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Donnerstag, 25 August 2011 10:54

Kommentar vom Fuß des iranisch-deutschen Berges

Kommentar vom Fuß des iranisch-deutschen Berges
Der Monat Ramadan mit dem Quds-Tag ist eine Gelegenheit
Im Namen des Erhabenen
Von 5000 km Entfernung grüße ich im Namen so vieler gutherziger deutschsprachiger Muslime unsere
Geschwister in der Islamischen Republik Iran, denen wir in den letzten Tagen näher waren als sonst im Jahr.
Genau wie sie haben wir hier in den drei heiligen Nächten das wunderbare Bittgebet gelesen mit der Anrufung Gottes mit 1000 seiner Namen. Während die Brüder und Schwestern in der Islamischen Republik dieses Ereignis mit den begnadeten geübten Lesern gemeinsam mit tausenden Glaubensgeschwister praktizieren konnten, haben die Geschwister in Deutschland – verteilt wie sie über so viele Städte sind – die Zeremonien nur in kleineren Kreisen durchgeführt. Nur in einigen wenigen Moscheen in größeren Städten gab es etwas größere Ansammlungen von Gottanrufenden. Dafür haben wir alle voller Freude die Live-Übertragungen aus den Moscheen im Iran durch IRIB genossen. Und nun sind auch jene Nächte vorbei. Die letzten Tage des heiligen Monats haben begonnen.
Doch auch wir in Deutschland hatten dieses Jahr ein außergewöhnliches Ereignis im Monat Ramadan zu verzeichnen. Zum ersten Mal in der Geschichte der miteinander konkurrierenden islamischen Verbände haben in einer kleinen Stadt namens Delmenhorst (die Stadt hat ca. 70.000 Einwohner) die Moscheen von drei türkischsprachigen Verbänden ein gemeinsames Iftar-Programm mit Prominenz veranstaltet. Neben dem Bürgermeister, dem türkischen Generalkonsul und zahlreichen Abgeordneten des niedersächsischen Landtages (Delmenhorst liegt in Niedersachsen) war auch die erste Ministerin eines Bundeslandes mit muslimischem Migrationshintergrund, die Niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan, eingeladen. Ihre Eltern sind für ihre Liebe zu den Ahl-ul-Bait bekannt. Neben den vielen Grußworten hielt auch der Vorsitzende des von der Mitgliederzahl größten Verbandes in Deutschland einen Vortrag zum Thema Fasten. Daneben waren alle Größen der Stadt einschließlich der Polizeileitung als Ehrengast geladen wie auch die Leiter weiterer muslimischer Gemeinden sowie Gemeindeleiter von Christen und Juden. Insgesamt war der Saal mit 300 Gästen überfüllt und hochkarätig besetzt. Ohne zu übertreiben kann man das Ereignis als historisch für Deutschland einstufen.
Doch wie war die Medienresonanz hier in Deutschland? Abgesehen von einigen Lokalmedien wurde bundesweit kein einziges Wort darüber verloren! Selbst die Lokalmedien übten sich in auffälliger Zurückhaltung. Die Jahre zuvor gab es drei getrennte Iftar-Programme aller drei Vereine, über die jeweils ausführlich berichtet wurde, obwohl nicht halb so viel Prominenz dabei war. Dieses Jahr haben sich drei große Moscheen einer deutschen Kleinstadt zusammengetan, ein grandioses gemeinsames Fastenbrechen veranstaltet und die Medien sind nahezu schweigsam. Woran liegt das?
Bei allem Optimismus, bei aller Herzoffenheim, mit der man seinem Gegenüber entgegen treten soll und bei aller Nächstenliebe, zu der uns der Islam verpflichtet, sollten wir Muslime aber auch ein gewisses Maß an Realismus nicht aus den Augen verlieren, um die jeweilige Situation besser einschätzen zu können. Der Zusammenschluss von zuvor gespalteten Muslimen ist so ziemlich das Letzte, was die meisten Medien sich wünschen! “Teile und herrsche“ steckt in so vielen Journalisten fast schon im Blut, dass sie sich besonders ärgern, wenn ihre Herrenmenschenmentalität von der Einheit der Muslime in die Schranken verwiesen wird. Deshalb verschweigen sie das Ereignis! In wenigen Wochen gibt es in Niedersachen Kommunalwahlen. Zwar werden wir dann jene Journalisten nicht abwählen können, aber möglicherweise für weitaus menschenfreundlichere Stadträte sorgen, denn der Anteil von muslimischen Wählern steigt jedes Jahr an, ob es den Journalisten gefällt oder nicht! So lange dieses Land von solchen Journalisten mitbeherrscht wird, so lange wird es schwer für die Menschen sich wirklich zu befreien.
Und um Befreiung geht es auch am bevorstehenden Quds-Tag. Voller Begeisterung werden viele von uns am Freitagabend, wenn wir von der Arbeit nach Hause kommen (Freitag ist hier ein Werktag), die Aufzeichnungen vom Quds-Tag in Teheran und anderen Städten der Islamischen Republik Iran im Satelliten-Fernsehen ansehen. Es ist immer wieder überwältigend, wie Millionen von Menschen für diese so symbolträchtige Befreiung von der längsten Besatzung unserer Lebenszeit demonstrieren. Al-Quds, Jerusalem, steht für das Miteinander der Religion, der Menschen in aller Welt. Der Zionismus hat daraus eine Dominanz des Herrenmenschendenkens gemacht. Und somit ist der Einsatz beim Quds-Tag ein genereller Einsatz gegen jede Art von Herrenmenschendenken, sei es in Palästina oder Afghanistan, sei es im Irak oder an anderen Orten, in denen die westliche Welt glaubt Frieden etablieren zu können, indem sie tausende Zivilisten ermordet. Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit.
