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Dienstag, 01 Mai 2012 12:44

interview mit Christoph Hörstel

 interview mit Christoph Hörstel
Diese militärischen Nachrichten stehen doch in gar keinem Zusammenhang mit erfreulichen Entwicklungen in Syrien und in den iranischen Verhandlungen.

Ein Interview mie dem Nahost-Experten und Buch-Autor, Christoph Hörstel, über  Truppenbewegungen in der Region.

Rundfunk: Nach Ende der letzten Gesprächsrunde zwischen der sogenannten „G+1“ und Iran in Istanbul entstand der Eindruck, man würde bald eine Einigung erzielen. Beide Seiten äußerten diesbezüglich Optimismus und vereinbarten deshalb einen Termin für eine weitere Gesprächsrunde. Zugleich erfuhr man über Truppenbewegungen an den iranischen Grenzen. Soll man weiterhin optimistisch bleiben, oder ist Pessimismus angesagt?

 

Hörstel: Lieber Herr Shahrokny, wir stehen mitten in ganz historischen und entscheidenden Zeiten. Nach meiner Meinung haben wir folgende militärische Nachrichten, die niemanden freuen können:  Russland verlegt Sondereinheiten nach Armenien und sagt, dass es nicht einen einzigen Kratzer dulden kann, wenn im Zuge eines möglichen Irankriegs Armenien verpassen könnte.

Die Türkei verlegt Truppen an die syrische Grenze. Ich will mal sagen, dass Syrien ja am 07. Mai die ersten freien Wahlen seit Jahrzehnten abhalten wird mit hunderten von UNO-Beobachtern und tausenden von anderen Beobachtern. Sie werden wahrscheinlich die bestüberwachten Wahlen auf dem Globus sein, trotzdem werden Truppen dorthin verlegt und trotz des Verfassungsreferendums vor zwei Monaten, das in Syrien erfolgreich verlaufen ist und die Ein-Parteienherrschaft  beendet hat. Wir haben auch noch die Erklärung Israels,  es habe nun das Training für seine Luftwaffe abgeschlossen. Und es heißt, man sei zum Schlag gegen Iran bereit. Diese militärischen Nachrichten stehen doch im gar keinen Zusammenhang mit erfreulichen Entwicklungen im Syrien und den iranischen Verhandlungen. Das heißt, wenn wir noch weiter Dinge betrachten, dann kommen wir plötzlich in alarmierende Stimmung. Ich sage einmal, die letzte Verhandlungsrunde im Frühjahr, als ja plötzlich von der Atombehörde in Wien die Delegation zurückgerufen wurde, obwohl in der Frage einer möglichen Besichtigung des militärischen Komplexes „Parchin, zu der Iran gar nicht verpflichtet ist und trotzdem entgegenkam, und man anfing, sich positiv zu verständigen, nach welchen Kriterien eine solche Besichtigung erfolgen soll, zack mussten die Damen und Herren zurück und es hieß dazu, es sei erfolglos verlaufen.

Ich habe fast den Eindruck gehabt, dass man auf der westlichen Seite die Angst hat, die Delegation  könnte noch mit einem positiven Ergebnis nach Hause kommen. Aber die Behandlung der Frage in den westlichen Medien vermittelte den Eindruck, als habe Iran sich etwas zu Schulden kommen lassen, was nicht nur nicht der Fall war, sondern in Wahrheit war der Iran weiter entgegengekommen, als eigentlich musste. Unter diesen Umständen ist es klar, der Iran hat keine Hoheit über die Berichterstattung   der Verhandlungen. Der Westen kann gegenüber seiner Bevölkerung ungestört alles behaupten, was da verhandelt worden sei. Insofern ist gar nicht interessant, ob der Iran entgegenkommt. Für die Kriegsfrage ist nur interessant, was die westlichen Menschen Glauben gemacht bekommen durch die lügenhafte Medien-Propaganda an der Seite der Nato-Regierungen und ihre verbrecherische Kriegspolitik seit Jahrzehnten, das sind die bedrohlichen Dinge. Ich bin aber deswegen kein bisschen pessimistisch, dazu kriegt mich niemand. Aber ich sage ganz klar, hier reicht die Wachsamkeit nicht mehr. Die guten Kräfte, die es gibt, der Iran, Russland, müssen jetzt ganz neu überlegen, ob sie nicht radikal ihre Öffentlichkeitsarbeit intensivieren, damit sich die westlichen Bevölkerungen rund um Belange ihrer Regierungen und ihrer  hiesigen Medien tatsächlich nicht in einen Krieg hineinstreuen lassen von ihren Regierungen, obwohl die Verhandlungen an allen Punkten  und Entwicklungen in Syrien positiv verlaufen,  Das ist die ganz ernste Bedrohung, der jetzt noch begegnet werden kann. Dann ist aber keine Zeit zu verlieren.   

