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Dienstag, 10 April 2012 07:49

interview mit Christoph Hörstel

interview mit Christoph Hörstel
Israel hat Atombombe und Iran wird lediglich beschuldigt, an der Entwicklung von Atombombe zu arbeiten, trotzdem gibt es dieses aggressive Verhalten gegen den Iran und niemals wird irgendein Iraner zu diesem Thema befragt.

Ein Interview mie dem Nahost-Experten und Buch-Autor, Christoph Hörstel, über Verbotsgründe des iranischen Fernsehsender`Press TV`.

Rundfunk: Dem englischsprachigen Fernsehsender „Press TV“ wurde weitere Tätigkeit in Deutschland untersagt. Zuvor hatte London einen ähnlichen Schritt gegen diesen iranischen Sender eingeleitet. Sie sind unter anderem journalistisch tätig, deshalb möchte ich Sie als Journalist fragen, wie Sie diesen Schritt bewerten?

 

Hörstel: Das ist meiner Ansicht nach aus mehreren Gründen ein ganz verheerender Schritt. Aber es ist auch ein Schritt, der Ausrufezeichen gibt für die Zukunft. Die verheerenden Punkte sind rasch aufgezählt: Wir haben in Deutschland eine politisch inzwischen ziemlich bewusste Bevölkerung, die, in größeren Teilen als man denkt, politisch aufgewacht ist und den hiesigen Medien nicht mehr traut. Wir haben eine Situation, in der eben gerade auch Fernsehen nicht mehr verlässlich ist. Die Größeren, für die ich selbst gearbeitet habe, die ARD-Tagesschau oder auch ZDF, sind inzwischen einfach Propaganda-Truppen an der Seite der Nato-Aggression geworden. Das ist sehr traurig. Wir hören, wenn Iran beschuldigt wird, niemals eine iranische Stimme, auf gar keinen Fall. Wir haben jetzt den alten Schriftsteller, Günter Grass, um ihn nur als Beispiel zu nehmen, der mit 84 Jahren ein Gedicht verfasst hat, in dem er sagt, dass er sich von Israels Atomwaffen bedroht fühlt. Was da für eine Medienmacht gegen diesen Nobelpreisträger und bekannten deutschen Dichter losschlägt, das ist ungeheuerlich. Israel hat die Atombombe und Iran wird lediglich beschuldigt, an der Entwicklung der Atombombe zu arbeiten; trotzdem gibt es dieses aggressive Verhalten gegen den Iran und niemals wird irgendein Iraner zu diesem Thema befragt. Es ist jedoch eine Grundregel des Journalismus, die andere Seite zu befragen. Und jetzt komme ich zu „Press TV“. Warum wird so ein Sender  abgeschaltet? Und da kann ich Ihnen sagen, so leid das mir auch als Deutscher tut: „Press TV“ hat in der Vergangenheit vielfach deutlich seriöser berichtet als unsere eigenen Medien und damit ist Press TV ganz klar ein Faktor im kritischen Bewusstsein der deutschen Bevölkerung. Das ist gar keine Frage. Die Leute gucken dahin. Meine Hoffnung ist eigentlich, dass die iranische Seite ihre internationalen Medienanstrengungen klar verstärkt, weil das sicherlich deutlich billiger ist als z.B. ein Krieg oder die Bekämpfung westlichen und israelischen Terrors in Teherans Straßen. Wir haben eine Konfliktsituation, in der gegen den Iran nicht nur gehetzt wird, sondern unter dem Tisch auch mit Geheimoperationen vorgegangen wird. Und das sollen die Leute hier nicht sehen. Und da kommen wir allmählich zu dem Ausrufezeichen, von dem ich eben gesprochen habe: Ich sehe hier keine Sanktion gegen den Iran, sondern ich sehe hier tatsächlich den integralen Bestandteil einer aggressiven Strategie, die sich äußern kann im verstärkten Terror gegen den Iran. Und so wie jetzt, nach dem Scheitern eher militärischer Auseinandersetzungen in Syrien, erleben wir dort einen Aufschwung des Terrors mit kleinen Banden. Man wird vermutlich in der Zukunft auch gegen den Iran in dieser Form stärker tätig werden. Und das ist natürlich ganz wichtig, dass das iranische Fernsehen die Bilder ziviler Opfer, unschuldiger Opfer, Anschläge auf iranische Wissenschaftler oder - wie es einmal geschah - auf einen Richter oder Anschläge der CIA-organisierten Terrorgruppe aus Pakistan namens „Dschundullah“, nicht in Europa ausstrahlt. Das sind Dinge, die da stattfinden, und um Gottes Willen möchte man nicht, dass irgendwer hier in Europa Mitleid mit den Menschen im Iran bekommt und deswegen wird so ein Sender abgedreht.

 

Rundfunk: Was sind die vorgegebenen Verbotsgründe?

