Samstag, 18 September 2010 05:21

Angespannte Sicherheitslage vor Parlamentswahlen in Afghanistan

Einen Tag vor den Parlamentswahlen am heutigen Samstag in Afghanistan sind landesweit die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden.
Die Polizei richtete am Freitag zusätzliche Kontrollstellen ein, nachdem die Taliban mit Anschlägen auf Wähler und Mitarbeiter in Wahllokalen gedroht hatten. In der östlichen Provinz Khost wurden laut Polizei in der Nacht Flugblätter in Moscheen verteilt, die einen blutigen Wahltag ankündigten.
Bereits im Vorfeld hatten sich chaotische Verhältnisse abgezeichnet. Zuletzt war es in Kabul und anderen Städten immer wieder zu Demonstrationen gegen das von den Medien weithin publizierte Vorhaben US-amerikanischer christlicher Fundamentalisten gekommen, die den Koran verbrennen wollten. Eine bessere Propaganda gegen die sich zur Wahl stellenden US-Marionetten hätten selbst die Taliban nicht erfinden können. Für einen großen Teil der Bevölkerung gilt dies als handfester Beweis dafür, dass die fremden Truppen, insbesondere die US-amerikanischen, nur deshalb im Land sind, um Krieg gegen den Islam zu führen. Dies hat viele Afghanen in ihrem Hass auf die Besatzer geeint.
In diesem Zusammenhang erklärte der Leiter der UN-Mission in Afghanistan, Staffan de Mistura, mit Blick auf die anhaltende Gewalt in Afghanistan: »Das ist wahrscheinlich einer der schlechtesten Orte und die schlechteste Zeit in der ganzen Welt, um eine Wahl abzuhalten.« US-Außenminister Robert Gates erklärte dagegen am Donnerstag vor Journalisten in Washington, Afghanistan sei in der Lage, die Sicherheit während der Parlamentswahl zu garantieren. Außerdem geht der Minister davon aus, dass die amerikanische Strategie der Truppenverstärkung in Afghanistan funktioniert. Gates erklärte, fast alle 30 000 zusätzlichen Soldaten seien bis Ende August in Afghanistan eingetroffen. Eine für Ende des Jahres geplante Überprüfung des Plans werde zeigen, daß die Strategie von US-Präsident Barack Obama die richtige sei.
Zu dieser Strategie gehört auch die These, dass es erst schlechter gehen muss, bevor es besser werden kann. Daher gibt es für die USA auch keinen Grund zur Sorge, wenn andere Berichte eine rapide Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan registrieren. Dazu gehört die Tatsache, daß alle Bemühungen der US- und NATO-Streitkräfte, den Süden des Landes militärisch und politisch für die Regierung in Kabul zu gewinnen, gescheitert sind. Außerdem hat die Regierung von Präsident Hamid Karsai durch ihre für jeden sichtbare Verwicklung in Korruption und enge Geschäftsbeziehungen mit Drogenbaronen und Kriegsverbrechern jegliche Legitimation verloren.
Die professionellen Schönredner müssen sogar aus dem Umstand Hoffnung schöpfen, daß alle Bemühungen der NATO, aus der vielfach aus Analphabeten bestehenden afghanischen Nationalarmee kampfstarke Einheiten zu machen, gescheitert sind. Nicht zuletzt hat der Zusammenbruch der korrupten Kabul-Bank auch der kleinen afghanischen Mittelschicht ihr Erspartes geraubt und damit auch deren Glauben an die Wunder des westlichen Kapitalismus’.
Wie schlimm muss es noch werden, bevor es besser wird?
(jungeWelt)

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