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Samstag, 01 März 2014 11:18

Interview mit Gerhard Wisnewski

Interview mit Gerhard Wisnewski
Ein Interview mit dem deutschen Journalist, Schriftsteller und Filmautor Herrn Gerhard Wisnewski über die Ereignisse in der Ukraine.

Was hier als Volksrevolution dargestellt wurde, war in Wirklichkeit ein vom Westen organisierter illegaler Putsch gegen die Regierung  der Ukraine.


 

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Gerhard Wisnewski :: Buch- und Filmautor 

Rundfunk: Herr Wisnewski, in der Ukraine ist Präsident Viktor Janukowitsch entmachtet worden und ein Haftbefehl ist sogar gegen ihn erlassen worden. Der Internationale Strafgerichtshof  in Den Haag ist aufgefordert worden, ihn verhaften zu lassen und wegen Völkermordes anzuklagen.

Haben die Ereignisse Sie überrascht?

 

Wisnewski: Mich hat eigentlich die Dreistigkeit überrascht, mit der hier also die Kräfte von außen auf die Ukrainer eingewirkt haben. Was hier als Volksrevolution dargestellt wurde, war in Wirklichkeit ein vom Westen organisierter illegaler Putsch gegen die Regierung  der Ukraine. Diese Dreistigkeit hat mich allerdings sehr überrascht.

 

Rundfunk: Was meinen Sie mit dem vom Westen organisierten Putsch?

Wisnewski: Es ist ja so, dass hier die Zentrale, das Nest, aller möglichen internationalen Stiftungen oder sogenannten Stiftungen, das sind Organisationen, die häufig von westlichen Konzernen getragen werden, wie zum Beispiel "Coca Cola" und andere, die hier die sogenannten Stiftungen organisieren und unterhalten, die sich immer um sogenannte demokratische Entwicklungen bemühen, demokratische Entwicklungen natürlich im Sinne des Westens. Darüber hinaus gibt es auch deutsche Stiftungen, wie Konrad-Adenauer-Stiftungen der CDU, und die hat wiederum diesen berühmten Revolutionärer Wladimir Klitschko unterstützt, so dass  man sagen kann, dass direkt von der deutschen Seite aus, von der Kanzlerin aus, der CDU-Vorsitzende, Umsturz in der Ukraine mitorganisiert oder unterstützt wurde.

 

Rundfunk: Heiß das, dass Deutschland eine so  entscheidende Rolle bei den Ereignissen in der Ukraine gespielt hat?

Wisnewski: Ich würde sagen, die erste, zweite oder die dritte Geige, aber auch die dritte Geige kann ja in dem Orchester wichtig sein. Die erste Geige haben sicherlich die USA gespielt, mit ihren Stiftungen vor Ort, wie sie auch schon vor zehn Jahren dort einen Umsturz, nämlich die sogenannte Orangenrevolution, organisiert haben.

 

Rundfunk: Es schien am vergangenen Freitag, als würde alles noch friedlich zu Ende gehen. Ein Abkommen wurde sogar unterstützt, die alte Verfassung wurde wieder eingeführt etc. Was hat zu dieser schnellen Wende geführt?

 

Wisnewski: Ich denke, dass die eskalierende Gewalt eine Rolle gespielt hat. Dummerweise weiß man nie so genau, wo genau diese Gewalt ihren Ausgang genommen hat. Ich spiele insbesondere auf die sogenannten Scharfschützen an. Denn das haben wir schon in vielen anderen sogenannten Revolutionen der letzten Jahre erlebt – also das ist keine Besonderheit der Ukraine, sondern auch in anderen Ländern – da traten plötzlich in diesem sogenannten Revolutionsprozess Dunkelmänner auf, die also scharf geschossen haben auf Demonstranten und damit natürlich dann das Tischtuch gerissen ist zwischen der Bevölkerung und der Regierung und eine enorme Energie wurde gegen die jeweilige Regierung aufgebracht. Aber wie gesagt, die Herkunft dieser Scharfschützen war also oft ungewiss.  

Rundfunk: Weiß man zumindest, wer Hintermänner sind?

Wisnewski: Mir scheint immer dieselbe Operation zu sein, also, dass man zivile Organisationen und Aufstände anzetteln lässt und wenn sich dann genügend Leute auf den Plätzen zusammengefunden haben, dann muss sozusagen in diesem Revolutionsdrama auch Tote geben in diesem Revolutionsdrehbuch und dafür sorgen dann gewisse Dunkelmänner, die von irgendwelchen Dächern herunterschießen.

 Rundfunk: Dem entmachteten Präsidenten Janokuwitsch wird  vorgeworfen, zu schnell aufgegeben zu haben. Hätte er hart  durchgreifen sollen?

