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Montag, 22 November 2010 14:30

Interview mit Prof. Wolfgang Huber

Interview mit  Prof. Wolfgang Huber
Interview mit Prof. Wolfgang Huber, dem früheren EDK-Ratsvorsitzenden, über seine Iran-Reise.

Rundfunk: Herr Professor Huber, Sie sind ein deutscher evangelischer Theologe, bekleideten bis November 2009 das Amt des Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und war von November 2003 bis Oktober 2009 als Nachfolger von Manfred Kock Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Zunächst möchte ich Sie darum bitten, mich zu korrigieren, wenn ich Sie nicht korrekt vorgestellt  habe.

Huber: Nein, Sie haben alles vollkommen korrekt dargestellt. Ich bin 16 Jahrelang Bischof in Berlin gewesen, in dem spannendsten Ort, den es in Deutschland überhaupt gibt, und ich habe 12 Jahre davon gleichzeitig dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschaland(EKD) angehört, die 24 Millionen evangelische Christen vertritt und sechs von diesen zwölf Jahren bin ich Vorsitzender des Rats der EKD gewesen und hatte deswegen die deutschen Protestanten auch in der deutschen Öffentlichkeit und manchmal auch über Deutschland hinaus zu vertreten.

Rundfunk: Sie halten sich derzeit im Iran auf. Was sind hier ihre Reiseziele?

Huber: Wir leben in einer Zeit, in der der Dialog zwischen den großen Weltreligionen eine zentrale Thematik ist und eines der Megathemen des 21. Jahrhunderts. Es ist vollkommen klar, dass der Islam im Iran für die Gesamtsituation des Islams eine entscheidende Rolle spielt. Ich weiß nicht, ob man das sich im Iran selbst immer klarmacht, dass das, was sich hier entwickelt, die Atmosphäre, in der auch die europäischen Länder, der Dialog zwischen Christen und Muslimen, aber auch der Dialog der säkularen Teile der Gesellschaft mit dem Islam vonstatten geht, prägt, und deswegen ist das sehr wichtig zu wissen, wie die Islamische Republik Iran nun mit der Zukunft des Islams umgeht, welches Verhältnis sie zur religiösen Pluralität in unserer Welt, aber auch im eigenen Land pflegt. Also, aus Zukunftsverantwortung heraus finde ich das Gespräch mit dem Iran außerordentlich spannend und ich bin sehr froh darüber, dass wir in zwei Universitäten in Teheran, in der Teheraner Universität und in der "Imam Sadiq-Universität", außerordentlich gehaltvolle Gespräche gehabt haben. Ich hatte das Privileg, in beiden Universitäten über die Religion im 21. Jahrhundert und über das Verhältnis zwischen der pluralistischen Gesellschaft und der Renaissance der Religiösen zu reden. Ich war besonders froh darüber, dass es daraufhin ein sehr lebhaftes Echo und eine sehr in Grundsätzliches gehende Diskussion mit sehr guten Gesprächspartnern gegeben hat.  Das unterschiedliche Verhältnis zur gesellschaftlichen Pluralität, das in Europa herrscht, das im Iran herrscht, war deutlich zu spüren. Und wir haben verabredet, dass wir diese Themen auch weiter verfolgen werden. Ich hoffe sehr, dass es gelingt, dass in Deutschland unter der Verantwortung der "Stiftung Schloss Neuhardenberg" eines Tages dazu eine Konferenz stattfinden wird. Denn ich bin in diesen Tagen hier im Iran gewesen nicht in meiner früheren Funktion, sondern zusammen mit dem Geschäftsführer der Stiftung Schloss Neuhardenberg, Bernd Kaufmann, als Kuratoriumsmitglied dieser Stiftung.

Rundfunk: Sie haben vorhin von Unterschieden bezüglich des Verhältnisses zur gesellschaftlichen Pluralität gesprochen. Wenn ich hier nachhacken darf, was sind das für Unterschiede?

Huber: Der wichtigste Unterschied besteht natürlich darin, - das haben wir auch gestern diskutiert – dass in Deutschland, ich will jetzt nicht von allen europäischen Ländern sprechen, die staatliche Ordnung, das Grundgesetz unseres Staates, darauf beruht ist, dass die Religionsfreiheit aller Bürgerinnen und Bürger in gleicher Weise beachtet wird und dass der Staat deswegen religiös neutral ist und sich nicht mit einer Religion identifiziert. Das schießt übrigens nicht aus, dass der Staat Religion fördert. Das ist der Fall, das nennen wir in Deutschland "fördernde Neutralität des Staates", während – wie Sie besser wissen als ich – wir uns in einer islamischen Republik befinden, in der sich der Staat also mit einer Religion in ganz besonderer Weise identifiziert, und dass natürlich für die Stellung anderer Religionen, die im Iran auch in einer deutlichen Minderheitssituation sind, auch entsprechende Auswirkungen hat, weil islamische Verhaltensweisen, religiös bestimmte Verhaltensweisen von daher auch beispielsweise das öffentliche Leben prägen und deswegen die Angehörigen anderer Religionen verpflichtet sind in dieser Hinsicht, sich islamisch religiös bestimmte Verhaltensweisen zu eigen zu machen. Das ist ein ganz deutlicher Unterschied und ich glaube, es ist hilfsreich, wenn man das miteinander bespricht, wenn man darüber miteinander ins Gespräch kommt.

Rundfunk: Herr Professor Huber, aus Zeitgründern kann ich nur noch eine Frage an Sie stellen: Sie sagte, dass Sie eine Reihe von Gesprächen mit Iranern gehabt haben. Welche Eindrücke haben Sie dabei gewonnen?

Huber: Also, ich würde niemals am 2. Tag meines Besuchs in einem Land, in dem ich mich zum ersten Mal in meinem Leben befinde, allgemeine Urteile über Menschen fällen und deswegen kann ich nur etwas sagen mit Blick auf diese Eindrücke, insbesondere in den beiden Universitäten, die von großer Freundlichkeit, großer Höfflichkeit und großer Aufmerksamkeit geprägt gewesen sind. Ich bin sowieso ein Mensch, der ganz große Hoffnungen auf die junge Generation setzt und deswegen war ich sehr froh darüber, dass diese meine Hoffnung sich in den Gesichtern der jungen Leute gespiegelt haben, die ich dort getroffen habe. Ich bin darüber hinaus der Auffassung, dass die intellektuellen Menschen das Privileg haben, akademisch zu arbeiten, auch eine ganz besondere Verantwortung für die Gesellschaft haben, in der sie leben. Und deswegen war ich sehr froh, dass die Wissenschaftler und die akademischen Lehrer, die wir getroffen haben, ganz erkennbar diese Verantwortung auch wahrnehmen. Ich hoffe, dass das für die Zukunft des Irans viel Gutes bedeutet.

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Das Interview führte  seyed Hedayatollah shahrokny

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