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Berlin (dpa) - Die PEN-Mitgliederversammlung lehnte am gestrigen Samstag bei ihrer Sitzung im thüringischen Rudolstadt einen Antrag auf Aberkennung der Ehrenpräsidentschaft von Günter Grass wegen seines Israel-Gedichts ab. 
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Samstag, 21 April 2012 05:38

Beitrag zu Günter Grass!

Shraga Elam:       Günter Grass' Gedicht als Friedensbeitrag?   Höchstwahrscheinlich meinte es Günter Grass gut mit seinem Gedicht und wollte auf die drohende Gefahr aus den gegenseitigen Drohgebärden zwischen Israel und Iran hinweisen und sie abwenden. Wem aber nützen sein reichlich später Mutanfall voller Banalität des Guten und sein vermeintlicher Tabubruch? Könnte die jetzige internationale Debatte um seine jüngste peinliche Lyrik dem Frieden dienen? Und könnte diese Diskussion Friedensinitiativen wie meinem Vorschlag förderlich sein? Obwohl ich ein vehementer langjähriger Verfechter des Friedens in Nahost (inklusive  zwischen Israel und Iran) und ebenso dezidierter Gegner des blasphemischen und wahllosen Fuchtelns mit der Antisemitismus-Keule bin, gefällt mir das neue Grass'sche Kunstwerk nicht. Und isoliert betrachtet ist es höchstwahrscheinlich leider erst noch kontraproduktiv. Zu viele antijüdische wie auch antiarabische und antimuslimische (!) Ressentiments, Unkenntnisse und deutsche gleichgeschaltete Feigheit bzw. Unehrlichkeit und Verklemmtheit schwingen in Grass' Gedicht mit, sodass sein Friedensappel zur Steilvorlage für Kriegsbefürworter und alle Broders dieser Welt verkommt (Broder tönt sogar in diesem Zusammenhang beinahe vernünftig). Grass ist wahrlich kein Nahost-Experte und muss sich auch die Frage gefallen lassen, warum er so lange zu israelischen Kriegsverbrechen und militärischen Aggressionen schwieg und dies eigentlich auch jetzt tut. Noch 2006 hätte er sich gerne von einer israelischen Hochschule ehren lassen. Dazu kam es nur nicht,  weil aufflog, dass er zu feige gewesen war, im privaten Vorgespräch gegenüber den Eherungs-Organisatoren seine Waffen-SS-Vergangenheit zu gestehen. Übrigens: Wenn diese SS-Episode eine harmlose Jugendsünde gewesen sein soll, warum verschwieg sie der vermeintliche Moralapostel Grass so lange? Hat er noch mehr zu verbergen? Hat er vielleicht weiteres zu beichten?Mit seinem jetzigen vermeintlichen Mutausbruch rennt der Opportunist Grass offene Türen ein. Denn es gibt ja bereits einen breiten internationalen Konsens gegen einen israelischen Angriff auf den Iran. Der Widerstand gegen die eigentlich nicht-existierende militärische Option ist in Israel selber ebenfalls stark. Und die Lieferung eines neuen deutschen U-Boots an Israel sollte die kampflustige Regierung des Landes beschwichtigen und als Kompensation für den nicht-Angriff dienen. Grass ist nicht die erste und bestimmt auch nicht kompetenteste Person, die darauf hinweist, dass eine israelische Attacke unverantwortlich sei und den ganzen Nahen Osten sowie die Welt massiv gefährden könnte. Nur darf der iranische Beitrag zu dieser Situation nicht verniedlicht und verharmlost werden, wie dies Grass tut. Es ist eine Beleidung, den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad lediglich als Maulhelden zu bezeichnen (in einem Tagesthemen-Interview erweiterte Grass diesen verächtlichen Vorwurf verallgemeinernd auch auf alle arabischen