 

Rundfunk: Sie haben ein paar Punkte genannt, deren Zusammenhang ich nicht verstehen kann. Sie sagten Russland verlegt Sondereinheiten nach Armenien und die Türkei an die Grenze zu Syrien. "

Hörstel: Wir wollen noch einmal ganz kurz zurück auf die westlichen Sandkastenspiele zur Planung der Aggressionen gegen den Iran schauen. Man glaubt im Westen, dass es wichtig sei, einen Regierungswechsel in Syrien durchzuführen. Daran wird gearbeitet. Wir haben also beobachtet, dass die gesamte syrische Aufstandsbewegung absolut von außen gesteuert und hervorgerufen worden ist. Nur durch den Einmarsch tausender Söldner über die syrische Grenze hinweg - ein kriegerischer Akt an sich, der eigentlich von der UNO hätte sanktioniert werden müssen, nur dadurch konnte diese Unruhe entstehen. Jetzt haben wir eine hochdemokratische Entwicklung, doch ganz offensichtlich will die Türkei gar nicht abwarten, ob die Wahlen positiven verlaufen, sondern man bereitet sich auf eine kriegerische Entwicklung vor, trotz der wirklich demokratischen, nicht nur westlich demokratischen, Entwicklungen in Syrien. Hier soll gar nicht abgewartet werden, ob sich Konflikte und Schwierigkeiten vernünftig für die Menschen lösen lassen. Auf jeden Fall wird Aggression durch den Westen vorbereitet nach einer Sandkastenlogik, dass man den Iran angriffssicherer macht, indem vorher Syrien ausgeschaltet wird, so wie früher beim Angriff auf eine Burg diese zuerst eingekreist und in der Umgebung alle Dörfer und Vorposten abgeräumt wurden. Das sind alles dumme Gedanken, aber Klugheit war in den letzten Jahrzehnten nie die Stärke des Westens, fürchte ich.

Rundfunk: Wenden wir uns noch ein Mal dem Konflikt mit dem Iran zu. Medien berichteten, dass die USA eigentlich einen Krieg gegen den Iran nicht wollten, aber israelische Minister, insbesondere der Premier Netanjahu und sein Verteidigungsminister Ehud Barak, scheinen fest entschlossen zu sein, das aus ihrer Sicht bestehende Sicherheitsrisiko auszuschalten, indem sie den Iran angreifen. Aber wie sie wissen, wird ein Krieg ohne grünes Licht aus den USA nicht möglich sein.

Hörstel: Sie haben völlig recht, solch ein Krieg ohne Unterstützung der USA wird nicht stattfinden. Es wird hier in den Medien propagandistisch verbreitet, Israel könnte sich politisch unabhängig machen, aber darüber mögen aus meiner Sicht nur politisch unbewanderte Menschen nachdenken. Das Problem liegt deshalb bei den USA. Israel mauert sich ein - eine zwei Kilometer lange Mauer zum Libanon wurde begonnen, ebenso nach Ägypten. Gut wäre aber im Gegenteil, sich mit allen Völkern rundherum freundlich zu stellen, friedlich Handel zu treiben und einen Interessenausgleich zu suchen. Aber was Israel macht, ist, durch seine Aggressivität intensiv an der Unsicherheit seiner Bevölkerung zu arbeiten. Das ist außerordentlich bedauerlich und wird sich in der Geschichte einfach rächen müssen. Das kann nicht gut gehen – und mir ist schleierhaft, wie es möglich ist, Israel von diesem Wahnsinn abzuhalten. Nicht Mauern helfen, sondern Frieden und Freundschaft zu suchen, das weiß jedes Kind. Aber der andere Punkt ist viel ernster: Dass durch das unsolide, gierige und hochkorrupte Wirtschaften der westlichen Länder, insbesondere der USA und der 17 Euro-Länder, eine gewaltige Finanzkrise auf uns zu rollt. Die US-Amerikaner brauchen pro Tag 6 Mrd. Dollar zusätzliche Investitionen in den Dollar, damit die Währung nicht zusammenbricht. Das gelingt praktisch nur durch Aggression, indem sie Ölströme vereinnahmen oder durch künstliche Verknappung von Ölströmen in Dollar gehandeltes Öl verteuern. Und sie bedrohen praktisch jedes Land mit Krieg, das sich aus dem Ölhandel mit Dollar zurückziehen will, wie Iran das tut und was Gaddafi vorhatte. Dadurch kommen die USA in eine Finanznot, die in sich das größte Kriegsrisiko birgt, das man sich historisch vorstellen kann. Europa hat ebenso in den ersten drei Monaten dieses Jahres eine Billion Euro an jede bettelnde Bank ausgegeben durch die EZB, an welcher ja alle Steuerzahler beteiligt sind. Eine furchtbare Geschichte der 17-er Gruppe. Allein Deutschland hat 214 Mrd. zugesagt und soll weitere 20 Mrd. als ESM-Beteiligung auf den Tisch legen, und der Bundespräsident Gauck wird in den nächsten Wochen einen absolut diktatorischen, undemokratischen und rechtswidrigen ESM-Vertrag unterschreiben. Der Crash steht kurz bevor, denn die eine Billion ist schon ausgegeben, und Europa braucht dringend weiteres Geld. Griechenland befindet sich mitten im Kollaps, Spanien steht kurz davor, selbst Frankreich ist schwer angeschlagen. Es steht zu befürchten, dass die USA dem Gedanken verfallen sind, sich aus dieser Krise nur durch einen Krieg vor dem Absturz ihrer internationalen Finanzmacht befreien können. Davor fürchtet man sich in Moskau genauso wie bei allen friedliebenden Menschen auf der Welt.

