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Mittwoch, 05 Oktober 2011 16:56

Kommentar vom Fuß des iranisch-deutschen Berges

Kommentar vom Fuß des iranisch-deutschen Berges
Im Namen des Erhabenen Deutsch-iranische Parallelen und Unterschiede zu Palästina Die Woche hatte es in sich. Einmal mehr hat Imam Chamene’i – Gott schütze ihn – eine historische Rede bei der Palästina-Konferenz in Teheran gehalten.
Ich bin eigentlich gewillt, jede Rede Imam Chamene’is als bedeutsam zu ehren, aber jene Rede hatte es aus deutsch-iranischer Sicht wirklich in sich. Denn Imam Chamene’i hat einmal mehr in aller Deutlichkeit und unmissverständlich klar gemacht, dass es nur eine vernünftige und eigentlich von jedem Demokraten mitzutragende Lösung für Palästina gibt. Die einheimische Bevölkerung soll darüber entscheiden, wie das Schicksal des Landes ist und nicht diejenigen, die aus fernen Ländern dorthin gebracht wurden und die einheimische Bevölkerung dabei vertrieben wurde. Insofern ist Imam Chamene’i klipp und klar gegen die sogenannte Zwei-Staatenlösung, die ja ohnehin nichts anderes ist, als eine Hinhaltetaktik gegenüber der ganzen Welt um Palästina vollständig auszulöschen.

 

Die Kuriosität der Parallelität zur deutschen Haltung besteht darin, dass auch Deutschland die in der UN beantragte Anerkennung Palästinas in den Grenzen von 1967 ablehnt. Doch das war es dann auch mit der Parallelität, denn die Motive zur Ablehnung könnten unterschiedlicher gar nicht sein. Während das Oberhaupt der Islamischen Republik Iran rein menschliche Gründe anführen kann zu fordern, dass Juden, Christen und Muslime gemeinsam und gleichberechtigt im Heiligen Land leben müssen, kann Deutschland für seine ablehnende Haltung lediglich die deutsche Geschichte anbringen. Während Iran die Anerkennung gleichberechtigter Bürger im gleichen Land verlangt, verlangt Deutschland, dass Zionisten darüber entscheiden, wie das Schicksal von Nichtjuden zu gestalten ist. Ist das demokratisch? Deutschland verlangt, dass Israelis und Palästinenser auf dem “Verhandlungsweg“ zu einer Vereinbarung gelangen. Wann hat jemals in der Geschichte der Menschheit ein unterdrücktes und besetztes Volk auf dem “Verhandlungsweg“ gegen die Unterdrücker und Besatzer auch nur eine Minimum seiner Rechte erhalten können? Besatzung ist stets durch Widerstand beendet worden. Entweder haben andere Staaten Widerstand geleistet und die Besatzer dazu “bewegt“ von ihrer Besatzung Abstand zu nehmen, oder aber das besetzte Volk hat durch seinen Widerstand den Besatzern so viel Leid zugefügt, dass sie Abstand von ihrer Besatzung genommen haben. “Von allein“ ist nie eine Besatzung zu Ende gegangen! Warum sollte auch ein Besatzer seine nunmehr über ein halbes Jahrhundert andauernde Besatzung beenden, wenn es für sich darin keinen Vorteil sieht? Deutschland vertritt mit seiner gesamten Wirtschaftsmacht und seinem politischen Einfluss in der Welt die Einstellung, dass man keinerlei Druck auf Israel ausüben darf. Ist das eine vernünftige Position für Frieden? Ist das eine Position, die Menschlichkeit fördert? Ist das eine demokratische Position? Die deutsche Position ist maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass den Palästinensern keine einzige Tür offen bleibt, als der gewaltsame Widerstand, und der ist für sie selbst gemäß UN-Maßstäben legitim! Deutschland vertritt hier gemeinsam mit einigen Westlichen Staaten (die allerdings immer weniger werden) eine rein zionistische Position, die dazu führt, dass immer mehr Siedlungen gebaut werden, immer mehr palästinensischen Landes enteignet wird, immer mehr Palästinenser vertrieben werden und der Rückweg zum Frieden immer schwieriger wird.

 

 

Imam Chamene’i hat aber auch eine – wenn auch indirekte – Parallele zwischen dem Zustand in Palästina und der Finanzkrise in der Welt gezogen. Denn genau wie im besetzten Palästina leidet die ganze Welt unter einem Umstand, der vereinfacht so ausgedrückt werden kann: Immer weniger Menschen verfügen über immer mehr Ressourcen der Welt, während immer mehr Menschen sich immer weniger teilen müssen. Oder anders ausgedrückt: Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Dieser Umstand gilt nicht nur für die muslimischen Länder, in denen sich immer mehr Menschen von den von der Westlichen Welt gestützten Despoten zu befreien versucht. Es gilt auch für Europa und die USA. Und immer mehr Bürger spüren das Unrecht und stehen dagegen auf. In den USA wurden an einem einzigen Tag an einem einzigen Ort 700 (in Worten: siebenhundert) friedlich demonstrierende Bürger festgenommen! Eine bestimmte Gruppe von Medien in der Westlichen Welt hat jenes Ereignis versucht zu verheimlichen, und als das nicht mehr möglich war, zumindest herunterzureden. Es ist sicherlich kein Zufall, dass es sich dabei um ein spezielles pro-zionistisches Medienimperium handelt.

