Donnerstag, 15 Dezember 2011 11:05

Wir brauchen eine andere Nachrichtenkultur

- Kommentar vom Fuß des iranisch-deutschen Berges (18)Im Namen des ErhabenenDienstag war wieder einer dieser Tage, an denen die Menschen in Deutschland voller Schrecken die Nachrichten verfolgt haben bzw.
das, was sie für Nachrichten halten. Ich selber befand mich auf einer langen Autofahrt, so dass ich in den speziellen Nachrichtensendern im Radio die Entwicklung gut verfolgen konnte. Am Mittag kamen die ersten Meldungen von mehreren Explosionen in der Innenstadt von Lüttich. Die Schilderungen glichen schlimmsten Terroranschlägen.
Natürlich war mein erster Gedanke: Hoffentlich ist es kein Muslim! Was für ein absurder Gedanke, was haben jene “Meldungen“ und “Nachrichten“ nur aus mir gemacht? Es gab doch mehrere Tote und – wie sich später herausstellte – weit über einhundert Verletzte. Das Leid der Betroffenen wird doch nicht geringer, wenn der oder die Attentäter keine Muslime waren oder sind. Aber die Nachrichtenhetze – anders kann man das kaum noch nennen, was hier passiert – hat uns zu solch absurden Gefühlen verirren lassen. Ich widerspreche innerlich meinen falschen Gefühlen und verfolge weiterhin gebannt die Nachrichten. Im Viertelstundenrhythmus werden sie wiederholt, und jedes Mal kommen neue Details dazu. Da ist von einer Strafvollzugsanstalt bzw. einem Gefängnis in der Nähe die Rede, aus der mehrere Insassen ausgebrochen sein sollen, womit die inzwischen in den Schilderungen zu kriegsähnlichen Zuständen hochstilisierten Nachrichten im direkten Zusammenhang stehen sollen. Dann gibt es eine regelrechte Verfolgungsjagd mehrerer Attentäter durch die halbe Stadt mit diversen Schusswechseln mit der Polizei. Hubschrauber kreisen über der Stadt; ein Chaos ohnegleichen. Doch dann – oh Wunder – war es am Ende ein Einzeltäter, der zuerst drei Menschen tötet und viel zu viele andere verletzt, und es gab keinen Ausbruch aus irgendeinem Gefängnis und es gab auch keine Verfolgungsjagd mit irgendwelchen Schusswechseln. Der Attentäter trägt zwar einen Namen, der auf einen muslimischen Migrantenhintergrund schließen lässt, aber als stadtbekannter Krimineller, der wegen Waffendelikten und Dogenhandel bekannt ist, kommt er auch als “Islamist“ nicht in Frage – Gott sei Dank. Die Behörden versichern dann auch sehr schnell, dass es kein Terroranschlag war: Was für eine Situation, in der bei jedem größeren Kriminaldelikt die Behörden jetzt immer erklären müssen, dass es kein Terroranschlag war!
Woher aber kommen jene Nachrichten, dass irgendwelche Insassen aus irgendeinem Gefängnis ausgebrochen sein könnten? Wer hat so etwas gemeldet, dass es gleich um die ganze Welt verbreitet wurde? Woher stammt die Nachricht, dass es eine Verfolgungsjagd durch die halbe Stadt gegeben habe, wobei die Polizei und die Täter sich auch noch Schusswechsel geliefert haben sollen? Warum gibt es eigentlich keinerlei Rechenschaft oder Verantwortlichkeit für verbreitete Lügen?
Das Problem bei derartigen “Nachrichten“ besteht darin, dass im Kapitalismus alles, aber wirklich alles “vermarktet“ wird. Nachrichten dienen nicht der Information oder gar Weitergabe von Wahrheit! Damit haben heutige Nachrichten absolut nichts mehr zu tun. Sie dienen einzig und allein der “Vermarktung“ und dem Geld! Und das hat zur Folge, dass eine Nachricht so schnell wie möglich auf den “Markt“ muss, völlig unabhängig davon, ob sie wahr oder falsch ist. Wer die Nachricht zuerst auf dem “Markt“ anbietet, der “verdient“ das meiste Geld. Der Nachrichtenhörer ist damit zu einem “Konsumenten“ degradiert. Er soll nicht informiert werden oder gar irgendetwas über Wahrheit erfahren, sondern er soll kaufen! Nachrichten sind zu einer Ware geworden, die, wie alles andere auch, im Kapitalismus “vermarktet wird“. Menschen, Liebe, Nachrichten, Wetter, Klima, Geld, alles ist eine Ware, die auf dem Markt verkauft werden muss! Man kann nicht jede Viertelstunde das absolut Gleiche “verkaufen“. Der Konsument ist “gesättigt“. Und wenn die Informationslage eben nichts Neues hergibt, dann wird “spekuliert“ und die “Spekulation“ als Nachricht verkauft. Wenn sich dann sämtliche Spekulationen als völlig falsch herausstellen, dann ist das kein Schaden auf dem “Verkaufsmarkt“, denn jetzt kann die Richtigstellung wiederum verkauft werden und es kann darüber spekuliert werden, warum zuerst falsch spekuliert wurde.
Bei manchen Dingen ist es sogar schädlich, wenn der Konsument die Wahrheit erfährt. Genau wie bei einem verbrecherischen Autohändler, der sein Schrottauto neu lackiert, um es völlig überteuert als neuwertig zu verkaufen, werden bestimmte Zusammenhänge in der kapitalistischen Wirtschaftswelt den Bürgern schlichtweg unterschlagen, damit sie niemals Fragen nach dem Verbrechen und den Verbrechern stellen. Nachrichten sind damit auch zum Komplizen des Kapitalismusverbrechens geworden. So wird z.B. dem Bürgern nie erklärt, warum zuerst der Staat in Form von Zentralbanken den privaten Banken Gelder zur Verfügung stellen muss, damit diese es wiederum zu überhöhten Zinsen an den gleichen Staat verleihen, von dem sie das Geld geliehen haben. Die Absurdität des Systems ist in so vielen Bereichen derart offensichtlich, dass nur eine Wirtschafts- und Finanzrevolution eine Rettung bewirken kann. Aber trotz intensiver Krise, gibt es keine Nachrichten und keine Dokumentationen, die jene Absurdität den Bürgern erklären.
