Sonntag, 29 Januar 2012 18:52

Explosive Stimmung in Athen nach deutschem „Vormund“-Vorschlag

Für die Griechen haben Überlegungen, ihnen praktisch einen Vormund vor die Nase zu setzen, das Fass zum Überlaufen gebracht.

Die Wirtschaft schrumpft, die Arbeitslosigkeit steigt immer weiter an, Armut und Zukunftsangst bestimmen zunehmend den Alltag – da hat der Vorschlag aus Berlin, eine Art „Statthalter“-Kommissar der EU in Athen einzusetzen, zu Empörung und in manchen Fällen auch zu Überreaktionen geführt.

Selbst seriöse Blätter wie die Athener Sonntagszeitung „To Vima“ reagierten scharf.

„Das Dokument der Schande. Merkel fordert die bedingungslose Kapitulation der griechischen Finanzen“, titelte die Zeitung.

Kommentatoren im Fernsehen sprachen von einem „Gauleiter“, den Berlin in Griechenland einsetzen wolle. Die Deutschen verlangten „volle Vormundschaft“, giftete das Athener Boulevardblatt „Ethnos“ auf seiner Internetseite.

Es gab auch nachdenklichere Stimmen.

Die griechischen Politiker hätten bisher nicht erklärt, wie es sein kann, dass Reformen – wie die dringend nötige Verschlankung des Staates – einfach nicht vorankommen, hieß es in einem Radiokommentar am Sonntag.

Kurz vor seiner Abreise zum EU-Gipfel am Montag nach Brüssel reagierte auch der griechische Finanzminister.

„Wer das Volk vor das Dilemma Finanzhilfe oder nationale Würde stellt, ignoriert historische Lehren“, erklärte Evangelos Venizelos.

„Ich bin mir sicher, dass die Führungen aller europäischer Staaten – allen voran derjenigen, die wegen ihrer Größe eine erhöhte Verantwortung für den Kurs Europas tragen – wissen, wie man die Themen zwischen Freunden und Partnern setzt, die ihre historischen Schicksale mit ihnen verbunden haben“, fügte er hinzu.

Die Stimmung in Athen wird immer bedrohlicher. Die Regierung des parteilosen Ministerpräsidenten Lucas Papademos muss Entscheidungen treffen, die auch kommende Generationen in Griechenland betreffen werden.

Auf Druck der Geldgeber sollen 150.000 Staatsbedienstete – fast jeder Fünfte – in den nächsten drei Jahren gehen. Der Mindestlohn soll abgeschafft werden.

Das 13. und 14. Monatsgehalt im privaten Sektor sollen gestrichen, Zusatzrenten und die Ausgaben im Gesundheitsbereich gekürzt werden.

Das birgt nach Ansicht vieler Beobachter sozialen Sprengstoff. Knapp 19 Prozent der Griechen ist arbeitslos, allein in Athen gibt es 20.000 Obdachlose, 250.000 Menschen „füttert“ die Kirche durch.

Das Abwürgen der Wirtschaft im Namen der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit könnte zu einer gewaltigen sozialen Reaktion führen, sagt der griechische konservative Europaabgeordnete Theodoros Skylakakis.

Die Kommunisten rufen seit Wochen zum Widerstand auf. Empörte Bürger könnten in den nächsten Monaten alles infrage stellen, wenn es so weiter geht, befürchten Vertreter kleinerer griechischer Parteien.

Im Parlament herrscht Untergangsstimmung. Die Sozialisten, bisher stärkste Partei, brechen ein.

Umfragen deuten darauf hin, dass sie bei Neuwahlen erstmals in ihrer Geschichte nur fünftstärkste Kraft im Parlament werden könnten. Abgeordnete der Sozialisten stimmen wichtigen Reformgesetzen nicht zu.Auch konservative Parlamentarier schauen mit einem Auge in Richtung Neuwahlen und enthalten sich der Stimme, wenn es um Gesetze geht, die etwa Interessen von zunftartig organisierten Berufen wie Apotheker betreffen.

Da machen Meldungen über Fortschritte bei den Verhandlungen mit dem Internationalen Bankenverband IIF über einen Schuldenschnitt nur wenig Mut.

Zumal immer mehr Beobachter davon ausgehen, dass Griechenland viel mehr Finanzhilfen braucht als bisher angenommen.(Quelle:stol.it)

Kommentare   

 
0 #6 Daros 2012-01-31 12:38
Ich weiss nicht warum das hier alle anders sehen.
Aber wenn Sie über Ihre Verhältnisse leben.
Wenn Sie eine Regierung je nach GefälligKeit wählen.
Wenn Sie ein Einkommen haben das weit über der Produktivität liegt und den Staat für alles bezahlen lassen ...
Wie soll das funktionieren ?
entweder man geht Pleite.
Oder es gibt einen Insolvenzverwalter.
Das ist bei einer Dönerbude auch nicht anders.
Wieso sollen dann die anderen Geld locker machen ohne Auflagen ?

Natürlich war der Spruch der "Fremdverwaltun g" provokant, aber im Prinzip ist man den eigenen Steuerzahlern ja auch verpflichtet.

ein Grieche
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-1 #5 Daros 2012-01-31 12:38
Ich weiss nicht warum das hier alle anders sehen.
Aber wenn Sie über Ihre Verhältnisse leben.
Wenn Sie eine Regierung je nach GefälligKeit wählen.
Wenn Sie ein Einkommen haben das weit über der Produktivität liegt und den Staat für alles bezahlen lassen ...
Wie soll das funktionieren ?
entweder man geht Pleite.
Oder es gibt einen Insolvenzverwalter.
Das ist bei einer Dönerbude auch nicht anders.
Wieso sollen dann die anderen Geld locker machen ohne Auflagen ?

Natürlich war der Spruch der "Fremdverwaltun g" provokant, aber im Prinzip ist man den eigenen Steuerzahlern ja auch verpflichtet.

ein Grieche
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0 #4 Goldenes Kalb 2012-01-30 09:18
Am Beispiel Griechenland sieht man wie es funktioniert. Jetzt werden schon ganze Staaten durch die Wallstreet übernommen, nachdem man vorher die Politiker dazu gebracht hat, genau diese Staaten mit Hilfe der Wallstreet in den Bankrott zu treiben.

Der Fahrplan für die NWO der Angloamerikanis chen Finanzmafia.
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+1 #3 Goldenes Kalb 2012-01-30 09:18
Am Beispiel Griechenland sieht man wie es funktioniert. Jetzt werden schon ganze Staaten durch die Wallstreet übernommen, nachdem man vorher die Politiker dazu gebracht hat, genau diese Staaten mit Hilfe der Wallstreet in den Bankrott zu treiben.

Der Fahrplan für die NWO der Angloamerikanis chen Finanzmafia.
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0 #2 Fenris 2012-01-29 19:09
Die Griechen blicken auf eine über 3000-jährige Geschichte zurück. Wenn es um Diktaturen ging, waren sie immer geeint. Europa nimm dich in Acht! Die Demokratie ist eine griechische Erfindung!
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+3 #1 Fenris 2012-01-29 19:09
Die Griechen blicken auf eine über 3000-jährige Geschichte zurück. Wenn es um Diktaturen ging, waren sie immer geeint. Europa nimm dich in Acht! Die Demokratie ist eine griechische Erfindung!
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