Mittwoch, 04 Januar 2012 13:47

Interview mit Shraga Elam

Ein Interview mit dem jüdischen Buchautor, Shraga Elam, über Nahostgespräche in Amman.

Rundfunk: Heute wollen Vertreter Israels und der palästinensischen Autonomiebehörde in der jordanischen Hauptstadt über eine Friedensregelung sprechen. Das ist bereits der 2. Versuch innerhalb von wenigen Tagen. Angesichts der Tatsache, dass die beiden Seiten auf ihrem alten Standpunkt beharren, stellt sich die Frage, was der Sinn dieser Verhandlungen ist?

Elam: Wie Sie in Ihrer Frage angedeutet haben, werden dort kaum Fortschritte erwartet. Der Konflikt wird von beiden Konfliktparteien unterschiedlich bewertet und gesehen. Was man weiß, ist, dass beide Seiten, also sowohl die Palästinenser als auch die Israels, aus unterschiedlichen Motiven eine Verbesserung ihrer in der letzten Zeit sehr angespannten Beziehungen anstreben. Man will also ein klein bisschen Versöhnung. Aber man darf keine allzu große Hoffnung an diese Gespräche knüpfen.

Rundfunk: Die beiden Palästinenserorganisationen „Hamas“ und „Fatah“ haben jüngst ihre seit einigen Jahren bestehenden Streitigkeiten beigelegt und sich zudem darauf geeinigt, den Konflikt mit Israel in beiderseitigem Einvernehmen anzugehen. Wird dieser Alleingang der Autonomiebehörde nicht der gemeinsamen palästinensischen Sache schaden?

Elam: Ich bin ohnehin der Auffassung, dass diese Verhandlungen keine Zukunft haben, mit oder ohne Hamas. Die Autonomiebehörde glaubt, hass Hamas ihre Handlungen unterstützt. Wenn dem so ist, dann würden Vertreter der Autonomiebehörde bei Verhandlungen mit Israelis auch im Namen von Hamas sprechen. Hamas lehnt Gespräche mit Israel ab, und es ist ihr auch unbequem, dass die palästinensische Autonomiebehörde auch in ihrem Namen spricht und verhandelt.

Bei diesen Gesprächen spielen auch finanzielle Anreize sicherlich eine Rolle. Also, solange die Palästinenser mit Israelis im Gespräch sind, werden sie finanziell unterstützt. Und die Palästinenser sind auf die finanzielle Unterstützung anderer Länder sehr angewiesen, solange sie keine vernünftige Wirtschaftspolitik haben. Ihre Wirtschaftspolitik ist miserabel, ein Großteil des Geldes, das sie aus dem Ausland bekommen, wird einfach verschwendet, dennoch ist das für sie sehr wichtig, um die anfallenden Aufwendungen zu bezahlen.

Also, Hamas sagte zwar offiziell die Teilnahme an Gesprächen ab, ist aber irgendwie darin involviert. Bei Hamas ist einen Widerspruch zwischen Parolen und Realpolitik leicht festzustellen.

Diese Politik war bei Einigung mit Israel über einen Gefangenaustausch sehr deutlich, wo der israelische Soldat „Shalit“ gegen etwa 1000 Palästinenser ausgetauscht wurde.

Ich denke, sowohl Israelis als auch die Palästinenser sind an kosmetischen Gesprächen interessiert. Hamas würden ernsthafte Probleme bekommen, falls sie mit Israel verhandeln würde. Das Gleiche gilt auch für die israelische Seite: Würde Benjamin Netanjahu zu große Konzessionen gegenüber den Palästinensern machen, so würde er auf heftige Kritik in eigener Reihe stoßen. Die Leute, die Netanjahu rechts stehen, lehnen jede Art von Konzessionen an die Palästinenser ab. Also, da besteht eine unmögliche Situation.

Rundfunk: Sie sagten vorhin, die Verhandlungen würden nichts bringen mit oder ohne „Hamas“. Was hat Sie so pessimistische gestimmt?

Elam: Ich meine nicht, dass Verhandlungen nutzlos sind. Sie tragen vielleicht etwa atmosphärisch, quasi zur Verwaltung von Status quo bei. Ich wollte nur andeuten, dass die beiden Seiten nicht in der Lage sind, echte und weitreichende Konzessionen zu machen.

Ich glaube, beide Seiten wollen eine bessere Atmosphäre, zum Beispiel, die Hamas will die Aufhebung der Gaza-Blockade sowie die Verbesserung der Handelsbeziehungen. Das sind keine Schritte, die keines Abkommens bedürfen.

Rundfunk: Also, was halten Sie dann von israel-palästinensischen Verhandlungen?

Elam: Ich bin aus verschiedenen Gründen nicht zuversichtlich, dass Verhandlungen ernsthafte Fortschritte bringen. Ich habe in mehreren Interviews mit Ihnen gesagt, dass ich gegen eine sog. „Zwei-Staaten-Lösung“ bin, weil sie unrealistisch. Denn sie ist eigentlich nicht die Lösung des Konflikts. Sie entspricht nicht der Realität, sie entspricht den Willen der beiden Seiten. Man muss nach anderen Alternativen schauen.

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Das Interview würde geführt von Seyyed Hedayatollah Shahrokny

 

Medien

Kommentare   

 
0 #2 Tagore 2012-01-07 16:48
Also wirklich, nur schwer auszuhalten dieses Interview. Aussage etwa: "Ja, wissen sie, Israel hat ja nun weltweit viele Menschen gesammelt, die unter dem Versprechen viele Vorteile zu haben in Israel und viele sind auch nach Israel gekommen. Nun ist das Boot übervoll, was ja auch so die Absicht war, auch weil Israel ja von einem Großisrael träumt. Und diese bewusst selbsterzeugte Problematik müssen wir uns stellen und daher haben die Palästinenser nichts zu sagen, werden nie etwas zu sagen haben und bleiben unten... und daher müssen wir uns dieser Realität stellen..."

Superklasse der Mann, destruktiver kann man ja gar nicht mehr sein!
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+1 #1 Tagore 2012-01-07 16:48
Also wirklich, nur schwer auszuhalten dieses Interview. Aussage etwa: "Ja, wissen sie, Israel hat ja nun weltweit viele Menschen gesammelt, die unter dem Versprechen viele Vorteile zu haben in Israel und viele sind auch nach Israel gekommen. Nun ist das Boot übervoll, was ja auch so die Absicht war, auch weil Israel ja von einem Großisrael träumt. Und diese bewusst selbsterzeugte Problematik müssen wir uns stellen und daher haben die Palästinenser nichts zu sagen, werden nie etwas zu sagen haben und bleiben unten... und daher müssen wir uns dieser Realität stellen..."

Superklasse der Mann, destruktiver kann man ja gar nicht mehr sein!
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