Das System ist in allen Bereichen kapitalistisch, und dass bedeutet, wie man es in den Arbeitsverträgen des größten deutschen Medienkonzern nachlesen kann, dass sich Journalisten vertraglich dazu verpflichten, pro-zionistisch und pro-amerikanisch zu sein, was inzwischen ohnehin identisch ist. Eine Verpflichtung zur Wahrheit, die über den einseitigen pro-Verpflichtungen steht, gibt es nicht. Das wiederum bedeutet, dass mittels “Nachrichten“ jeder Politiker, der nicht 150% dem Kapitalismus huldigt und die radikal-zionistische Presse als Heiligtum betrachtet, entsprechend abgestraft wird. Im Bedarfsfall kann er auch abgesetzt oder ruiniert werden. So funktioniert der Markt. Beispiele dafür gibt es hinreichend. Dementsprechend stürzen sich die Medien seit gestern wie eine Meute wilder Wölfe auf den Bundespräsidenten für eine nach Korruption stinkende Affäre aus seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident. Der Skandal wurde von dem bekanntesten radikal-zionistischen Blatt Deutschlands in Rollen gebracht. Kaum ein anderer Nachrichten-Markt-Teilnehmer wagt es sich, gegen jenen Marktriesen vorzugehen. Denn unabhängig von der Affäre selbst könnte man die Frage stellen, was denn jenes Blatt dazu veranlasst hat, ausgerechnet während der Arabien-Reise des Bundespräsidenten diese Schlagzeile zu bringen!? Aber solche Fragen stellt hier kaum jemand.
Dass die Verbreitung von Nachrichten auch anders und zum Wohl der eigenen Bevölkerungen gelingen kann hat die Islamische Republik Iran gerade in jüngster Zeit an dem Beispiel der kaltgestellten feindlichen Drohne gezeigt. Aus dem Iran gab es lediglich die Meldung, dass eine Drohne erobert sei. Auf dem Markt westlicher Nachrichten wurde tagelang spekuliert, wie das sein kann. Erst hieß es, dass die Drohne abgeschossen und zerstört sei. Dann hieß es, sie sei nur abgestürzt. Dann hieße es, die Nachricht stimme gar nicht usw. usf.. Der Markt wurde “beliefert“ mit allen möglichen Nachrichten. Iran schwieg. Erst als alle möglichen Lügen über jene Drohne verbreitet worden waren, zeigte der Iran die während ihres feindlichen Eindringens in den iranischen Luftraum erbeutet Drohne in aller Ruhe und ohne Eile. Wieder fing die “Produktion“ von Nachrichten des Kapitalismus an. War die gezeigte Drohne echt? War das nicht ein billiger Nachbau aus Kunststoff, um die Welt irre zu leiten? Kein Hofjournalist hat bei jener Meldung einen Gedanken daran verschwendet zu fragen, wie man denn etwas so Maßstabsgetreu und echt nachbauen kann, wenn man keine Vorlage hätte!? Iran hatte alles gesagt und schwieg dann wieder. Man muss nicht im Viertelstundenrhythmus Lügen verbreiten, um die “Konsumenten“ zu befriedigen. Während in der Westlichen Welt offensichtlich der Nachrichtenkonsument bereit ist, selbst den größten Blödsinn zu lesen, begnügen sich die ebenfalls gerne Nachrichten hörenden Iraner mit der Wahrheit, auch wenn sie etwas später kommt. Jedenfalls wurde die Westliche Welt von den eigenen Nachrichtenquellen im Unklaren darüber gelassen, ob jene Drohne nun echt sei oder nicht. Den Höhepunkt erreichte die Angelegenheit, als der Vorzeigepräsident des Kapitalismus Obama die Rückgabe der Drohne verlangt hat. Wie kann man eine Drohne zurückgeben, die angeblich gar nicht existiert, völlig zerstört wurde oder ein Nachbau ist? Wollen die US-Amerikaner den angeblichen Pappnachbau haben? Wenn aber die Drohne echt ist, wäre es dann nicht zuerst einmal notwendig, dass sich die USA zumindest in irgendeiner Form für das Verbrechen entschuldigt, dass es begangen hat? Es ist wirklich interessant. Da ist ein Verbrecher, der die ganze Region bereits ausgeraubt hat. Bei seinem weiteren widerrechtlichen Raubzug wird er erwischt und ihm wird ein Raubwerkzeug abgenommen. Und jetzt wird dem Nachrichtenkonsumenten in der Westlichen Welt nicht etwa der Verbrecher vorgeführt, sondern derjenige, in dessen Haus jener Verbrecher nach dem gewaltsamen Einbrechen sein Werkzeug zurück lassen musste. Er habe das Werkzeug gefälligst an den Raubmörder zurückzugeben. Ja, das sind Nachrichten in der Westlichen Welt, und so lange sich das nicht ändert, so lange gibt es auch keine Befreiung vom Kapitalismus. Doch niemand ist verpflichtet, sich zum Konsumenten kapitalistischer Nachrichten degradieren zu lassen!
Ach ja, da war vor zwei Tagen in der wichtigsten Nachrichtensendung des Zweiten Deutschen Fernsehens dann doch noch eine sehr wichtige Meldung, die wahr sein dürfte: Ein Hund wurde von einer Eisscholle aus irgendeinem Fluss in den USA gerettet, nachdem er von alleine nicht mehr ans Ufer kam. Wenigstens werden die Hunde von derartigen Nachrichten gut behandelt.
Von: Dr. Yavuz Özoguz
(Wissenschaftlicher Leiter der Enzyklopädie des Islam - eslam.de)
Schilfweg 53
D-27751 Delmenhorst
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Kommentare   