Rundfunk: Ist das alles der Weltöffentlichkeit bewusst und wissen die westlichen Bevölkerungen, welche Aggressionen bevor stehen?

Hörstel: Nein, leider überhaupt nicht. Das gewaltige Problem ist, dass man sich hier in Deutschland auf dem Wissensstand der Regierungskräfte und führenden Organisationen bewegt, aber die Menschen auf der Straße keinen blassen Schimmer haben, was hier eigentlich passiert. Daher habe ich in meinem letzten Interview dringend darum gebeten, dass „Press TV“ weiter zugänglich bleibt. Zum Glück verstärken die Russen ihre Präsenzen von „Russia Today“, dem englisch-sprachigen Fernsehen, das eine wichtige Funktion in der Medienwelt übernommen hat. Doch das allein reicht überhaupt nicht aus, denn wir brauchen regelrechte PR-Kampagnen, um dieses verbrecherische und geradezu rundfunkgesetzwidrige Defizit an Wissen über die tatsächlichen Verhältnisse in der Politik wieder auszugleichen. Davon sind wir ganz weit entfernt."

Rundfunk: Was ist daher zu tun?

Hörstel: Ich glaube, dass die Staaten, die sich von der NATO nicht unterdrücken lassen wollen - Russland, China, BRICS - Medienkampagnen starten müssen, die solche Tatsachen zeigen, die von den anderen Medien verschwiegen werden. Glauben Sie mir, in unseren Ländern herrscht doch die nackte Angst und ich höre ständig: "Ich weiß nicht, was da los ist, aber ich habe ein verdammt mieses Gefühl". Die Menschen sehen diese ungeheuren Zahlen, die nach Europa gepumpt werden, obwohl es niemanden gibt, der sagen kann, das ist jetzt die letzte Zahlung. Seit einem Jahr wird das gesagt, doch es nimmt kein Ende. Solche PR-Anstrengungen der friedliebenden Länder würden offene Türen einrennen, wenn es glaubwürdig ist, denn unglaubwürdig sind unsere eigenen Medien bereits.

Rundfunk: Wie kann das geschehen?

Hörstel: Ganz entscheidend wäre, dass man einfach und ruhig belegbare Tatsachen aufzeigt. Es ist so, dass vieles in unseren Zeitungen steht, nur wird nicht ermöglicht, daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Es fehlen den Menschen die Kommentatoren, denen sie vertrauen. Meine Arbeit besteht momentan sehr weitgehend in solchen Bemühungen – und sie sind jetzt so erfolgreich wie in meinem ganzen Leben vorher nicht. Das zeigt, dass die Menschen bereit sind, zuzuhören und sich eigene Gedanken zu machen unabhängig von den Verlautbarungen der Regierungen, denen ohnehin keiner mehr glaubt. Nach meiner letzten Syrienreise konnte ich auf 50 google-Seiten nachvollziehen, dass 100-e Webseiten meine Berichterstattung übernommen haben und das mache ich immerhin als Hartz-4 Empfänger. Wenn man also nur ein Promille der Gelder in die Hand nehmen wollte, die die USA für ihre Propagandamaßnahmen ausgeben, dann wäre der Erfolg nicht nur gewiss, er könnte auch den Frieden retten.

Rundfunk: Herr Hörstel, vielen Dank für Ihre Einschätzung!


Christoph R. Hörstel
Managing Director
 
Hörstel Networks
Government & Business Consulting
 
PO Box 600707
14407 Potsdam
 
Twitter @hoerstelc
 
 

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Das Interview wurde geführt von Seyyed-Hedayatollah Shahrokny

 

      

 

            

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