Führer). Dass Israel keinem Land der Erde mit Vernichtung drohe, wie der israelische Historiker Tom Segev dies scheinheilig behauptet, stimmt nicht. Davon können ja viele Palästinenser zahlreiche Trauerlieder singen. Auch wenn der sogenannte israelische Präventivschlag den Iran nicht vernichten würde, ist damit zu rechnen, dass eine iranische Vergeltung mehrere Hunderttausend Israeli töten könnte (s. z.B. die Folgen eines "konventionellen" Raketentreffers auf den riesigen Ammoniakbehälter in der dicht besiedelten Haifa-Bucht). Gemäss diesem sehr realistischen Horrorszenario ist eine israelische nukleare Reaktion absolut vorstellbar. Die iranische Führung trägt bestimmt ihre Mitverantwortung für die Zuspitzung der Lage, und ein Friedensapostel sollte kein Atomprojekt, auch nicht für sogenannte friedliche Zwecke, befürworten. Es ist auf der anderen Seite kein Tabubruch, darauf hinzuweisen, dass es verlogen ist, dem Iran zu verbieten, was Israel erlaubt ist, nämlich die Atombombe zu besitzen ("Quod licet Iovi, non licet bovi"). Es braucht auch keine Extraportion Mut, eine nuklearfreie Zone in Nahost zu fordern, was Grass ja vergisst zu verlangen.Hingegen braucht es viel Furchtlosigkeit, die Tatsache öffentlich zu thematisieren, dass die BRD das israelische Atomprojekt massgebend finanzierte und mit Knowhow und Physikern aus der NS-Zeit unterstützte. Zudem leistete die BRD tatkräftig allen  israelischen militärischen Aggressionen seit den 50-er Jahren Beihilfe. Als Gegenleistung waren die jeweiligen israelischen Regierungen u.a. bereit, die vielen NS-Verbrecher in Führungspositionen in der BRD zu dulden bzw. sie reinzuwaschen. Frieden und Entspannung ist möglichEine Entschärfung der explosiven Lage ist nicht nur dringend nötig, sondern auch möglich.  Dabei meine ich nicht lediglich die Realisierung, dass eine eventuelle iranische Atombombe, auch wenn sie nicht zu begrüssen ist, keine wesentliche Änderung der jetzigen Gesamtsituation darstellt. Denn schon heute existiert zwischen Iran und Israel ein Gleichgewicht des Schreckens (in Englisch treffend MAD genannt), und die iranische Führung agiert diesbezüglich vernünftiger, als es ihre Rhetorik vermuten lässt. Es gilt nicht nur, dieses Gleichgewicht zu stabilisieren und sogar auszubauen, sodass kein Verrückter auf die Idee kommt, den falschen Knopf zu drücken. Sondern darüber hinaus sollten Premier Benjamin Netanyahu sowie Präsident Mahmud Ahmadinedschad dazu aufgerufen werden, dem Muster des Israel-Besuchs des ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat von 1978 zu folgen und sich in Teheran, Jerusalem oder wo auch immer zu treffen.Dabei gäbe es einiges zu besprechen: 1)Eine Atomfreie-Zone in Nahost 2)Die Institutionalisierung des längst existierenden Handels zwischen beiden Ländern (Israel beispielsweise importiert oder führte zumindest bis vor kurzem iranisches Erdöl ein und exportiert nicht wenig Waren und Knowhow in den Iran). 3)Die Begleichung der alten israelischen Schulden aus der Shah-Ära. 4)Die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran sowie einen gemeinsamen Aufruf gegen die BDS-Kampagne gegen Israel. 5)Israelische nennenswerte Konzessionen gegenüber Palästinensern. 6)Die Einführung von Demokratisierungsprozessen im Iran und in Israel (hier gegenüber Palästinensern).
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Mittwoch, 11 April 2012 06:26