Winsnewski: Die Frage ist nämlich, wieweit dann der jeweilige Präsident gehen soll mit gewaltsamen Maßnahmen gegen diese Umstürzler. Das heißt, das ist im Nachhinein und in der Situation selbst schwer zu beurteilen. Denn man muss ja bedenken, dass so eine Gewaltanwendung dann zu einer weiteren Eskalation und zu einem totalen Bürgerkrieg führen kann und da zieht jeder Präsident oder Machthaber die Grenze wahrscheinlich etwas anders.
 

Rundfunk: Russland hat hier kein klares Wort gesprochen. Heißt das, dass sich Russland damit abgefunden hat?

Wisnewski: Also, ich beobachte die Rolle Russland schon seit Jahren wie zum Beispiel in Revolutionsprozesen in Libyen und Syrien, wie sich Russland hier verhält, äußerst spannend und interessant. Mein Einduck ist, dass sich Russland erstaunlich diplomatisch und defensiv verhält, ganz im Gegensatz zum Westen, der  aggressiv, undiplomatisch und anklagend auftritt. Auf der anderen Seite kann sich Russland  eine diplomatische und defensive Haltung auf Dauer geopolitisch nicht unbedingt leisten. Wenn man das zum Beispiel mit einem Schachspiel vergleicht, jeder Schachspieler wird wissen, dass derjenige, der nur defensiv spielt, immer verlieren wird. Was man braucht auf einem geopolitischen Schachfeld, ist leider oft eine offensive Strategie. Also, hier wird man beobachten können und müssen und gespannt sein dürfen, wie sich Russland weiter verhält. Ob Russland irgendwann vielleicht entschiedenerauftritt, auftreten muss zwangsläufig!    


Rundfunk: Hat das Land, hat Russland, diese Möglichkeit?

Wisnewski: Natürlich hat Russland militärische Möglichkeit. Die Frage ist immer, ob und wann wird dieser ganze Konflikt, dieser Revolutionsprozess, die vom Westen gesteuerte Revolutionswalze auf einen militärischen Konflikt überspringen und überschlagen! Und das hängt davon ab, wann Russland an die Wand gedrückt wird, geopolitisch. Russland und China vielleicht. Iran muss ich vielleicht auch erwähnen, wann sie zusammen an die Wand gedrückt werden. Wenn ich also ein Tier immer mehr an die Wand drücke, wird es sich irgendwann auch mit Gewalt verteidigen müssen. Ich glaube, hier ist das genau das gleiche.
     

Rundfunk: Manche Experten warnen vor einer Spaltung der Ukraine. Ist diese Gefahr auch reell?

Wisnewski: Ja, ich glaube schon, dass die reell ist. Also, wenn der Westen nicht die ganze Ukraine bekommen kann, wird er gleich das westliche Stück herausreißen, während Russland das östliche Stück und die Krim verteidigen wird und verteidigen muss. Daher kann es sein, dass es so was gibt, wie eine Sollbruchstelle, damit der Konflikt vorrübergehend zur Ruhe kommt, aber der Westen wird nicht aufhören. Er wird immer weiter machen und schließlich versuchen, die gesamte Welt zu beherrschen.

Rundfunk: Ist das Endziel nicht etwa Russland? Wird also auch Russland eines Tages ins Visier genommen?

Wisnewski: Ja, ganz sicher. Also, die gesamte geopolitische Entwicklung, vor allen Dingen die Revolutionswalze, die ich vorhin erwähnt habe, zeigt ja nach Osten, hauptsächlich nach Osten, ob man hier Nordafrika nimmt, von Tunesien nach Syrien, oder ob man hier Europa nimmt, wo die Europäische Union sämtliche Länder zusammenrafft, sozusagend in Richtung Osten und die Ukraine soll der nächste Happen werdenl. Also, natürlich läuft alldas auf Russland zu, das ist gar keine Frage, das weißt auch Putin, deswegen nochmals die Bemerkung, dass Putin sich irgendwann entscheiden muss, ob und wann er militärische Mittel anwendet.  

Rundfunk: Welchen Weg  wird das Land gehen?

Wisnewski: Das ist eine gute Frage. Häufig kommen bei diesen westlichen Revolutionen gar  keine neuen oder keine besseren Regierungen heraus, wie es dem Volk erstmals versprochen wird, sondern oft haben wir " failed states", also gescheitere Staaten,  wie beispielsweise Ägypten, wo also permanentes Chaos herrscht, oder Libyen. Alle diese Revolutionsentwicklungen lassen häufig nur verbrannte Erde zurück, keine staatlichen Organisationen mehr, sondern failed states. Der russische Ministerpräsident Medwedew hat einmal erwähnt, dass das für  eine Regierung sein sollte in der Ukraine mit diesen maskierten Leuten. Da kann ihm nur zustimmen. Also, dort wird  keine seriöse oder ansprechbare Regierung entstehen. Ich glaube nicht, dass es für die Bevölkerung besser werden wird.


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 Das Interview wurde geführt von Seyed Hedayatollah Shahrokny

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