 

Hörstel: Die vorgegebenen Verbotsgründe sind technischer Art. Also, hier in Deutschland war das die Landesmedienanstalt Bayern. Ich habe mit einem Freund am Telefon gewitzelt, dass man den Chef eigentlich zum Faschisten des Jahres erklären müsste. Da hat man gesagt, die hätten keine Lizenz dafür und das ginge ja gar nicht. Also, einfach technische Fragen. Natürlich hat man nicht inhaltlich operiert, obwohl es sich um einen nackten Akt der Zensur handelt, völlig klar. Man kann nun – weiß Gott – nicht behaupten, dass Press TV in irgendeiner Form platt oder banal oder journalistisch schwach berichtete, oder propagandistisch tätig wäre. Press TV hat immer Tatsachen gebracht. Ich habe verschiedentlich kritische Berichte von Press TV, also schriftliche, untersucht und festgestellt, dass man sehr seriös vorgegangen ist, Quellenbeurteilung und Quellenbefassung waren vollkommen korrekt. Ich wünschte mir eine solche Korrektheit in meinem eigenen ehemaligen Sender, der ARD oder im ZDF oder in vielen anderen Medien hier in Deutschland. Press TV interviewt auch Kritiker des Irans ganz anders als unsere Medien, die inzwischen eher wenig auf die tatsächlichen Kritiker eingehen, die es gibt, glaubwürdige Kritiker unseres Systems. Also, das Vorschieben technischer Gründe mag sozusagen von Erfolg gekrönt sein. Man hatte den Satellitenbetreiber „Astra TV“ unter Beschuss genommen und die mussten dann abstellen, aber das Ganze ist ein rein politischer Akt.

 

Rundfunk: Was bedeutet dieses Verbot für die viel gepriesene und durch das GG garantierte Pressefreiheit in Deutschland?

 

Hörstel: Das ist das traurige Fazit – Herr Shahrokny – es handelt sich um einen eindeutigen Akt gegen eben jene Pressefreiheit.

Es handelt sich hier auch nicht um – wie ich vorhin gesagt habe – einen feindlichen Hetzsender, oder jemand, der Lüge verbreitet, um einen Propaganda-Punkt seiner Regierung zu machen. Denn das ist unsere Politik, wir haben solche Hetzsender und strahlen in alle Welt. Die Amerikaner haben das. Die Deutschen tun das; Gott sei Dank nicht so krass, aber sie tun es auch. Unsere Sender verbreiten im Inland Hetze gegen den Iran und gegen andere auch, so dass ich sehr oft in meinen Veröffentlichungen schon von Kriegshetze gesprochen habe. Ich habe gesagt, das ist eigentlich strafbar, das müsste bestraft werden, was wir hier machen. Diese ganzen Dinge zusammengefasst, kommen jetzt für mich zu einem einsamen Höhepunkt, nämlich dem Verbot eines seriösen ausländischen Senders in einer absurden Hetze- und Aggressionssituation gegen den Iran. Mich hat das Ganze – ehrlich gesagt – richtig schockiert. Das kann keinen Demokraten kalt lassen, wenn solche Dinge passieren.

 

Rundfunk: Was bleibt für die iranische Seite zu tun?

 

Hörstel: Das ist meine inständige Bitte an den Iran: Lassen Sie die Menschen in Deutschland, in GB und überall nicht allein. Es werden weitere Verbote noch kommen, da bin ich einigermaßen sicher. Suchen Sie alle denkbaren Wege, um ihre Sendungen auszuweiten, da finden Sie andere Satelliten, verbessern Sie die Qualität, gehen Sie ins Internet, das ist im Moment noch schwer zu zensieren, obwohl daran erkennbar gearbeitet wird. Also, wir haben einen Medienkrieg. Ich will noch einmal ganz kurz erinnern an das, was ich immer über die Nato gesagt habe: Die Nato ist ein blutrünstiger Papiertiger, mörderisch. Was ist das mörderische Element? Das wissen wir, das weiß man auch im Iran, das sind die militärischen Überfälle und die fadenscheinigen Begründungen ganzer Banden, das sind natürlich die Terroranschläge überall. Aber der Papiertiger, das ist eine ganz klare Geschichte: Das liegt daran, dass auf der Grundlage eines ganzen orchestrierten, geplanten Lügenkonzerts die Bevölkerungen in den westlichen Ländern ruhig gehalten werden können, wenn diese durchsichtigen Aggressionen passieren.

Und deswegen ist es so wichtig, die Medienhoheit der Nato-freundlichen Sender und Medien zu zerstören. Und automatisch wäre die Kriegsfähigkeit der Nato so schwer beeinträchtigt, dass wir nicht mehr Angst um die Rettung des Friedens haben müssen. Insofern kommt den iranischen Medien eine Riesenbedeutung zu. Die kann man eigentlich gar nicht unterschätzen. Es wäre hoch wichtig, auf alle Fälle, irgendwie weiter zu senden, gar keine Frage.

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Das Interview wurde geführt von Seyyed-Hedayatollah Shahrokny

 

      

 

            

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