»Die Reaktionen sind unverschämt«

  Die Kritik von Günter Grass an Israel wird von den Medien niedergebrüllt. Ein Gespräch mit Wolfgang Gehrcke Interview: Peter Wolter   Unser Gesprächspartner Wolfgang Gehrcke ist im Bundestag Obmann der Linksfraktion im Auswärtigen Ausschuss Der Schriftsteller Günter Grass hat den Medien ein Osterei geschenkt: Nach dem Wulff-Skandal haben sie wieder ein Thema, über das sie sich kollektiv empören können. Sie sind eine der wenigen Persönlichkeiten, die sich hinter Grass gestellt haben – werden Sie auch schon angefeindet? Eigentlich nicht, ich habe sehr viele Briefe, Mails und Anrufe bekommen, die mich in ihrer großen Mehrheit ausdrücklich und sehr sachlich unterstützen. Auch aus der israelischen Friedensbewegung haben mich Reaktionen erreicht, meine dortigen Genossinnen und Genossen sind froh, daß endlich öffentlich über den drohenden Krieg geredet wird.Ich selbst habe sofort erklärt: »Günter Grass hat recht« – und davon nehme ich nichts zurück. Mich verblüfft bei den Medien allerdings, dass kaum jemals die Frage gestellt wird, ob Grass denn vielleicht doch richtig liegt. Das tut er nämlich in vielen Punkten. Wenn man die Berichterstattung in Spiegel, Focus, im TV und vielen Tageszeitungen analysiert, fällt eine einheitliche Struktur auf: In den ersten Zeilen wird Front gegen Grass gemacht, ohne auf Argumente einzugehen. Und die Berichte enden mit persönlichen Diffamierungen. Bestätigt das nicht den Vorwurf von Grass, unsere Medien seien fast gleichgeschaltet? In unserer Medienlandschaft ist es unverzichtbar, dass Themen kontrovers behandelt werden. Ein dafür charakteristischer Stil – wie ihn z. B. der Konservative Sebastian Haffner gepflegt hat – ist sehr selten geworden. Uniforme Meinungen aber schaden der Demokratie. Eigentlich hat Grass die Medien herausgefordert – eine qualifizierte Antwort steht bisher aus. Es ist ein schlimmer Zustand, wenn bestimmte Themen einfach ausgeklammert werden.Für mich war in dem Gedicht von Grass die zentrale Frage: Stimmt es, dass Israel dem Iran mit einem militärischen Angriff droht? Wenn dieser Vorwurf nicht stimmen würde, wäre das eine ungeheure Diffamierung. Wenn es aber doch stimmt, dann stellt sich die Frage: Muss man nicht alles tun, um einen solchen Krieg zu verhindern?Die Behauptung vieler Medien ärgert mich, Grass habe Israel angegriffen. Das ist eine Unverschämtheit! Richtig ist vielmehr, dass er dessen Regierung kritisiert und die deutsche Bundesregierung dazu. Er tut das aber solidarisch mit der Bevölkerung Israels, in einer angenehmen Hinwendung – was auch meine Position ist. Ich weiß, dass die Menschen in Israel selbst keinen Krieg gegen den Iran wollen – und die sind es, mit denen ich mich verbunden fühle! Über Grass werden jetzt Kübel mit Dreck ausgegossen: Er sei altersbedingt gaga, man müsse ihm den Griffel aus der Hand nehmen, er sei im Grunde ein Antisemit. Wird damit nicht jede Kritik an Israel als antisemitisch abgetan? Eine solche Gleichsetzung ist natürlich völliger Unsinn. Ich habe in Israel viel schärfere Kritik an der Regierung von Benjamin Netanjahu gehört, als die meisten unserer Medien hierzulande zulassen. Sind diese jüdischen Kritiker etwa Antisemiten? Es haben auch jüdische Persönlichkeiten und Gruppen in Europa Grass in Schutz genommen – etwa die »Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost«. Wie hat Ihre Partei darauf reagiert, dass Sie sich mit Grass solidarisieren? Es gibt in ihr ja auch bedingungslose Anhänger Israels, die ähnlich faktenfrei argumentieren wie die erwähnten Medien. Stichwort: Bundesarbeitskreis »Shalom« ... Alle Reaktionen, die mich bisher aus der Partei erreicht haben, klangen so, als sei man ganz zufrieden damit. Es wird immer wieder unterstrichen, dass ich drei Punkte angesprochen habe.Erstens: Kein Krieg gegen den Iran, das wäre nämlich eine Katastrophe für den ganzen Nahen Osten. Zweitens: Von wem gingen denn bisher die Kriegsdrohungen aus? Das war doch wohl die israelische Militär- und Staatsführung. Drittens: Wer, wie die deutsche Bundesregierung, in einer solchen Situation auch noch atomwaffenfähige U-Boote an Israel liefert, macht sich mitschuldig.Die Reaktionen aus meiner Partei bestärken mich darin, dass sie sehr einheitlich und mit Courage gegen jede Art Krieg auftritt. Ich bin daher sehr zuversichtlich, dass  bei den diesjährigen Ostermärschen viele meiner Genossinnen und Genossen dabei sind.(jW)
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Mittwoch, 11 April 2012 06:23

