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Mittwoch, 11 April 2012 06:20

Tausende gegen Krieg

Tausende gegen Krieg
  Ostermärsche in 80 Orten: Afghanistan-Einsatz und Rüstungsexporte in der Kritik. Auch Aktionen an AKW-Standorten. Veranstalter mit Beteiligung zufrieden Von Max Eckart   Teilnehmer des Ostermarsches in Bremen am Samstag Foto: dapd Die Friedensbewegung hat am Wochenende mit rund 80 Ostermärschen Flagge gezeigt. An den Kundgebungen und Demon­strationen beteiligten sich insgesamt mehrere tausend Menschen – das waren weniger als in den Jahren davor. Eine Erklärung neben der kalten Witterung liefert der Wegfall des Mobilisierungsmagneten »Bombodrom«. Nach ihrem Erfolg im jahrelangen Kampf gegen die Nutzung des ehemaligen Truppenübungsplatzes als Bombenabwurfplatz hatte die Bürgerinitiative »Freie Heide« dieses Mal nicht zum Ostermarsch aufgerufen.Gleichwohl zeigten sich die gro­ßen Organisationen der Friedensbewegung mit der Beteiligung zufrieden. »Wenn Tausende Menschen bei eisigen Temperaturen, Regen, Hagel und Schnee überall im Land auf die Straße gehen, dann muss es ihnen Ernst sein mit ihrem Anliegen«, sagte Peter Strutynski, der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag.Inhaltliche Klammer der diesjährigen Ostermärsche war die Forderung nach einem Abzug der westlichen Truppen aus Afghanistan. Dieser Krieg müsse umgehend beendet werden. Das versprochene Abzugsdatum Ende 2014 bedeute – wenn es denn überhaupt eingehalten werde – weitere zwei Jahre grausamen Krieg, unter dem hauptsächlich die Zivilbevölkerung leiden müsse.Zudem verlangten die Demon­stranten den Stopp aller Rüstungsexporte. Viele Kundgebungsredner hoben hervor, dass Deutschland in die Spitzengruppe der größten Waffenexporteure der Welt aufgestiegen und somit verantwortlich für die Versorgung der halben Welt mit todbringenden Waffen ist.Vielfach gingen die Ostermarschierer auch auf das israelkritische Gedicht von Günter Grass und die Reaktionen darauf ein. »Grass hat recht«, hieß es auf Transparenten. »Nicht Günter Grass gehört an den Pranger, sondern diejenigen Politiker, die weiterhin an der Eskalationsschraube im Nahen und Mittleren Osten drehen, indem sie den Iran mit Wirtschaftssanktionen immer mehr in die Enge treiben«, erklärte der Bundesausschuss Friedensratschlag. Im Konflikt um das iranische Atomprogramm gebe es nicht den Schurken Ahmadinedschad auf der einen und friedfertige Staaten auf der anderen Seite. »Dass Israel über 250 einsetzbare Atomsprengköpfe besitzt, dem Atomwaffensperrvertrag nicht beigetreten ist, keinerlei internationale Kontrollen über seine Atomanlagen zulässt und zudem offen das Für und Wider eines Präventivkriegs gegen Iran diskutiert, sind Tatsachen, die Günter Grass auf seine Weise ins rechte Licht gerückt hat.«Das Netzwerk Friedenskooperative bezeichnete das von der israelischen Regierung ausgesprochene Einreiseverbot für den Schriftsteller als unsouveräne Reaktion. Damit werde auch jede Möglichkeit ausgeschlossen, dass der Literaturnobelpreisträger sich etwa von Universitäten organisierten Streitgesprächen in Israel stellen könnte.Vielfach setzten die örtlichen Veranstalter eigene Schwerpunkte. In Berlin umzingelten Demonstranten mit einem rund 600 Meter langen Transparent die US-amerikanische Botschaft in Solidarität mit Mumia Abu-Jamal und verlangten ein Ende der Todesstrafenpraxis. Beim Leipziger Ostermarsch protestierten sie gegen die Nutzung des Flughafens für Kriegseinsätze, im thüringischen Ohrdruf verlangten sie die Auflösung des Truppenübungsplatzes. Friedensinitiativen aus dem Rhein-Main-Gebiet forderten die Schließung des US-Headquarters in Wiesbaden. Atomanlagen waren ebenfalls Ziele von Ostermärschen. Im westfälischen Gronau blockierten Atomkraftgegner eine Zufahrt zur Urananreicherungsanlage. Vor dem AKW Brokdorf zogen Umweltschützer zu einer Mahnwache auf. Auch am Forschungszentrum Jülich und am Atommüllager Asse gab es Protestaktionen.(jw)  

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