Rundfunk: Herr Hörstel, Sie recherchieren seit langem über Terrorgruppen, darunter auch die Terrorgruppe Djundullah. Die erste Frage an Sie: Was sind die Ergebnisse Ihrer Recherchen?
Hörstel: Wir haben verschiedene Aktivitäten der USA im Bereich Terror seit vielen Jahren, genau gesagt seit 1974, als afghanische Widerständler in Pakistan ausgebildet wurden, um Anschläge in Afghanistan zu begehen – einige davon sind alte Freunde von mir, ich bin tief bewandert in diesem System, nicht, dass mich das freut, aber so ist es – und ein Teil der Aktivitäten ist auch die Gründung und die finanzielle, waffenmäßige Ausrüstung und auch das Training für eine Gruppe, die im belutschischen Gebiet Pakistans arbeitet, namens Djundullah. Diese Gruppe begeht nicht nur Anschläge im iranischen Gebiet, sie wurde auch sicherlich nicht ohne Anweisung der CIA, die für dieses Gebiet zuständig ist und auch die Djundullah trainiert, anleitet und ausrüstet, angewiesen, sich gegen die Präsenz chinesischer Ingenieure in der Hafenstadt Guadar zu wenden, sie hat dort mehrere Bombenanschläge verübt, China hat daraufhin die Präsenz seiner Ingenieure von 300 auf ungefähr 17 heruntergefahren, die inzwischen dort mit einem verdreifachten Sicherungsring umgeben sind, und nicht mehr wie in früheren Jahren frei in der Stadt Guadar leben und arbeiten und die Restaurants besuchen. Die Chinesen haben ihre Aktivitäten für diesen Ölhafen heruntergefahren – eine strategische Entscheidung für China aufgrund des amerikanischen Drucks. Das nur, um zu zeigen, dass solche Terroraktivitäten klare machtpolitische Ambitionen haben. Und wenn man mit Djundullah gegen den Iran vorgeht, dann macht man das immer, um entscheidende Ziele zu treffen, z. B. eben auch die innere Sicherheit so zu destabilisieren, dass das Volk unruhig und mit der Regierung unzufrieden wird.
Rundfunk: Sie sagten, dass die USA entscheidende Ziele in Iran verfolgen und deshalb benutzen sie auch Terrorgruppen wie Djundullah. Aber welches Interesse könnten die USA daran haben?
Hörstel: Es gibt drei parallel nebeneinander liegende Ziele, aber eine besondere Dringlichkeit hat zweifelsohne, gerade auf der Vorbreitung jetzt für dieses Gespräch hab ich das noch einmal Im Originell nachlesen dürfen, die Bekämpfung des berechtigen iranischen Atomprogramms. Hier geht es auf jeden Fall um verschieden Punkte: Einer davon ist, dass man eben auch durch Ermordung von Atomwissenschaftlern dazu beiträgt, dass sich das Programm verzögert. Dies ist offiziell erklärte Politik. Wir müssen das uns nun vernünftig vorstellen, wenn der Chef des britischen MI6 offen erklärt, dass man auch mit solchen Operationen das Atomprogramm verzögern müsse, und dies ist die erste und bislang die einzige öffentliche Erklärung dieses Geheimdienstchefs, dann können wir uns unbedingt vorstellen, wie ungeheuer hoch die Wichtigkeit sein muss, die dies in der britischen und amerikanischen Politik hat, das Thema Verhinderung oder Verzögerung des iranischen Atomprogramms. Damit ist auch vollkommen klar, dass natürlich keine Mühe, keine Kosten, kein Aufwand überhaupt gescheut werden, um diese Ziele zu erreichen, mit welchen Methoden auch immer, blutig natürlich und Terror auf jeden Fall.
Rundfunk: Sie haben mal geschrieben, dass die USA Terrormanagement betreiben. Können Sie erläutern, wie Sie das meinen?
Hörstel: Wir haben ein System, in dem die USA mit Terrorfragen umgehen. Ich habe Anfang 2006, als die Bundeswehr mich engagierte, für die Unterrichtung ausgewählter Führungskräfte der deutschen Bundeswehr für den Afghanistan-Einsatz, also Isaf-Kontingent, darüber nachgedacht, wie kann man diese Terroraktivitäten des Westens eigentlich benennen, um einen wissenschaftlichen Begriff zu finden. Und dann bin ich auf Terrormanagement gekommen und habe das so definiert, dass man eben Terrorkräfte erstmal durch Training , durch Schulung, durch ideologische Schulung großzieht, dann auch ausrüstet, dann im militärischen Sinne fachlich, und auch im terroristischen praktischen fachlich trainiert, also Bomben legen, mit Waffen umgehen, oder sich verstecken in Städten oder so etwas, und dann eben auch dafür sorgt, dass die Anschläge, die dort begangen werden, sich gegen die Ziele richten, die man selbst auch im Auge hat, und dass man auch im Übrigen versucht, eigene Sicherheitskräfte, wie in Afghanistan, davon abzuhalten, dieses System im Kern anzugreifen. Also, um das genau zu formulieren, man möchte z. B. unbedingt verhindern, dass irgendein eifriger Oberleutnant der amerikanischen Armee den Osama Bin Laden festnimmt. Dies wäre sehr schädlich für diese Art von Terrormanagement und wir wissen aus der New York Times vom 7. Juli 2007, dass der damalige Verteidigungsminister Rumsfeld in einem persönlichen Dekret eine Ergreifungsaktion für die Nummer "2" von al-Kaida, Ayman al-Zawahiri, persönlich verhindert hat, in der letzten Sekunde. Das sind Dinge, die eben stattfinden und Terrormanagement heißt also, dass man eine riesige international, weltweit, operierende Terrorszene in vielen verschiedenen Ländern so führt, dass die den eigenen Machtzielen am meisten dienen. Und was dazu besonders schädlich ist, ist natürlich, dass wir inzwischen nachgewiesen haben, dass Terroranschläge wie z. B. in London oder in Madrid 2005 und 2004, Anschläge waren, die ohne die westlichen geheimdienstlichen Involvierungen nicht möglich sind. Bei London ist es ganz klar, aber auch bei Madrid sage ich nur z. B., von 11 Terrorbeteiligten waren 5 Polizeispitzel; das zeigt ganz deutlich hier bei Terrormanagement Anzüge. Und das genau passiert auch im Iran. Wenn hier also Anschläge begangen werden, kann man in alle allermeisten Fällen, ich würde sagen sehr hoch, 90%, 95%, davon ausgehen – das ist deswegen eine Standardreaktion bei mir – das war niemand von den Iranern selbst. Das kommt aus dem Ausland und das kommt mit dem Ziel, iranischen Staat maximal zu beschädigen.
