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Donnerstag, 19 August 2010 07:49

Prof.Dr. Mohssen Massarrat

 Prof.Dr. Mohssen Massarrat
Der CIA-Putsch im Iran
 Der Westen hat immer noch nicht begriffen, dass die Demokratisierung nicht von außen möglich ist, sondern jede Intervention von außen blockiert Demokratisierungsprozesse.Ein Interview mit dem Politik-Wissenschaftler, Prof. Mohssen Massarrat.

Rundfunk: Nach dem Ende des 2. Weltkriegs zogen die Franzosen und Briten nach und nach aus dem Nahen Osten zurück und die arabischen Länder wurden unabhängig. Im Iran übte aber die britische Regierung weiterhin ihren Einfluss aus. Wie erklären Sie es?

Massarrat: Großbritannien war gerade noch die Hegemonialmacht weltweit. GB wollte seine Position an strategischen Stanpunkten im mittleren Osten wegen seines Einflusses auf die Ölreserven nicht ganz aus der Hand geben. London beharrten darauf, die Kontrolle über die "Iranian National Oil Campany" auszuüben. Iran war natürlich dagegen, deshalb kam es Anfang der 50er Jahre zu einem großen Streit zwischen der iranischen und britischen Regierung.

Rundfunk: 1951 wurde die iranische Ölgesellschaft verstaatlicht. Daraufhin begangen die Briten den Kauf des iranischen Öls zu boykottieren. Die USA schlossen sich dieser Maßnahme der Briten an. Bald kaufte keine der großen internationalen Ölfirmen mehr das iranische Öl. Die wirtschaftliche Lage im Iran verschlechterte sich rapide, tausende Arbeiter wurden arbeitslos und Unruhen brachen aus. Was bezweckte England und die USA mit diesen Boykottmaßnahmen?

Massarrat: Der Boykott des iranischen Öls hat über die Vernichtung von Arbeitsplätzen - und das war viel wichtiger – die Regierung von Dr. Mossadiq, der Antreiber der Verstaatlichung des iranischen Öls, in eine Finanzkrise gestürzt. Die Iraner solidarisierten sich dann mit Dr.Mossadiq, sie kauften die von der Regierung Mossadiq angebotenen Staatsanleihen, um ihr im Kampf gegen den Kolonialismus beizustehen. Denn sie waren davon überzeugt, dass jetzt das Ende des Kolonialismus eingetreten ist. Die Völker der Region einschließlich des iranischen Volkes wollten keine ausländische Intervention mehr, sie wollten selbst über ihre Ölreserven entscheiden. Die Iraner wollten, dass ihr Öl, wie Mossadiq sagte, zu gerechten Preisen verkaufen. Es bildet sich eine riesige Bewegung. Diese Bewegung erfasste bald die ganze Regierung. Daraus entwickelte sich in der Region eine Welle von Umstürzen gegen die britisch-amerikanisch-freundlichen Herrscher. In Ägypten zum Bespiel entstand eine Bewegung für die Nationalisierung des Suez-Kanals. Das war im Prinzip der Ausgangspunkt von Umwälzungen im gesamten Nahen und Mittleren Osten.

Rundfunk: Am 19. August 1953 nach dem Tot von einigen Hundert Protestlern stürzte das Militär den Premierminister Mossadiq und der amerikanisch-freundliche König, der zuvor aus dem Land ins Exil geflüchtet war, kehrte zurück und bestieg den Thron. Die "Washington Post" schrieb damals dazu: Der Iran sei von der kommunistischen Machtübernahme bewahrt worden. Was meinen Sie zu diesem Satz?