Verglichen mit der grandiosen Leistung der Geschwister aus der Islamischen Republik Iran ist das, was wir hier in Deutschland veranstalteten, nicht einmal ein Tropfen im Meer des Einsatzes für Gerechtigkeit. Aber diesen halben Tropfen müssen wir dann auch noch gegen sehr unterschiedliche Anfeindungen verteidigen. Auf der einen Seite stehen besagte Medien. Bis heute (nur zwei Tage vor dem Quds-Tag) gibt es keine einzige Meldung in den etablierten Medien über den geplanten Demonstrationszug in der Hauptstadt Deutschlands am Samstag (wir müssen hier am arbeitsfreien Samstag demonstrieren, da der Freitag ein Werktag ist). Sucht man in den entsprechenden Suchmaschinen im Internet gibt es nur einen Verweis auf eine geplante Gegendemonstration von Zionisten. Deren “Hauptargument“ ist die verleumderische Behauptung, dass die Demonstranten Antisemiten seien. Aber eine der Hauptparolen der Demonstranten heißt: „Muslime, Juden und Christen, Hand in Hand gegen Zionisten!“ Die wahren Antisemiten in diesem Land sind seit Jahren Zionisten und die ihnen stets extrem freundlich gesonnen etablierten Medien. Sie vereinnahmen die gesamte Religion des Judentums für die Verbrechen Israels. Und gleichzeitig hetzten sie gegen jeden, der Israel kritisiert. Sie greifen dabei auch Juden an. Selbst die prominentesten Juden, die sich gegen die verbrecherische Politik Israels stellen, werden öffentlich gebrandmarkt, angegriffen und verunglimpft. Da die Medien die Demonstration selbst nicht verhindern können, versuchen sie zumindest die Verbreitung der Information zu verhindern, indem sie kaum darüber berichten.
An einer zweiten Front haben die Demonstranten mit einer “inneren Front“ von muslimischen Möchtegerngelehrten zu kämpfen, die ihren Anhängern “erklären“, sie bräuchten nicht an dem Quds-Tag teilzunehmen, weil sie dann ihr Fasten (aufgrund der Reise nach Berlin) brechen müssten. Was sind das für “Gelehrte“? Wir haben in Deutschland mindestens 100 schiitische Geistliche zumeist aus dem Iran, Libanon, Türkei und Irak. Und wie viele davon kommen zum Quds-Tag? Gott vergebe mir, dass ich derartigen Gelehrten hier in aller Öffentlichkeit widersprechen muss! Wir leben in einer Epoche, in der das Warten auf den Erlöser so lebendig ist wie nie zuvor. Wir haben erstmalig seit 1400 Jahren ein glaubhaftes System, dass jenen Erlöser als verfassungsmäßiges Oberhaupt akzeptiert. Wir haben den gerechten Statthalter der Gelehrten, der in der Abwesenheit des Erlösers den Menschen durch sein vorbildhaftes Leben den Weg zur Wahrheit und Wahrhaftigkeit weist. Und jener großartige Mensch Imam Chamene’i (Gott schütze ihn!) hat über das ganze Jahr verteilt eine einzige kleine Bitte an uns in Deutschland. Er bittet uns, einige wenige Stunden über die Straßen Berlins einen gemütlichen Spaziergang machen, geschützt von der Polizei, zusammen mit unseren Ehepartnern und Kindern, ohne jegliche Schwierigkeiten, mit denen so viele Glaubensgeschwister überall in der Welt rechnen müssen. Die kleine Gegendemonstration von Zionisten, die nicht einmal so viele Demonstranten zusammen bringen wie angeblich Organisationen dazu aufrufen, ist da eher eine lustige Abwechslung beim Gang durch die Stadt. Also liebe Geschwister, lasst uns gemeinsam diesem Aufruf für wahre Freiheit und Gerechtigkeit zu demonstrieren folgen. Es ist gleichzeitig die einmalige Gelegenheit, dass sich die Geschwister aus so vielen verschiedenen Städten im Heiligen Monat Ramadan einmal treffen.
Der Mehrheitsgesellschaft können wir die wahren Geschehnisse in den von Zionisten besetztem Land nur mit Beharrlichkeit erläutern. Und damit komme ich wieder an den Fuß des iranisch-deutschen Berges der Missverständnisse. Wüssten die Mehrheitsgesellschaft hier, was wirklich in Palästina passiert, würden sich viel mehr Menschen gegen den Zionismus erheben. Aber sie dürfen es nicht wissen. Umso wichtiger ist der Quds-Tag, um darauf aufmerksam zu machen, dass Frieden ohne Gerechtigkeit nicht möglich ist. Es ist unsere besondere Gelegenheit. Bis bald in Berlin – Inschaallah.
Dr. Yavuz Özoguz
(Wissenschaftlicher Leiter der Enzyklopädie des Islam - eslam.de)
Schilfweg 53
D-27751 Delmenhorst
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