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Mittwoch, 08 April 2015 07:24

Interview mit Dr. Yavuz Özoguz

Interview mit Dr. Yavuz Özoguz
"… Nun ist es so, dass auch der Jemen in diese Befreiungstheorie eingestiegen ist und zwar nicht erst  gestern, sondern seit langer Zeit"

 

Ein Interview mit dem deutsch-türkischen Islam-Experten, Dr. Yavuz Özoguz über  Saudische Militärintervention in Jemen

IRIB: Herr Dr. Özoguz, ich darf Sie ganz herzlich begrüßen zu diesem Interview!

Özoguz: A Salam- u-Aleikum aus Deutschland!

 

IRIB: Herr Dr. Özoguz, seit Jahren wird Jemen von Unruhen heimgesucht. Der Konflikt im Jemen steht im Mittelpunkt politischer Berichterstattung. Bislang war er eine innenpolitische Angelegenheit. Nun mischt sich eine ausländische Macht, nämlich Saudi-Arabien, in diese Sache ein. Saudische Luftwaffe greift immer wieder Huthi-Stellungen in Sanaa und anderen Städten Jemens an. Was hat Saudi-Arabien zu diesem gefährlichen Akt veranlasst?

Özoguz: Ich glaube, es ist für uns immer wieder wichtig, dass wir niemals vergessen, dass solche Dinge nicht in einem zeitlosen Geschehen erfolgen, sondern in einem zeitlichen Kontext, den wir auch mehrmals angesprochen haben.  Wir müssen es trotzdem wiederholen und wir sehen, wie sich dieser zeitliche Kontext immer weiter verschärft.  Dieser zeitliche Kontext beginnt allerspätestens 1979 mit dem Sieg der Islamischen Revolution  im Iran. Seit dem gibt es eine Befreiungstheologie, die sich Stück für Stück unaufhaltsam gegen das Imperium dieser Welt ausbreitet. Es geht nicht   so schnell, wie sich viele Muslime wünschen würden. Aber, dass es unaufhaltsam ist, merken immer mehr Kräfte und Mächte dieser Welt.

Der Imperialismus  hat starke Schlagseite bekommen. Es gibt neue Achse: Europa-Asien, die sich immer weiter vom angelsächsisch-zionistischen Imperium abwendet. Die Welt ist in eine arge Schieflage  geraten. In dieser Situation ist die Islamische Republik Iran – geführt vom Imam Khamenei (hafezutollah) – die Quelle der Befreiungstheologie aller Völker – ich sage das ganz bewusst -, denn es geht hier nicht nur um die Muslime, die daran profitieren können, sondern natürlich auch um Länder Lateinamerikas.  Venezuela ist ein gutes Bespiel dafür, aber inzwischen auch die Europäer, die jüngst mit einem Brief vom Imam Khomeini(hafezutollah" beglückt wurde. Nun ist es so, dass auch der Jemen in diese Befreiungstheorie eingestiegen ist und zwar nicht erst  gestern, sondern seit langer Zeit. Wir haben dort eine Bewegung von den sog. Huthis, die sich selbst "Ansarullah nennen. Das sind mehrere Söhne von einem sehr gelehrten Vater, der seine Söhne zur Ausbildung in die Islamische Republik Iran, nach Ghom, schickte.  Der ältere dieser Brüder, Badradin, hat eine sehr starke Bewegung aufgebaut. Er hat die "Zaiditen" zur "Zwölften Schia" zurückgeführt. Das ist eine Art "Massenkonversion" im Jemen, von dem man in der westlichen Welt kein einziges Wort gehört hat. Dann haben die Geheimdienste die Gefahr dieses "Badradin" erkannt. Schon allein deswegen, dass er ein junger Anführer war. Das war ungewöhnlich für eine Stammesgesellschaft des Jemens, dass ein 30, 40-Jährige die Stämme von den Stammesältesten anführt. Und entsprechend haben sie  ihren alten Stadthalter, den Diener der USA, versucht, zu relativieren. Sie haben gleichzeitig diesen "Badradin" ermorden lassen. Als dieser badradin ermordet wurde, war die Anführung der Befreiungstheorie im Jahr 2004 dann kurzzeitig wieder an den Vater zurückgegangen. Aber der Vater war ziemlich alt und wusste, dass er nicht lange zu leben hat und entsprechend etwas getan, was noch  ungewöhnlicher war für diese Gesellschaft. Er hat seinen 23 jährigen Sohn zur obersten Führung etabliert und im Jahr 2005, also ein Jahr später, ist der Vater gestorben. Dann war der Sohn "Abdolmalik" Anführer dieser Befreiungsbewegung im Jemen. Menschen, die sich von den "Ziaditen" immer weiter zu der "Zwölften Schia" bewegen, eine Massenkonversion, die wir vielleicht in dieser Form nirgendwo sonst der Welt gesehen haben. Es wurde nicht viel darüber berichtet, um nicht zu sagen " gar nichts". Dieser Abdolmalik al-Huthi war eigentlich bis vor kurzer Zeit nicht bekannt. Erst als er militärische Erfolge erzielen konnte, gegen die imperialistischen Kräfte im eigenen Land, wachte man hier auf und berichtete darüber.


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Geführt wurde das Interview von Seyed Hedayatollah Shahrokny 

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