 
0 #2 tagore 2011-12-17 15:18
Klasse! Wieder einmal mehr den Nagel auf den Kopf getroffen.

Ja, ja, verkehrte Welt jeder weiß es bzw. spürt oder fühlt es, doch schaffen es die meisten Menschen hier in Deutschland, diese wichtige Wahrheit zu verdrängen und werden mit einem ständigen schlechten Gefühl dafür bestraft, ohne sich gegen dieses Schlechtigkeits gefühl wehren zu können.

Die hochkrimminelle n Völkermörder spielen daher immer noch die Verteidiger der Menschenrechte, obgleich sie sie täglich mit Füßen treten.
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+6 #1 tagore 2011-12-17 15:18
Klasse! Wieder einmal mehr den Nagel auf den Kopf getroffen.

Ja, ja, verkehrte Welt jeder weiß es bzw. spürt oder fühlt es, doch schaffen es die meisten Menschen hier in Deutschland, diese wichtige Wahrheit zu verdrängen und werden mit einem ständigen schlechten Gefühl dafür bestraft, ohne sich gegen dieses Schlechtigkeits gefühl wehren zu können.

Die hochkrimminelle n Völkermörder spielen daher immer noch die Verteidiger der Menschenrechte, obgleich sie sie täglich mit Füßen treten.
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