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Dienstag, 25 Februar 2014 15:29

Interview mit Willy Wimmer

Interview mit Willy Wimmer
  "… die Vereinigten Staaten haben sich in der ersten Hälfte der 90er Jahre offensichtlich genötigt gesehen, das politische, militärische und völkerrechtswidrige Faustrecht zu ihren Gunsten wieder einzuführen, weil sie offensichtlich – und da knüpfen sie an die englische Politik im 19. JH  an, bezogen auf Europa – ein Europa der Kooperation fürchten, wie der berühmte Teufel das berühmte Weiwasser" Ein Interview mit dem CDU-Politiker, Willy Wimmer, über die weltweit durch die angesächsischen Staaten angezettelten Konflikte und Kriege 
   

Rundfunk: Herr Wimmer, in vielen Regierungen der Welt herrschen Kriege und Konflikte, vom Nahen und Mittleren Osten bis hin zu Nord- und Zentralafrika, von Europa bis hin zu Lateinamerika. In allen diesen Konflikten und Kriegen ist eine Spur der angelsächsischen Staaten festzustellen. Die Rolle dieser Staaten ist jedoch nicht konstant geblieben, sondern stets den aktuellen Entwicklungen angepasst worden.  

Sie mit Ihrem Bekannten aus München schreiben gerade an einem Buch, das sich unter anderem mit diesem Thema befasst.

Bevor wir auf Details eingehen, möchte ich Sie darum bitten, uns über das Motiv zu Ihrem Buch    zu erzählen.

Wimmer: Herr Shahrokny, das ist sehr gut möglich, denn wir haben, wie Sie zu recht gesagt haben, eine Spur, die sich wieder über den Globus zieht. Wir können diese Spur auch am amerikanischen, aber vor allem am englischen, Verhalten festmachen. Wir waren mit der Wiedervereinigung Deutschlands der Auffassung, dass damit der große Konflikt in Europa beendet sei und man dazu übergehen könnte, nach den Modellen der KSZE und später OSZE, die in Europa vorhandenen Streitfragen friedlich beizulegen. Denn die waren nicht nur mit dem Zweiten Weltkrieg, sondern auch mit dem Ersten Weltkrieg, verbunden. Wir haben dann mit dem Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien sehen müssen, dass ein Europa, das auf den Frieden ausgerichtet sein sollte, nicht möglich war.   wir haben seither gesehen, dass sich die Spur des angelsächsischen Faustrechtes wirklich quer über den Globus  zieht und solange wir die Möglichkeit, uns zu diesen Erkenntnissen noch zu äußern, müssen wir das auch machen; denn wir sehen in diesem Jahr auch auf den Beginn des Ersten Weltkrieges zurück 1914. Wir können uns sehr wohl vorstellen, dass wir mit den Ereignissen, die wir alle kennen - seit dem Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien- auf dem  Pfad sind, der uns in einen weiteren größeren Konflikt münden lässt, mit allen unserem Tun und mit dem, was wir für richtig und für falsch halten.

Rundfunk: Auf welche Erkenntnisse sind Sie in Ihren Recherchen, in Ihrem Buch,  gestoßen?

Wimmer: Man versucht das ja, weil  es ja sonst keine Legitimation für ein solches Tun gibt. Wir haben im Zusammenhang mit dem Ende des kalten Krieges gesehen, dass an friedlichen Verhandlungen, die auf einer vertragsgemäßen Grundlage beruhen, oder die Verträge zum Ziel haben sollten, kein Weg vorbeigeht. Wir haben also mit dem Ende des kalten Kriegs  gesehen, dass wirkliche Erfolge eigentlich nur mit friedlichen Verhandlungen verbunden sind, die auch Abstand nehmen von Druck, der auf andere Staaten ausgeübt werden soll, weil das übrigens auch gegen das "Wiener Übereinkommen für diplomatische Verhandlungen" verstößt. Dieser Erfolg wäre auch für andere Konfliktfelder, mit denen wir zutun haben, möglich gewesen, aber die Vereinigten Staaten haben sich in der ersten Hälfte der 90er Jahre offensichtlich genötigt gesehen, das politische, militärische und völkerrechtswidrige Faustrecht zu ihren Gunsten wieder einzuführen, weil sie offensichtlich – und da knüpfen sie an die englische Politik im 19. JH  an, bezogen auf Europa – ein Europa der Kooperation fürchten, wie der berühmte Teufel das berühmte Weiwasser.  

Rundfunk: Her Wimmer, Sie schreiben in Ihrem Buch, England hat alles unternommen, um nach Napoleon ein Zusammenwirken(Heilige Allianz) und einen Ausgleich zwischen den kontinentalen Mächten zu verhindern, wie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion  die USA einen friedlichen Ausgleich über KSZE oder OSZE sabotiert haben. Sagen Sie uns bitte, wie Sie das meinen.