Kriegstrommeln werden gerührt

Von Arnold Schölzel 1959 wurde Grass in der BRD wegen seines Romans »Die Blechtrommel« (Filmfoto) über Faschismus und Weltkrieg wegen Pornographie angepöbelt Der Schriftsteller Günter Grass wehrte sich in mehreren Fernsehinterviews am Donnerstag gegen die neueste deutsche Propaganda für Krieg. Deren Anlass war sein am Mittwoch veröffentlichtes Gedicht »Was man sagen muss«, in dem er – in ausdrücklicher Verbundenheit mit Israel – vor einem Erstschlag gegen den Iran warnte. Grass kritisierte außerdem die kürzlich vereinbarte Lieferung eines sechsten deutschen U-Boote an Israel und wies auf die Gefährdung des Weltfriedens hin. Im »tagesthemen«-Interview kritisierte er außerdem die Besatzungspolitik Israels. Einen Widerruf seiner Thesen lehnte er ab. Zahlreiche Kommentatoren widmeten sich den von ihnen bei Grass vermuteten Motiven, nutzten aber vor allem die Gelegenheit, um den Iran als angeblichen Kriegstreiber anzuprangern. Eine monströse Diffamierungsleistung lieferte am Freitag die Kandidatin der Linken zur Bundespräsidentenwahl Beate Klarsfeld ab. Sie zitierte in einer Mitteilung aus einer Hitler-Rede im Jahr 1939 die Formulierung »das internationale Finanzjudentum« und fuhr fort: Wenn man diesen Ausdruck durch »Israel« ersetze, »dann werden wir von dem Blechtrommelspieler die gleiche antisemitische Musik hören.« Ähnlich schrieb der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, für Handelsblatt online: »Günter Grass hat zwar die Waffen-SS verlassen. Aber offenbar hat die Judenfeindschaft der Waffen-SS Günter Grass doch niemals verlassen.« Vertreter der Regierungsparteien hielten sich mit Äußerungen zurück, der Grünen-Parlamentarier Volker Beck nannte Grass »uneinsichtig«, der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich warf ihm »Einseitigkeit« vor. Den Medienlenkern reicht das offensichtlich nicht. So schrieb der Vorstandsvorsitzende des Medienhauses Axel Springer, Mathias Döpfner, in Bild unter dem Titel »Der braune Kern der Zwiebel«, es gehe jetzt nicht mehr darum, was Grass gesagt habe, sondern nur noch, wie die Deutschen darauf reagierten. Döpfner hatte Ende 2010 den Krieg des Westens gegen das »Weltkalifat« propagiert. Aufschlussreich für die derzeitige Medienausrichtung erscheint die am Freitag vom Bundestagsabgeordneten Diether Dehm (Die Linke) verbreitete Information, dass eine von ihm in Auftrag gegebene Anzeige mit dem Text »Kein Krieg gegen den Iran!« vom Madsack-Konzern abgelehnt wurde. Selbst das Angebot, nur den Satz Willy Brandts »Krieg ist die ultima irratio« zu zitieren, akzeptierte das vor allem in Niedersachsen tätige Presseunternehmen nicht. Der Linke-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Gregor Gysi, wandte sich mit einem Brief an die Madsack-Führung und fragte darin: »Ist es wirklich in Ihrem Verlag so weit gekommen, dass Warnungen vor Krieg und Werben für den Frieden gegen Ihre verlegerischen bzw. unternehmerischen Absichten verstoßen?« Vor diesem Hintergrund starteten am Donnerstag in Erfurt die diesjährigen Ostermärsche. Der Sprecher der Infostelle Ostermarsch 2012, Willi van Ooyen, äußerte aus Anlass der Auseinandersetzungen um Grass am Freitag erneut »Sorge über die politische Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten.« Er erklärte: »Wir wollen, daß die Menschen in Israel – aber auch in Palästina, im Irak und in Syrien – in Frieden leben können. Krieg und Militarisierung lösen keine Probleme, weder in dieser Region noch sonstwo auf der Welt. Kriegsdrohungen und Kriegsvorbereitungen vergiften die politische Atmosphäre.« Der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag, Peter Strutynski, stimmte in einer Pressemitteilung der »politische(n) Aussage« des Grass-Gedichtes »ausdrücklich« zu.(jw)
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Mittwoch, 11 April 2012 06:20

