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Mittwoch, 30 September 2015 09:23

Interview mit Dr. Yavuz Özoguz

Interview mit Dr. Yavuz Özoguz
Wenn das auch jedes Jahr passiert – und so etwas passiert immer wieder -, dann muss man sagen, liegt hier eine Systematik vor, bei der man die Organisatoren zur Rechenschaft ziehen muss!   Ein Interview mit dem deutsch-türkischen Islam-Experten, Dr. Yavuz Özoguz über  die Ereigniss von Mena    

IRIB: Herr Dr. Özoguz, ich darf Sie ganz herzlich begrüßen, zu diesem Interview!

Özoguz: A Salamon-aleikum aus Deutschland!

 

IRIB: Herr Dr. Özoguz, genau am ersten Tag des Opferfests, also am vergangenen Donnerstag, kamen über 700 Menschen bei einer Massenpanik nahe dem saudischen Mena ums Leben.

Über die Unglücksursache liegen widersprüchliche Angaben vor. Ich will hier nicht ins Detail gehen, sondern Sie darum bitten, uns zu sagen, was Sie in diesem Zusammenhang in Erfahrung bringen konnten?

Özoguz: Unsere Gemeinde hat seit vielen Jahren – gottseidank – jedes Jahr einige Mitglieder bei der Hasdch. Dieses Jahr war auch mein eigener Sohn dort und hat uns gleich am Tag der Ereignisse einige SMS zukommen lassen, damit wir uns keine Sorgen machen.

Lassen Sie mich vorweg dies sagen: Die Zahl von 700 und etwas, die in den Medien kursiert, ist eine offizielle Zahl, die von den saudischen Medien verbreitet wurde. Ich muss sagen, ich glaube den Saudis nicht. Ich glaube ihnen definitiv nicht. Denn, sie werden die Zahl schönen. Ich befürchte, dass die Katastrophe ein weit größeres Ausmaß gehabt hat, als uns bekanntgegeben wird. Da müssen wir uns natürlich ein paar Dinge anschauen. Bevor wir auf die Ursachen oder möglichen Ursachen eingehen, müssen wir schauen, dass in Saudi-Arabien ein neuer König herrscht und dieser König hatte die Möglichkeit, sich bei der ersten Hadsch auszuzeichnen. Die erste Hadsch, die dieser König betreuen sollte, ist in eine Katastrophe gemündet. Zuerst ist ein ungesicherter Kran auf das  Hauptgebäude von Masjedul al Haram“ abgestürzt, in dem sich Pilger-Karawanen befanden. Dies hat hunderte Tote bewirkt, es gab auch unzählige Verletzte. Dann die Katastrophe in Mena. Wenn wir uns die Situation in Mena anschauen, so ist das eine Veranstaltung, die zu den wichtigsten Veranstaltungen der Muslime gehört, nämlich die symbolische Steinigung des Teufels am ersten Tag der drei Steinigungstage. Es ist so, dass man nur den großen Teufel steinigt.

An den anderen Tagen der Steinigung werden drei symbolische Säule gesteinigt. Das hat eine wichtige Bedeutung, was die Organisation angeht, nämlich am ersten Tag konzentriert sich alles auf den ersten großen „Dschamarad“(Teufel-Symbol), das gesteinigt werden soll. Das ist natürlich eine logistische Herausforderung, ohne Zweifel. Aber, eine Veranstaltung mit  zwei bis drei Mio. Teilnehmern ist keine Einmaligkeit in dieser Welt. Wir haben laute Veranstaltungen mit zwei oder drei Mio. Teilnehmern. Ich will dazu ein kleines Beispiel nennen, was wir hier in Deutschland vor mehreren Jahren hatten. Da gab es eine kleinere Massenpanik, mit 20 Toten. Bis heute sind Gerichtsverfahren anhängig, mehrere Leute mussten zurücktreten. Die Verantwortlichen wurden bestraft und Schadenersatzforderungen wurden von den Angehörigen gestellt. Bei der Hadsch haben wir offiziellen Angaben zufolge mehr als 700 Tote. Man muss dazu sagen, es besteht gar kein Zweifel darin, dass die Organisatoren hier die Hauptschuld tragen. Denn die Führung der Leute, die in Richtung dieser Steine laufen, ist derart, dass überhaupt kein Zwischenfall hätte passieren sollen. Es kann immer vorkommen, dass auf dem Weg eine Gruppe stehenbleibt, wenn zum Beispiel ein Pilger ein Herzinfarkt erleidet, oder ein Pilger verletzt wird und ähnliches. Das ist durchaus möglich,  bei einer Veranstaltung mit zwei oder drei Mio. Teilnehmern, die an einem Vormittag an einer bestimmten Stelle vorbeilaufen müssen. Das muss man alles berücksichtigen. Es kann zum Beispiel zum Stau kommen. Stau bewirkt, dass die Hinteren drängen  und die Vorderen nicht weg können. Es entsteht dann Panik und in der Panik können Dinge vorkommen, die rational nicht zu erklären sind. Bedauerlicherweise war die Situation in Mekka so, dass dort kein Unfall geschehen ist, sondern es ist etwas eingetreten, was man erklären und aufklären muss.

Nach mir vorliegenden Informationen wurden einige Durchgangswege abgesperrt. Bis heute ist es mir nicht klar, warum?

Es gibt Spekulationen darüber, dass irgendwelche Mitglieder des Könighauses dort vorbei wollten, vielleicht mit ein paar Freunden, deswegen diese Absperrung. Ich kann das von hier aus nicht beurteilen, aber sollte es wirklich der Fall sein, dass es dort eine künstliche Absperrung stattfand,  dann muss man den Begriff „Mord“ in den Mund nehmen und das Könighaus wegen Massenmordes anzeigen. Denn, das, was dort passiert ist, ist ein Massaker. In meinen Augen wäre es schon schwer genug und kaum entschuldbar, wenn das so geschehen ist, wie gesagt wird. Wenn das auch jedes Jahr passiert – und so etwas passiert immer wieder -, dann muss man sagen, liegt hier eine Systematik vor, bei der man die Organisatoren zur Rechenschaft ziehen muss!       

 


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Geführt wurde das Interview von Seyed Hedayatollah Shahrokny 

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