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Freitag, 23 September 2011 18:27

Der Riß in den amerikanisch-pakistanischen Beziehungen wird immer tiefer

Der Riß in den amerikanisch-pakistanischen Beziehungen wird immer tiefer
Der Riß wird tiefer Islamabad warnt Washington vor Verletzung der pakistanischen Souveränität. Strategie der Anschuldigungen und Drohungen muß beendet werden
Von Knut Mellenthin

Pakistan hat die US-Regierung davor gewarnt, ihre Strategie der Anschuldigungen und Drohungen fortzusetzen. »Sie werden einen Verbündeten verlieren«, sagte Außenministerin Hina Rabbani Khar, die sich zur Zeit in New York aufhält. »Sie können es sich nicht leisten, Pakistan vor den Kopf zu stoßen, Sie können es sich nicht leisten, das pakistanische Volk vor den Kopf zu stoßen. Wenn Sie sich für diesen Weg entscheiden, wird es zu Ihrem Schaden sein.«

Ebenfalls am Donnerstag wies Innenminister Rehman Malik die Drohung US-amerikanischer Regierungsvertreter mit Militäroperationen auf pakistanischem Territorium zurück: »Die pakistanische Nation wird Einsätze auf dem Boden nicht gestatten, niemals. Unsere Regierung arbeitet mit den USA zusammen (…), aber sie müssen unsere Souveränität respektieren.«

Washington hatte seit dem Wochenende die Anschuldigungen, daß Pakistan die Aufständischen in Afghanistan unterstütze, immer weiter gesteigert. Am Sonntag hatte US-Außenministerin Hillary Clinton ein dreieinhalbstündiges Treffen in New York mit ihrer Kollegin aus der Islamischen Republik genutzt, um wieder einmal die Forderung zu präsentieren, daß Pakistan gegen die Taliban und »mit Al-Qaida verbündete Gruppen« vorgehen müsse. Diese hätten angeblich »sichere Rückzugsgebiete« auf pakistanischem Territorium.

Schon einen Tag vorher hatte der amerikanische Botschafter in Islamabad, Cameron Munter, in einem Interview behauptet, über »Beweise« dafür zu verfügen, daß das sogenannte Haqqani-Netzwerk mit der pakistanischen Regierung in Verbindung stehe. »Das muß aufhören.« Munter wiederholte in diesem Zusammenhang die offizielle Theorie amerikanischer Dienststellen, daß diese Gruppierung für den Angriff auf die US-Botschaft in Kabul am 13. September verantwortlich sei.

Am Dienstag erklärte der Chef der US-Streitkräfte, Admiral Mike Mullen, in einem Vortrag beim Carnegie Endowment for International Peace, der pakistanische Geheimdienst ISI unterstütze »seit langer Zeit« das Haq­qani-Netzwerk, um in Afghanistan einen »Stellvertreterkrieg« zu führen. Der ISI müsse eine »strategische Entscheidung« treffen, diese Zusammenarbeit zu lösen. Am selben Tag kündigte Kriegsminister Leon Panetta gegenüber Journalisten in Washington an, »daß wir soviel Druck wie möglich auf die Pakistanis ausüben werden, damit sie ihre Seite der Grenze kontrollieren«.

Die Polemik erreichte ihren Höhepunkt am Donnerstag, als Mullen und Panetta in einer Anhörung des Streitkräfteausschusses des Senats zu Wort kamen. Das Haqqani-Netzwerk agiere »als regelrechter Arm des pakistanischen Geheimdienstes«, trug Mullen vor. »Mit Unterstützung des ISI« habe es den Bombenanschlag auf einen Stützpunkt in der Nähe Kabuls »geplant und durchgeführt«, bei dem am 10. September 77 US-Soldaten verletzt wurden. Auch für den Angriff auf die US-Botschaft am 13. September und zuvor am 28. Juni auf das Intercontinental-Hotel in Kabul sei dieselbe Gruppe verantwortlich.

Auf die Frage eines Senators, was die USA gegen Pakistan unternehmen wollen, antwortete Panetta: »Ich glaube nicht, daß es hilfreich wäre zu beschreiben, wie diese Optionen aussehen könnten, und darüber zu sprechen, zu welchen operativen Schritten wir greifen könnten.« Jedenfalls seien der Führung in Islamabad die amerikanischen Optionen bekannt, so daß sie von möglichen Aktionen nicht überrascht würde.

Hintergrund der zunehmenden Aggressivität solcher Äußerungen ist die stark angestiegene Aktivtät der Aufständischen in Afghanistan. Im August wurden 71 US-Soldaten getötet, mehr als in irgendeinem anderen Monat seit Kriegsbeginn.(JW)

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