Ein Interview mit dem deutsch-syrischen Nahostexperte, Jamal Karsli über die Ereignisse in Syrien.
Rundfunk: Herr Karsli, die Lage in Syrien eskaliert weiter und die Gefechte haben inzwischen die Hauptstadt Damaskus erreicht. Deshalb möchte ich Sie darum bitten, uns einen kurzen Überblick, über die aktuelle Lage in Syrien, zu geben.
Karsli: Ja, tatsächlich haben die Kämpfe jetzt das Zentrum von Damaskus erreicht. In mehreren Stadtteilen laufen jetzt zu dieser Stunde heftige Kämpfe und die Regierung versucht seit drei Tagen Damaskus ein bisschen von kämpfen, fernzuhalten. Bisher ist es ihr aber nicht gelungen. Sie versucht auch jetzt Armee durch die Medien zu zeigen. Damaskus ist nicht ruhig, jeder hört und sieht, wie heftig momentan gekämpft wird. Man ist jetzt weit weg von jeglicher politischen Lösung gekommen. Ich fürchte, dass die Lage in Syrien nur noch militärisch jetzt ist entschieden wird.
Ich denke, Assad und seine Leute haben sechzehn Monate Zeit gehabt, den politischen Weg zu nehmen, aber haben das nicht getan, und ich glaube, sie haben das Land jetzt in eine Lage gebracht, in der es noch Zerstörung und mehr Tote und Morde geben wird.
Rundfunk: Herr Karsli, für eine politische Lösung ist doch nie zu spät?
Karsli: Ja, das ist richtig, aber leider sagte ich, seit siebzehn Monaten wird richtig gekämpft und hat man jetzt das nicht eingesehen und wie Sie wissen, gibt es keine zentrale Entscheidung, beziehungsweise gibt es keine Gruppe, die allein über das weitere Vorgehen in Syrien entscheiden könnte. Auch die Regierungsseite ist nicht einig darüber, wie dort weiter gehen soll. Man weiß also nicht, wer überhaupt die Entscheidungskompetenz besitzt. Das gilt sowohl für die Regierung wie auch für die Opposition. Mit der Zeit schwingen mehr und mehr Chancen für eine politische Lösung. Es wird immer komplizierter, das alles überhaupt in Schach zu halten. Sie merken, dass sich die Kämpfe jetzt nicht nur Damaskus beschränken, sondern es gibt sie auch in Homs, in Hama, in ganzen Kreisen von vielen Städten, wenn das nicht permanent, aber sicherlich mit Unterbrechungen. Deshalb sieht man jeden Tag, dass für eine politische Lösung spät, dass nur noch die Möglichkeit einer militärischen Lösung bleibt. Das müssen, glaube ich, die verantworten im Land und grade Bashar Assad, belangt werden.
Rundfunk: Herr Karsli, am 30. Juni gab es eine internationale Syrien-Konferenz, bei der man sich auf das Ende der Gewalt geeinigt hat. Trotzdem halten die Kämpfe an.
Karsli: Ja, das ist nicht zum ersten Mal. Man hat sich zuvor mehrere Male auf ein Ende der Gewalt geeinigt, etwa auf der Ebene der Arabischen Liga, oder auf die Umsetzung des Annan-Plans. Die Regierungsseite hat nie ernsthaft Bemühungen unternommen, dass dieses Problem politisch gelöst wird. Damaskus setzte immer auf militärische Stärke. Deshalb haben mehrere Botschafter das sinkende Boot von Baschar al-Assad verlassen.
Zahl der Widerständler und Aufständischen aber auch Tote und Verletzte steigt täglich an und jeden Tag sterben mindestens hundert Leute, und deshalb hier gibt keinen Platz mehr für eine politische Lösung. Ich glaube, a die Bereitschaft zu einer politischen Lösung fehlt auf beiden Seiten. Ich habe keine große Hoffnung, dass sich die Konfliktparteien auf eine politische Lösung des Konflikts einlassen.
Rundfunk: Herr Karsli, hat Erfahrungen aus der Vergangenheit, dass selbst wenn die Lage wirklich schwierig war, dass wenn die Lage hoffnungslos schien, dass man doch eine politische Lösung gefunden hat.
Karsli: Nein, leider sehe ich dafür keinen Anhaltspunkt. I Ich habe in ihrer Sendung auch schon mal darauf hingewiesen, und mehrmals schon auch darauf hingedeutet. Man soll das nicht so weit treiben, dass sein oder nicht sein. Ich glaube, wir sind an einem Punkt angekommen, wo die Entscheidung nur noch auf dem Boden zu treffen ist, also wer stärker ist, wird er die Schlacht für sich entscheiden.
Der russische Außenminister Lawrow meint, viele Leute stünden noch hinter Bashar Al-Assad, das ist nicht der Fall, viele Leute haben Bashar Al-Assad bereits verlassen. Die Leute in Syrien haben bisher Angst gehabt, ihre Meinung zu äußern. Jetzt sagen sie ihre Meinung und ich glaube, das macht deutlich, dass Assad stark an Autorität eingebüßt hat, dass er geschwächt ist. Ich denke, es dauert nicht mehr lange, bis dort in Syrien alles entschieden ist.
................................................
Das Interview wurde geführt von Seyyed-Hedayatollah Shahrokny