Tausende gegen Krieg

  Ostermärsche in 80 Orten: Afghanistan-Einsatz und Rüstungsexporte in der Kritik. Auch Aktionen an AKW-Standorten. Veranstalter mit Beteiligung zufrieden Von Max Eckart   Teilnehmer des Ostermarsches in Bremen am Samstag Foto: dapd Die Friedensbewegung hat am Wochenende mit rund 80 Ostermärschen Flagge gezeigt. An den Kundgebungen und Demon­strationen beteiligten sich insgesamt mehrere tausend Menschen – das waren weniger als in den Jahren davor. Eine Erklärung neben der kalten Witterung liefert der Wegfall des Mobilisierungsmagneten »Bombodrom«. Nach ihrem Erfolg im jahrelangen Kampf gegen die Nutzung des ehemaligen Truppenübungsplatzes als Bombenabwurfplatz hatte die Bürgerinitiative »Freie Heide« dieses Mal nicht zum Ostermarsch aufgerufen.Gleichwohl zeigten sich die gro­ßen Organisationen der Friedensbewegung mit der Beteiligung zufrieden. »Wenn Tausende Menschen bei eisigen Temperaturen, Regen, Hagel und Schnee überall im Land auf die Straße gehen, dann muss es ihnen Ernst sein mit ihrem Anliegen«, sagte Peter Strutynski, der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag.Inhaltliche Klammer der diesjährigen Ostermärsche war die Forderung nach einem Abzug der westlichen Truppen aus Afghanistan. Dieser Krieg müsse umgehend beendet werden. Das versprochene Abzugsdatum Ende 2014 bedeute – wenn es denn überhaupt eingehalten werde – weitere zwei Jahre grausamen Krieg, unter dem hauptsächlich die Zivilbevölkerung leiden müsse.Zudem verlangten die Demon­stranten den Stopp aller Rüstungsexporte. Viele Kundgebungsredner hoben hervor, dass Deutschland in die Spitzengruppe der größten Waffenexporteure der Welt aufgestiegen und somit verantwortlich für die Versorgung der halben Welt mit todbringenden Waffen ist.Vielfach gingen die Ostermarschierer auch auf das israelkritische Gedicht von Günter Grass und die Reaktionen darauf ein. »Grass hat recht«, hieß es auf Transparenten. »Nicht Günter Grass gehört an den Pranger, sondern diejenigen Politiker, die weiterhin an der Eskalationsschraube im Nahen und Mittleren Osten drehen, indem sie den Iran mit Wirtschaftssanktionen immer mehr in die Enge treiben«, erklärte der Bundesausschuss Friedensratschlag. Im Konflikt um das iranische Atomprogramm gebe es nicht den Schurken Ahmadinedschad auf der einen und friedfertige Staaten auf der anderen Seite. »Dass Israel über 250 einsetzbare Atomsprengköpfe besitzt, dem Atomwaffensperrvertrag nicht beigetreten ist, keinerlei internationale Kontrollen über seine Atomanlagen zulässt und zudem offen das Für und Wider eines Präventivkriegs gegen Iran diskutiert, sind Tatsachen, die Günter Grass auf seine Weise ins rechte Licht gerückt hat.«Das Netzwerk Friedenskooperative bezeichnete das von der israelischen Regierung ausgesprochene Einreiseverbot für den Schriftsteller als unsouveräne Reaktion. Damit werde auch jede Möglichkeit ausgeschlossen, dass der Literaturnobelpreisträger sich etwa von Universitäten organisierten Streitgesprächen in Israel stellen könnte.Vielfach setzten die örtlichen Veranstalter eigene Schwerpunkte. In Berlin umzingelten Demonstranten mit einem rund 600 Meter langen Transparent die US-amerikanische Botschaft in Solidarität mit Mumia Abu-Jamal und verlangten ein Ende der Todesstrafenpraxis. Beim Leipziger Ostermarsch protestierten sie gegen die Nutzung des Flughafens für Kriegseinsätze, im thüringischen Ohrdruf verlangten sie die Auflösung des Truppenübungsplatzes. Friedensinitiativen aus dem Rhein-Main-Gebiet forderten die Schließung des US-Headquarters in Wiesbaden. Atomanlagen waren ebenfalls Ziele von Ostermärschen. Im westfälischen Gronau blockierten Atomkraftgegner eine Zufahrt zur Urananreicherungsanlage. Vor dem AKW Brokdorf zogen Umweltschützer zu einer Mahnwache auf. Auch am Forschungszentrum Jülich und am Atommüllager Asse gab es Protestaktionen.(jw)  
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Mittwoch, 11 April 2012 06:18