Massarrat: Dieser Satz ist manipuliert, unwahr und katastrophal. Er charakterisiert den westlichen Blick einschließlich der USA auf die Region. Er erinnert mich an derartige Behauptungen während des kalten Kriegs. Jeder Versuch, das nationale Interesse wahrzunehmen, wurde als kommunistische Unterwanderung dargestellt mit dem Ziel, die westliche Öffentlichkeit irrezuführen, oder Interventionen für einen Putsch zu legitimieren und zu rechtfertigen. Ich sehe durchaus Parallele zu dem gegenwärtigen Atomkonflikt mit dem Iran. Der Westen behauptet, vom islamischen Fundamentalismus bedroht zu sein, deshalb müsste sich Teheran dem Diktat des Westens beugen. Das bedeutet, wenn es nach dem Westen ginge, müsste Iran alle seine Atomaktivitäten einstellen. Ob Atomenergie eine richtige Energiequelle ist, das ist eine andere Frage, darüber kann man sich streiten. Der Westen stellt es als ein unüberwindbares durch den Iran verursachtes Problem dar. Das reflektiert meiner Meinung nach den bekannten Kulturkampf, einen Kampf zwischen zwei Kulturen, nämlich zwischen der islamischen und der westlichen Kultur. Hinzukommet das israelische Atomproblem. Israel ist das einzige Land im Nahost, das über atomare Sprengköpfe verfügt. Man will, dass der atomare Vorsprung Israels weiter bestehen bleibt. Die Situation von heute ist genau wie die von vor etwa 60 Jahren. Damals waren die Kommunisten, die für alles, was auf der Welt geschah, verantwortlich gemacht wurden, heute sind "Islamisten". Hinter diesen Beiden Geschichten steht ein Ziel, nämlich der Vormachtstellung der westlichen Staaten beizubehalten. Auf diese Art und Weise versucht der Westen, weiterhin über Öl- und Gasreserven der Region zu kontrollieren. Dabei wird Iran als ein Hindernis gesehen.

Rundfunk: Welche Rolle spielte die CIA beim Putsch von 1953 im Iran?

Massarrat: Was inzwischen unbestritten ist, ist, dass die CIA an der Vorbereitung und Durchführung des Putschs von 1953 beteiligt war. Zuvor wurde die demokratisch gewählte Regierung von Mossadiq durch Boykotmaßnahmen geschwächt. Die Gesellschaft war gespalten. Es war für die CIA ein leichtes Spiel, Mossadiq zu stürzen. Dieser Putsch hat auch regionale Auswirkungen: Demokratisierungsprozesses stießen auf Schwierigkeiten. Man beobachtete dann, dass die USA und GB versuchten, ihre Bastionen in der Region beizubehalten und sich militärischweiter aufzurüsten. Dadurch sollte die damalige Sowjetunion eingegrenzt, eingekreist werden. Das sind alles dunkle Momente in der Weltgeschichte. Genau die Politik hat de demokratischen Entwicklungen im Mittleren und Nahen Osten bis heute nachhaltig beschädigt. Wir sehen seitdem Kriege und Terrorismus in der Region. Wir sehen seitdem das Interesse an der Entwicklung von Atomwaffen. Ich glaube, dass alle diese Entwicklungen auf den Putsch von 1953 zurückzuführen sind.

Rundfunk: Jetzt 57 Jahre danach sind die USA wieder am Werk, um das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Haben die USA aus der Geschichte nicht gelernt?

Massarrat: Man kann die Entwicklungen von damals mit denen von heute nicht vergleichen. Damals ging es in der Tat um eine nationale Bewegung im Interesse des Landes, um die nationale Souveränität und die ökonomische und technologische Unabhängigkeit. Heute geht es meiner Ansicht nach in erster Linie um eine kulturelle Auseinandersetzungen zwischen zwei großen Zivilisationen, nämlich dem Islam und dem Christentum. Aber Sie haben Recht, der Westen hat aus der Geschichte nicht gelernt. Er begreift immer noch nicht, dass das Zeitalter des Kolonialismus, der ökonomischen Vorherrschaft und der einseitigen Nutzung der Ressourcen vorbei ist. Er hat immer noch nicht begriffen, dass die Demokratisierung nicht von außen möglich ist, sondern jede Intervention von außen blockiert Demokratisierungsprozesse.

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Das Interview wurde geführt von Seyyed-Hedayatollah Shahrokny

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