Wimmer: Die Vereinigten Staaten – und ich bedauere es sehr wegen der engen Kooperation, die über Jahrzehnte hinweg gegeben hat- haben sich entschieden, den Krieg nach Europa zurückzubringen. Ich kann mich gut daran erinnern, dass der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl  in der ersten Hälfte der 90er Jahre immer wieder davor gewarnt hat, dass der Krieg nach Europa zurückkommen könnte. Wir haben das damals in der Zeit der Euphorie nach dem Ende des kalten Kriegs vermutlich nicht so richtig wahrgenommen, was er immer wieder als Warnung geäußert hat.

Er hat recht mit dem Kriegsausbruch 1999 gegen die Bundesrepublik Jugoslawien und was sich seither in anderen Teilen des gemeinsamen Kontinents entwickelt hat. Das ist eine strategische Neuorientierung der Vereinigten Staaten gewesen und sie gipfelte ja auch in den veröffentlichten Dokumenten auf amerikanischer Seite, die Welt jederzeit mit Krieg  überziehen  zu können, wenn es im amerikanischen Interesse sei. Das war die britische Politik, die leider den europäischen Kontinent wesentlich bestimmt hat nach dem Krieg über Napoleon, als die europäischen Großmächte sich verständigt haben, wegen der riesigen Verwüstungen, die es in  Europa gegeben hatte, Konflikte nicht mehr in dieser Dimension vorstoßen zu lassen. Sie haben deshalb die "Heilige Allianz" geschaffen. Das war das große Verdienst des österreichischen Kanzlers Metternich und die Briten sind aus strategischen Gründen dieser "Heiligen Allianz" ferngeblieben, weil nichts für Großbritannien offensichtlich schlimmer gewesen ist, als eine friedliche Beilegung von Konflikten auf dem europäischen Kontinent. Die Briten haben den Krieg vorgezogen und haben ihn auch 1914 bekommen.  

Runddfunk: Was wir hier feststellen können, ist eine Änderung in der Vorgehensweise. Während die angesächsischen Staaten früher Änderungen durch direkte militärische Interventionen durchsetzen, tun sie das jetzt indirekt und zwar durch Stellvertreterkriege. Oder wie sehen Sie das?

Wimmer: Die angesächsischen Mächte - leider ist heute ja auch Frankreich auf diesem Kurs eingeschwenkt, sowohl in Syrien als auch in Libyen - haben ein dringendes Interesse daran, anderen Staaten  die Souveränität zu nehmen,  anderen Staaten die Möglichkeit zu nehmen, zu eigener Entwicklung zu kommen. Ich sage das ausdrücklich unter Bezug auf die Charta der Vereinten Nationen, dass die Staaten friedlich untereinander kooperieren müssen und dasss sie auch großen Wert darauf legen müssen, dass die inneren Verhältnisse friedensbezogen sind und dass die Menschenrechte geachtet werden. Wir sehen seit dem Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien, seit dem Krieg in Afghanistan, dem Krieg gegen den Irak, dem Krieg gegen Libyen das, was in Afrika und auch in anderen Teilen der Welt stattfindet, dass die angelsächsische Großmacht USA über die ganze Bandbreiten verfügt, mit denen man diese Ziele erreichen kann. Sie haben die kriegerischen Möglichkeiten, ich habe sie eben teilweise aufgezählt, die Staaten zu destabilisieren, wie das auf dem Balkan geschehen is, wie das durch die Organisation mit amerikanischer Unterstützung in Belgrad durch ... geschenen is, wo destablisierende Elemente in dem ganzen Gurtel zwischen China und Algerien ausgebildet worden sind. Und wir sehen natürlich derzeit auch in der Ukraine. Es gibt immer eine Reihe von Gründen, die zu solchen Konflikten führen. Aber wenn man sich heute die Ukraine ansieht, wenn man sich ansieht, was in Syrien gemacht worden ist, um die russische Föderation vom Süden her aufzurollen, dann kann man in Moskau nur den Eindruck haben, dass es demnächst auf den Moskauer Starßen so losgehen soll, wie es derzeit auf den Kiewer Starßen stattfindet. Ich sage das vor dem Hintergrund der Umstände, dass immer viele Gründe zu einer solchen Entwicklung führen. Aber die Vereinigten Staaten und Großbritannien haben die Figer drin.

  

 

                   Die Fortsetzung folgt                                                                          ... ...........................................

Das Interview wurde geführt von Seyyed-Hedayyatollah Shahrokny

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