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Mittwoch, 20 Mai 2015 12:58

Interview mit Professor Udo Steinbach

Interview mit Professor Udo Steinbach
  "… das ist ja auch durch die Geschichte erkennbar, dass die Saudis Jemen irgendwie auch als einen Hinterhof betrachten, mit dem sie nicht so ganz zufrieden sind."

 


Ein  Interview mit dem deutschen Nahostexperten, Prof. Udo Steinbach, über Ziele Saudi-Arabien im Jemen



IRIB:
Herr Prof. Steinbach, ich darf Sie ganz herzlich begrüßen zu diesem Interview!

Steinbach: Einen herzlichen Gruß nach Teheran, lieber Herr Shahrokny!

 

IRIB: In der Nacht auf Donnerstag, den 26. März diesen Jahres,  startete Saudi-Arabien gemeinsam mit einigen Anrainerstaaten des Persischen Golfes und der amerikanischen Unterstützung Luftangriffe gegen Jemen. Saudis gaben damals an, den geflüchteten jemenitischen Präsidenten, Hadi, wieder an die Macht bringen zu wollen. Das ist eine saudische Angabe, was sind, Herr Prof. Steinbach, die möglichen saudischen Interessen in diesem armen arabischen Land?

Steinbach: Ich glaube, was die Interessen Saudi-Arabiens betrifft, ist ziemlich klar, aus saudischer Perspektive. Die Saudis sehen sich von Instabilität umgeben, die verbinden sie mit dem Ausbruch des arabischen Frühlings. Wir wissen, dass sie 2011 in Bahrain interveniert haben,  um dort den Aufstand niederzuschlagen. Sie sind beunruhigt über das, was im Irak und  in Syrien geschieht. Jetzt sehen sie ein Fortschreiten der Destabilisierung des Jemens nach dem Sturz der Regierung von Saleh, das beunruhigt sie natürlich im hohen Maße. Sie fürchten, dass die Nachwehen dieses arabischen Frühlings, der arabischen Unruhen,  nach Saudi-Arabien hinüberkommen. Das Ganze hat dann eine besondere Facette, die für Saudis sehr signifikant ist. Sie sehen hinter einem Teil der Unruhen 2011 die Hand Irans. Das ist der Fall gewesen in Bahrain 2011. Da sind die Unruhen wesentlich von der schiitischen Mehrheit ausgegangen und sie sehen eben jetzt die Hand Irans im Jemen, hinter der Huthi-Bewegung. Genau das ist der Hintergrund, warum sie aus saudischer Perspektive es für notwendig halten, zu intervenieren, um diesen Aufstand niederzuschlagen, um die Huthi-Bewegung klein zu halten, um den iranischen Einfluss, so wie Saudis das sehen im Jemen, klein zu halten. Das ist der Hintergrund und natürlich finden sie da einige arabische Alliierte, da finden sie auch die Vereinigten Staaten. Insgesamt wird man sagen, dieses saudische Unternehmen vor dem Hintergrund, den ich eben skizziert habe, zum Scheitern verurteilt.

 

IRIB: Also, Sie meinen, aus Sorge vor eigenem Schicksal?

Steinbach: Ja, ausschließlich, denn das ist ja auch durch die Geschichte erkennbar, dass die Saudis Jemen irgendwie auch als einen Hinterhof betrachten, mit dem sie nicht so ganz zufrieden sind. Sie haben Anfang der 30er Jahre die Provinz "Assir" besetzt, damals noch unter dem Staatsgründer "Abdul-Aziz ibn Soud", war das jemenitisches Gebiet, das haben die Jemeniten nie wirklich akzeptiert. Die Grenzen zwischen Saudi-Arabien und Jemen sind offen. Dann erinnern wir uns an 1990/91, als damals Saddam Hussein Kuwait überfiel. Das war ein großer Teil der führenden Klasse im Jemen aufseiten Saddam Husseins, also gegen die Saudis. Das haben  die Saudis nie überwunden. Sie haben damals nach 1990 hunderttausende Jemenitische Arbeiter aus Saudi-Arabien ausgewiesen. Das soll nur illustrieren, dass Saudis das Schicksal Jemens nie gleichgültig sein kann, dass im Jemen sich die Dinge tun können, dass sich in saudischer Wahrnehmung negativ auf Saudi-Arabien auswirken. Das steht natürlich hinter der Entschlossenheit Saudi-Arabiens, jetzt etwas zu tun, was sie bisher nicht getan haben, nirgendswo getan haben, nämlich mit ganz hohem Profil militärisch zu intervenieren.         

 

IRIB: Aber die Beziehungen zwischen Jemen und Saudi-Arabien waren zumindest während der Saleh-Ära gut.

Steinbach: Das stimmt nur bedingt. Die Saudis und Saleh haben sich zwar wieder zusammengerafft. Saleh, ich wiederhole es noch einmal, stand damals 1990-91 aufseiten Saddam Husseins und hat ihn bei seiner Intervention in Kuwait unterstützt. Das war ein Tiefpunkt der Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Saleh. Aber, wie gesagt, man hat die Beziehungen wieder verbessert. Man hat, Saudi-Arabien hat,  am Ende eine Rolle gespielt, als Saleh abgelöst worden ist, im Jahr 2011. Er ist dann nach Saudi-Arabien gegangen, aber dann hat er ganz offensichtlich wieder einen Schwenk gemacht, als die Huthi-Bewegung 2014 an Dynamik gewann. Er hat ganz offensichtlich wohl mit dem Ziel, wieder an die Macht zu kommen, die Huthi-Bewegung unterstützt.  Also, ganz gradlinig ist das Verhältnis von Saleh und Saudis niemals gewesen.

 

IRIB: Herr Prof Steinbach, wo sehen Sie die Rolle der USA in diesem Krieg?  Denn Sie haben eben angedeutet, dass die Amerikaner die Saudis bei diesem Krieg unterstützen.

Steinbach:  Ich glaube, das tun sie nur halbherzig. Ich denke, die Amerikaner tun alles, oder tun vieles, um irgendwie doch zu verhindern, dass sich das Verhältnis Saudi-Arabiens und Huthis, Saudi-Arabien und Irans weiter zuspitzt.  Die Amerikaner sind gespalten: Auf der einen Seite müssen sie irgendwie doch an der Seite Saudi-Arabiens gesehen werden – die Saudis zweifeln ohnehin, dass die Amerikaner zuverlässige Verbündete sind -, auf der anderen Seite will sich Präsident Obama natürlich seine Iran-Politik von den Saudis nicht kaputt machen lassen. Diese Iran-Politik, die ja darauf gerichtet ist, doch irgendwo eine kontinuierliche Annäherung zwischen Washington und Teheran zustande zu bringen, irgendwie einen Deal zustande zu bringen, in der Atomfrage, auch  mit Blick auf Syrien, deswegen wäre ein hohes Profil der Amerikaner an der Seite Saudi-Arabiens ein politischer Fehler, der von Obama  nicht so begangen werden wird.  


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Das Interview führte Seyyed Hedayatollah Shahrokny

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