Rundfunk: Mit der Trainierung der Terroristen, oder der künftigen Terroristen läuft man nicht Gefahr, wie man auch jetzt in Afghanistan feststellen kann, dass diese Terroristen zurückschlagen auf diejenigen, die sie trainiert haben, z. B. jetzt auf die USA?
Hörstel: Genau, das ist natürlich ein wichtiges Thema, dass das Terrormanagement alleine ja nur eine Geheimdienstoperation ist und nicht sicherstellen kann, dass man von den Konsequenzen einer falschen Politik beschützt wird. Wir sehen, dass die USA seit vielen Jahren in der Region, nicht nur in Afghanistan, und Pakistan und auch natürlich gegen den Iran, eine falsche Politik betreiben und die Früchte dieser falschen Politik ernten sie. In Afghanistan sind sie unsinnigerweise mit ihren Truppen eingefallen und sie bekommen jetzt dafür vom afghanischen Volk auch eine Quittung. Aber das heißt nicht unbedingt, dass das Terrormanagementsystem falsch läuft, sondern das heißt nur, dass die Militärpolitik am Boden schlecht läuft. Und in Pakistan weiß man auch, was passiert. Wir haben so viele Drohnenangriffe, in wenigen Monaten hat Obama sehr viele Drohnenraketenabschüsse auf Zivilisten organisieren und durchführen lassen, als Bush in mehreren Jahren. Das sind Eskalationen, die wir eindeutig sehen und wir sehen auch, seitdem Obama am Ruder ist, eine Häufung der Bombenattentate. Auch hier wurde ganz offenbar intensiviert. Und da kann man auch eben klar sagen – wenn ich bei Ihrer Frage bleibe – auch im Iran läuft das jetzt gegen die USA: Die Bevölkerung im Iran ist nicht so dumm, das nicht zu merken, dass dies das amerikanische Interesse ist, wenn es doch in den westlichen Medien so steht.
Rundfunk: Und wie wird diese Geschichte in der Weltöffentlichkeit wahrgenommen?
Hörstel: Das ist eine interessante Sache, weil Sie Weltöffentlichkeit sagen. In der Weltöffentlichkeit bin ich mir klar, wird das sehr unangenehm vermerkt, und dem Westen vorgehalten und der Nato vorgehalten – mit Recht vorgehalten. Aber wir haben in der Nato- internen Öffentlichkeit – also in der Bevölkerung der Nato-Länder – eine ganz eindeutig große Fehlinformation. Sehr selten schreiben unsere Medien offen über unsere Terroranstrebungen mit dem Iran. Und in meiner Medienanalyse – ich war ja 14 Jahre Journalist im öffentlich-rechtlichen System hier in Deutschland – kann ich nur sagen, das wird bewusst so gesteuert, dass die Bevölkerung durch kleinere Informationen darauf vorbreitet wird, dass so etwas erfolgt, und sie werden durch schlechte Nachrichten, durch gefälschte Propagandanachrichten über den Iran rechtzeitig so vorbereitet, dass sie solche Ankündigungen einer Bombenpolitik oder einer Terrorpolitik nur dann als in Ordnung befindet. Das ist der Versuch der Regierungen, wobei sich eben klar zeigt, dass sich eine immer noch in der Minderheit befindliche, aber wachsende Bevölkerung unzufrieden zeigt mit der politischen Ausrichtung insgesamt, auch in der Außenpolitik, auch im gewaltsamen Teil, und kritisiert zunehmend die gewaltsame Politik, auch im Iran z. B. mit Bomben. Das passiert, also die Vorbereitung ist nicht perfekt, sie ist jedoch eindeutig da und dass wir einen Unterschied haben. In der ganzen Welt werden solche Terroranschläge natürlich verurteilt und im Westen wird hier mit zweierlei Maß gemessen – das ist ja auch nicht das erste Mal: Und da sagt man, es gibt sozusagen gute Terroranschläge – das sind die gegen den Iran – und es gibt schlechte Terroranschläge, das sind die gegen uns.
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Das interview führte Seyyed Hedayatollah Shahrokny




Kommentare
vielen Dank für die klaren und wahren Worte bezüglich dieses wichtigen Themas. Mit so wenigen Worten so viel zu sagen, das ist schon eine besondere Begabung und zeigt den Profi und vor allem, den wirklichen Menschen. Vielen Dank!
Siehe auch:
http://www.youtube.com/watch?v=e-KJCMWcoms&NR=1
und
http://www.youtube.com/watch?v=MouUJNG8f2k
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