Wo Grass wächst ...

... da wächst kein Gras mehr. Über Kartoffeln, Katzen und die DDR als KZ Von Wiglaf Droste   »Au au au statt Miau!« Grata ist der Name einer Kartoffelsorte; wenn Mitglieder der israelischen Regierung Günter Grass zur persona non grata erklären, ist das eine kulinarische Entscheidung: Der deutsche Kulturbetriebswirt Grass ist ungenießbar. Ein Einreiseverbot gegen die Lübecker Marzipankartoffel zu verhängen, wirkt allerdings voreilig; Grass hatte ja nicht einmal erklärt, einreisen zu wollen, und mindestens so lange kann man doch mit einem Veto warten.Der israelische Historiker Tom Segev hält nichts von hitzigen und überstürzten Reaktionen auf Günter Grass und sein »Was gesagt werden muss«-Gestammel: »Wenn ich Ratgeber des Premiers wäre«, sagte Segev, »hätte ich vorgeschlagen, gar nicht darauf zu reagieren. Wen kümmert es schon, was Grass zu Israel und Iran denkt?«Solche kluge, lässige Souveränität ist allerdings wenig schlagzeilentauglich und verkaufsfördernd, und so entschied sich der deutsche Medienbetrieb wie immer fürs Geschrei. Frank Schirrmacher entdeckte in der FAZ die Kunst, »mit dem Schraubenzieher zu lesen« und erwies sich damit etwa so metaphernsicher wie Günter Grass. Lyrik ist schwyrik, Lyrikkritik aber auch, allein schon wegen der drei ›k‹ im Wort Lyrikkritik. Lesen wir das Gedicht »Vergleichsweise«, das Grass vor mehr als 40 Jahren schrieb:Eine Katze liegt in der Wiese.Die Wiese ist hundertzehnmal neunzig Meter groß;die Katze dagegen ist noch sehr jung.Der Arbeitskreis »Lyrik statt Grass« erklärt dazu: »Die arme Katze! Au au au statt Miau, das ist doch Tierquälerei mit schiefen Bildern! Aufhören!« Als Lyriker war Grass immer schon eine taube Nuss. Der Methode »Schreib’s untereinander und nenn’ es Gedicht« blieb er treu. Im Band »Letzte Tänze«, der ehrlicherweise »Letzte Schwänze« oder »Impotänze« hätte heißen müssen, findet sich auch »Ein Wunder«:Soeben noch schlaff und abgenutztNach soviel Jahren Gebrauch,Steht Er– Was Wunder!Er steht –,Will von dir, mir und dir bestaunt sein,Verlästert und nützlich zugleich.So etwas schafft kein Ghostwriter und kein Lektor, das kann nur Günter Grass ganz allein. Mit der Prosa sieht es ähnlich aus. »Auf Weihnachten wünschte ich eine Rättin mir«: Das ist nicht Literatur, das ist eine Blähung. Wenn Grass demonstrativ nein sagen will, sagt er nicht nein, sondern schreibt: »Dem sei mein Nein vor die Schwelle gelegt.