogen die Menschen zu versklaven versuchen. Wer die spirituellen Zusammenhänge zwischen Weihnachten, den drei Weisen aus der Gegend des Iran und der heutigen Weltentwicklung erkennen kann, der wird sich mit Imam Chamene’i beschäftigen, so wie sich Imam Chamene’i mit dem erwarteten Erlöser beschäftigt.

Die Kapitalisten glauben nicht an das Spirituelle. Aber dennoch haben sie Angst davor und versuchen den Christen ihre Beziehung zum Spirituellen zu zerstören. Denn ein wahrer Christ wird niemals dem Goldenen Kalb huldigen, sondern Jesus, dem Sohn der Maria. Und es sind die Muslime in Deutschland, die die unantastbare Würde der beiden heiligsten Personen des Christentums verteidigen; zusammen mit den wenigen verbliebenen Christen.

Ich wünsche im Namen so vieler deutscher und deutschsprachiger Muslime, die sich unbekannterweise diesen Worten anschließen werden, sowohl unseren christlichen Mitbürgern in Deutschland als auch den Christen im Iran ein gesegnetes Weihnachtsfest.

 

Dr. Yavuz Özoguz

(Wissenschaftlicher Leiter der Enzyklopädie des Islam - eslam.de)

Schilfweg 53

D-27751 Delmenhorst

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