Doch die Macht des Zionismus, das an der Macht der kapitalistischen Unterdrückung hängt, schwindet immer mehr. In Deutschland gab es in den letzten Wochen gleich in mehreren Zeitungen regelrechte Kampagnen gegen islamfeindliche Gruppierungen. Jene Gruppierungen waren Jahrelang, ohne jemals behelligt worden zu sein, als “pro-israelisch“ und “pro-amerikanisch“ aufgetreten und hatten die übelste Hetzte gegen den Islam und die Muslime betrieben. Was ist geschehen, dass es innerhalb kürzester Zeit plötzlich nicht mehr widerstandslos zugelassen wird?

 

 

Eine weitere Parallele zwischen Deutschland und dem Iran besteht im sogenannten Bankenskandal. Im Iran wurde das wohl seit bestehen der Islamischen Republik Iran größte Verbrechen im Bankensektor aufgedeckt und die Verantwortlichen für jenen Skandal haben mit sehr schweren Strafen zu rechnen. Es ging um ein bis zwei Milliarden Euro. Im Deutschen Bundestag fand eine Abstimmung über den seit bestehen der Bundesrepublik Deutschland größten Einzelposten im Bundestag statt, wobei es nicht – wie von vielen Politikern behauptet – um die Rettung des Euro und Griechenlands ging, sondern um die Rettung von Banken und deren Machenschaften. Es ging um 211 Milliarden Euro. Die Abstimmung war derart umstritten, dass selbst angesehene und langgediente Abgeordnete der Regierungskoalition dagegen gestimmt haben. Übelste Beschimpfungen, wie sie Deutschland unter Politikern der gleichen Fraktion in den letzten Jahren selten erlebt hat, waren die Folge. Der Unterschied zum Iran liegt vor allem darin, dass im Iran diejenigen, die für den Bankenskandal verantwortlich sind, mit der Verfolgung durch die Justiz und schweren Strafen rechnen müssen, während die Verantwortlichen für die das ganze Vermögen des Volkes immer tiefer im kapitalistischen Morast vergrabenden Bankenmanager in Deutschland sich an der Seite von Spitzenpolitikern zeigen können und geehrt werden. Der Kapitalismus ist am Ende und nicht mehr zu retten. Es geht nur noch darum, wie das Ende aussehen wird; vernünftig und menschlich, oder unvernünftig und noch unmenschlicher, als der Kapitalismus in seiner gesamten Wirkungszeit war.

Zurück zu Palästina: In Palästina entscheidet sich letztendlich die Zukunft der gesamten Menschheit. Hier steht die Front der Unterdrückerstaaten gegen die unterdrückten Völker. Hier steht der Raubtierkapitalismus gegen eine menschenwürdige Wirtschaftsordnung in der Welt, die der Menschheit dienlich ist. Hier steht das Herrenmenschendenken gegen die Gleichwertigkeit aller Menschen. Hier steht die Macht der Gewalt und der Waffen, gegen die Macht der Wahrheit. Hier steht das Hand-in-Hand von Juden, Christen und Muslimen gegen die Mentalität des teile-und-herrsche der Zionisten. Hier steht reich gegen arm, Wasserverschwendung gegen Wassernot. Hier steht die Anbetung des Goldenen Kalbes gegenüber der wahren Gottesehrfurcht. Und es ist kein Zufall, dass jene Front ausgerechnet durch die Heilige Stadt (al-Quds), durch Jerusalem, verläuft. Und es ist keine Front zwischen den Religionen, wie man es uns weismachen will, sondern eine Front, die unter allen Menschen und zuweilen in einem Menschen selbst zu finden ist. Wie damals zu der Zeit Moses Juden gegen Juden standen und unter Jesus auch, so standen zur Zeit des Propheten Muhammad Menschen, die sich als Muslime ansahen, oft auf beiden Seiten jener Front.

Es handelt sich also nicht um eine jüdisch-muslimische, christlich-muslimische oder deutsch-iranische Front, sondern um eine Front, die im Herzen eines jeden Menschen verläuft. Die meisten Iraner haben sich heutzutage mehr der Gottesehrfurcht zugewandt aber nicht alle, die meisten Deutschen haben sich derzeit – zumindest scheint es so – dem Goldenen Kalb zugewandt, aber zweifelsohne nicht alle! Die Auseinandersetzungen im Bundestag haben es verdeutlicht, dass das Goldene Kalb nicht jeden Anstand brechen kann.

Sehr erstaunlich fand ich eine Szene im Anschluss an die Rede Imam Chamene’is bei der Palästina-Konferenz in Teheran. Unmittelbar nach der Rede waren im Saal deutsche Parolen von deutschsprachigen Muslimen zu hören, die Imam Chamene’i lobten (Muslim-TV hat es gebracht)! Eine schönere Geste für die deutsch-iranische Freundschaft hat es wohl selten zuvor gegeben. Und es wird Zeit, dass deutschsprachige Leser sich ihr eigenes Bild von Imam Chamene’i, seinem Leben und vor allem seinen Worten und Wirken machen. Noch vor wenigen Jahren konnte man sich damit herausreden, dass seine Reden nur selten ins Deutsche übersetzt wurden. Aber inzwischen ist auch dieses Manko überwunden. Die deutschsprachige Redaktion von IRIB und die deutschsprachigen Mitarbeiter der Homepages Imam Chamene’is übersetzen immer mehr Reden im vollen Wortlaut, auch die jüngste Rede zu Palästina. Das Lesen aber obliegt den Deutschen wie auch den Iranern. Viele Iraner lesen die Worte der nach ihrer (und auch meiner) Ansicht Heiligkeit unserer Zeit. Aber nur wenige Deutsche nutzen diese Gelegenheit. Doch es werden immer mehr.

 

Dr. Yavuz Özoguz

(Wissenschaftlicher Leiter der Enzyklopädie des Islam - eslam.de)

Schilfweg 53

D-27751 Delmenhorst

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