« Geht es noch geschwollener? Grass, der sein Berufsleben in Gockelhaft verbracht hat, schreibt »Wir vom Archiv nannten ihn Fonty«, selbstverständlich aus »Verehrung« für Fontane, so wie er ja auch behauptet, »für Brecht« zu sprechen, wenn er in seinem Stück »Die Plebejer proben den Aufstand« Brecht als »Verräter« brandmarkt und empfiehlt, ihn einfach aufzuhängen.Wen Grass zu seinem »Freund« erklärt, dem er »verbunden« ist, der muss mit dem Schlimmsten rechnen. Grass nennt sich Freund, um gefahrlos zuschlagen zu können. So plump und so feige das ist, so verfängt es doch immer noch da und dort. Linke und Friedensbewegte solidarisieren sich mit Grass, einem gelernten Lügner und Denun­zianten, der beispielsweise Heinar Kipphardt als Terrorismus-Sympathisanten anschwärzte und in aufwendiger Wühlarbeit mit Arnulf Baring und Hans-Jochen Vogel dafür sorgte, dass Kipphardt seine Arbeit als Dramaturg an den Münchner Kammerspielen verlor. Der Briefwechsel zwischen Kipphardt und Peter Hacks (»Du tust mir wirklich fehlen«, Eulenspiegel) ist auch diesbezüglich eine sprudelnde Quelle der Erkenntnis.Der Leipziger Autor und Verleger Joachim Jahns hat in seinem Buch über Günter Grass und die Waffen-SS auf den »Offenen Brief an Anna Seghers« hingewiesen, den Grass am 14.8.1961 veröffentlichte und in dem er die DDR ein »Konzentrationslager« nennt und Walter Ulbricht dessen »Kommandanten«. Das schrieb einer, der bei der Waffen-SS war, die in den Konzentrationslagern Massenmorde beging. Um sein Bedürfnis nach Selbstentlastung zu befriedigen, war und ist Grass jedes Mittel recht, er scheute und scheut bis heute vor nichts zurück.Tom Segev hat recht: »Wen kümmert es schon, was Grass zu Israel und Iran denkt?« Oder über Katzen und seinen Schwanz? Wer Grass abnimmt, es gehe ihm um irgendeinen wie auch immer gearteten »Inhalt«, der sich nicht in den Worten Günter Grass zusammenfassen ließe, der geht ihm auf den Leim. Es gibt keinen Inhalt, den Grass nicht zu seinen Zwecken missbraucht.(jw)
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In der diesjährigen Hadsch-Botschaft Ajatollah Khameneis an -Pilger zum Hause Gottes in Mekka hat dieser an die wichtigsten aktuellen Anliegen der Islamischen Welt erinnert, wie die Wachsamkeit gegenüber Spaltungsversuchen, die Unterstützung Palästinas und die Unterscheidung …

"Integrier‘ dich, aber lass dich möglichst nicht blicken"

Aktionsbündnis muslimischer Frauen in Deutschland (AFD) kommententiert das jüngste BAG-Urteil zum Kopftuchtragen in einem Evangelischen Krankenhaus

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Reinigung des Reichtums

Die Zakat ist Pflichtelement des Islam, dessen Bedingungen und ­Bedeutungen seit Längerem in Vergessenheit gerieten. Schaikh Habib ­Bewley erinnert an eine gefallene Säule unseres Dins

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Die große Rückkehr (9)

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Bis heute rätseln Wissenschaftler, wie und wann der Koran verschriftlicht wurde. Ein Puzzleteil für diese Forschung liegt in der Berliner Staatsbibliothek – die älteste umfangreiche Koranhandschrift der Welt.

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