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Mittwoch, 13 Januar 2010 15:00

Israel brüskiert Botschafter der Türkei

Israel hat eklatant gegen diplomatische Grundregeln verstossen. Wegen der Ausstrahlung des TV-Films "Das Tal der Wölfe" wurde der türkische Botschafter Ahmet Oguz CELIKKOL in Israel erneut ins israelische Außenministerium einbestellt und vor laufenden TV-Kameras "gemaßregelt".

Israel wehrt sich gegen die Fortsetzung dieser Sendung des türkischen Staatsfernsehens, weil sie "Hass gegen Israel" auslösen würde. Der Film zeigt israelische Soldaten, die türkischen Kinder entführen und auch als Mörder palästinensischer Kinder darstellen. Bereits Mitte Oktober 2009 war es zu einem Protest der israelischen Regierung gekommen. Damals empfing jedoch Aussenminister Avigdor LIEBERMANN persönlich den türkischen Botschafter - unter Ausschluß der Öffentlichkeit, wie es im zwischenstaatlichen Verkehr in der internationalen Diplomatie üblich ist.


Nach der ersten Ausstrahlung der Hetzserie hatte Aussenminister Lieberman erklärt, die türkische TV-Serie habe nichts mit der Wirklichkeit zu tun und wäre selbst in einem verfeindeten Land unangebracht. Das gelte umso mehr für ein Land, das diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalte.

Dieses Mal wurde der türkische Botschafter vor laufenden TV-Kameras "brüskiert", wie Zeugen dieses Vorfalls und Korrespondenten berichten. Das diplomatische Corps reagierte zum Teil empört auf die völlig unprotokollarischen Usancen bei einer Botschafter-Einbestellung ins Aussenamt des Gastlandes,

Nicht Liebermann, sondern der Vize-Aussenminister Israels Danny AYALON, empfing den türkischen Botschafter am 11.01.. Clemens VERENKOTTE vom ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv weist darauf hin, dass die Einbestellung eines akkreditierten Botschafters auch in Israel normalerweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit in den Amtsräumen des israelischen Außenamtes stattfindet. Auf ausdrückliche Anordnung von Außenminister Avigdor LIEBERMANN durfte das Gespräch jedoch vom israelischen Fernsehen aufgenommen und gesendet werden.

So zeigte das israelische Fernsehen, wie Botschafter Ahmet Oguz CELIKKOL im Fokus der TV-Kameras vor der geschlossenen Bürotür des stellvertretenden Außenministers Danny AYALON warten musste. Weiter zitiert der ARD-Korrespondent einen TV-Reporter des israelischen Fernsehens: "Der türkische Botschafter wartet vor dem Zimmer und die Kameras filmen. Das ist kein Zufall." In einer Beratung zwischen Ayalon, Liebermann und hohen Beamten des Außenministerums habe man beschlossen, "die Handschuhe auszuziehen und entschieden, aggressiv auf eine weitere Ausstrahlung einer antisemitischen und anti-israelischen Serie zu reagieren, die Mossad-Agenten zeigt, die Babys entführen und Kriegsverbrechen begehen", so der Reporter.

Weiter berichtet die ARD, schließlich wurde der Vertreter der Türkei ins Arbeitszimmer des Vize-Aussenministers gebeten und aufgefordert, auf einem niedrigen Sofa Platz zu nehmen. "Ihm gegenüber sitzen - auf höheren Stühlen - Ayalon und zwei hohe Beamte des israelischen Außenministeriums. Auf dem schmalen Beratungstisch steht nur die israelische Flagge. Ayalon wendet sich dann an die Kamerateams und macht sie auf die symbolträchige Anordnung der Unterredung aufmerksam: ‘Hauptsache man sieht, dass er tief sitzt und wir hoch und dass nur eine Flagge da ist. Und ihr seht, dass wir nicht lächeln', so der stellvertretende Außenminister Israels vor laufenden Kameras.

Wie es heisst, soll Ministerpräsident Benjamin NETANJAHJU die Forderung Liebermanns abgelehnt haben, den türkischen Botschafter "auszuweisen" und zur Persona non grata zu erklären

Hintergrund: Nach dem Gaza-Krieg hatte das türkische Staatsfernsehen begonnen, die umstrittene TV-Serie zu senden, in der unter anderem durch Schauspieler dargestellt wird, wie während der Militäroperation israelische Soldaten palästinensische Kinder in Gaza erschießen. Gegen diese Art von anti-israelischer Hetze musste Israel entschieden vorgehen, aber wohl nicht so wie geschildert.

Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei haben sich seit der Offensive im Gazastreifen im Winter 2009 verschlechtert. Das NATO-Mitglied Türkei sagte demonstrativ ein Luftwaffen-Manöver mit NATO-Verbänden wegen der geplanten Beteiligung Israels ab. Im "Gegenzug" kündigte Ankara ein Groß-Manöver gemeinsam mit syrischen Streitkräften an. Syrien gilt als "Erzfeind Israels".

Die Türkei protesierte gegen die "demonstrative Erniedrigung" ihres Botschafters in Israel und kritisierte scharf das Vorgehen des israelischen Außenministeriums. Das türkische Außenministerium betonte, dass sich Ankara stets "für Frieden und Stabilität in der Region" einsetze und dabei auf friedliche Mittel setze.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip ERDOGAN hat mehrfach - das letzte Mal besonders deutlich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos - Israel die "massenweise Tötung von Zivilisten im Gaza-Streifen" vorgeworfen.

Auf einer Pressekonferenz mit Libanons Präsidenten Saad HARIRI am 12.01. sagte Erdogan, Israel gefährde den Frieden in der Region und die Türkei werde dies nicht dulden. Er warf Israel erneut den Einsatz "übertriebener Gewalt gegen die Palästinenser und die gezielte Verletzung des libanesischen Luftraums" vor. Erdogan forderte zudem, das israelische Atomprogramm müsse offengelegt werden.

Das israelische Außenministerium verurteilte umgehend die "hemmungslose Attacke gegen Israel" Erdogans und unterstrich, Israel "respektiere" die Türkei und sei an kontinuierlichen normalen Beziehungen zwischen den Staaten interessiert, erwarte jedoch von der türkischen Seite, "Israel für ihren Teil mit einer ähnlichen Einstellung gegenüberzutreten."

(BerlinKontor)

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